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Hofweise
Bezeichnung für einen Melodietyp des 15./16. Jh.s. Die Bezeichnung von „Tönen“ (Melodien) ist aus dem Meistersang wohlbekannt. Doch schon für einige geistliche Lieder des Mönchs von Salzburg (2. Hälfte des 14. Jh.s) finden wir in der Mondsee-Wiener Liederhandschrift (um 1450) Bezeichnungen wie „langer Ton“, „kurzer Ton“, „Chorweise“, „zarter Ton“ und „Hofton“. In der Kolmarer Liederhandschrift, der größten Meistersingerhandschrift (geschrieben 1459–62), sind viele solche Bezeichnungen überliefert, v. a. für Lieder in Kanzonenform. Das gilt auch für die sog. Liederbücher des 15. Jh.s (z. B. Lochamer-Liederbuch).

Die H.n sind die wichtigsten Grundlagen des „Gesellschaftsliedes des 16. Jh.s und haben letztlich ihre Voraussetzungen im cantus firmus, in der geistlichen Lyrik des Spätmittelalters und im Meistersang: ‚deutsche Gebildetenlyrik‘“ (Gruber, MGÖ 1, 206) zwischen Mittelalter und Barock. Die H.n überwiegen z. B. bei H. Isaac und P. Hofhaimer, also in der neuen Liedkunst des 16. Jh.s am Hof Maximilians I. mit dessen Hofkapelle.


Literatur
F. Schanze, Meisterliche Liedkunst zwischen Heinrich von Mügeln und Hans Sachs 1 (1983), 249 u. 2 (1984), 336; U. Müller et al. (Hg.), Faksmile der Kolmarer Liederhs., 2 Bde. 1976; Ch. Petzsch in JbfVlf 17 (1972); MGÖ 1 (1995), 205–208.

Autor(en)
Franz Viktor Spechtler
Empfohlene Zitierweise
Franz Viktor Spechtler, Art. „Hofweise‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]