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Instrumentenbau
Nachrichten über den Bau von Musikinstrumenten im österreichischen Raum bis zur Renaissance sind spärlich und nicht geeignet, ein umfassendes Bild zu zeichnen. Grundsätzlich ist von einer Personalunion von Spieler und Hersteller auszugehen. Dies ist zumindest auf dem Sektor der Saiteninstrumente belegt (Geigen- und Lautenbau). Spätestens Mitte des 16. Jh.s waren in Österreich hochqualifizierte Geigen- und Lautenmacher ansässig, wie die Instrumente aus der Ambraser Kunst- und Wunderkammer von Erzhzg. Ferdinand II. von Tirol belegen (z. B. Elfenbeinlaute von G. Gerle). Gerade das Inventar dieser bedeutenden Instrumentensammlung belegt aber auch, dass zu dieser Zeit ein reger Handel existierte, v. a. mit Italien. Aus den bisher vorliegenden Quellen ist zu schließen, dass Österreich auf dem Sektor der Tasteninstrumente eine Vorreiterrolle zukommt. So wird Mag. H. Poll aus Wien 1397 als Erfinder eines neuen Instruments erwähnt, das er „Clavicembalum“ nannte. Die weltweit früheste Darstellung eines Clavicytheriums findet sich 1463 in der Pfarrkirche von St. Katharina in Dornbach bei Villach/K. Die früheste Beschreibung eines Claviorganums gibt P. Paulirinus in seinem zur selben Zeit erschienenen Liber viginti artium. Zusätzlich belegen ikonographische Quellen die Verbreitung aller Tasteninstrumente in dieser frühen Zeit.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss, den die kaiserliche Hofmusikkapelle v. a. auf die Entwicklung des Geigen- und Lautenbaus ausübte. Kaiser Maximilian I., verantwortlich für die Etablierung dieser Institution, hatte ein besonderes Naheverhältnis zur Stadt Füssen/D. Diese Stadt war damals ein Zentrum des Lauten- und Geigenbaus. Der wirtschaftliche Druck bewog viele dieser Handwerker zur Emigration und so zählen zu den besten in Wien nachweisbaren Geigenbauern in den folgenden Jh.en immer wieder Männer, die aus dem Allgäu in die kaiserliche Residenzstadt zugezogen sind. Der Geigenbau in der Hauptstadt florierte und ab 1696 waren die Geigen- und Lautenmacher in einer Zunft organisiert.

Bezüglich der Blechblasinstrumente lässt sich feststellen, dass diese bis ins 17. Jh. v. a. aus Nürnberg/D bezogen wurden. In Wien wurden Blechblasinstrumente bester Qualität erstmals von der ab dem späten 17. Jh. nachweisbaren Familie Leichamschneider gefertigt. Trompeten waren unverzichtbarer Bestandteil jeder fürstlichen Hofhaltung. Es ist naheliegend, dass die Trompetenmacherkunst in der kaiserlichen Hauptstadt blühte und damit eine Tradition geschaffen wurde, die bis ins frühe 20. Jh. ungebrochen blieb.

Der österreichische Orgelbau nahm sowohl Einflüsse aus dem süddeutschen als auch aus dem italienischen Raum auf. Einige erhaltene Claviorgana (S. Rorif, V. Zeiss und Josua Pockh) sind als Belege für die Vorliebe für kontrastreiche und bunte Klangmischungen zu werten. Im kirchlichen Raum sind aus der Spätrenaissance in Innsbruck Orgeln erhalten, die sowohl den süddeutschen Stil (Hofkirche) als auch den italienischen Einfluss (Silberne Kapelle) belegen. In Ostösterreich sind aus dem Frühbarock die Orgeln in Klosterneuburg (J. G. Freund, 1642) und in der Wiener Franziskanerkirche (J. Weckerl, 1642) zu nennen. Das Aufblühen des Orgelbaus im späten 17. Jh. ist dem Wiederaufbau zu danken, der den Wirren der Türkenkriege folgte. Wie auch in anderen Ländern, wurden in Österreich besaitete Tasteninstrumente vornehmlich von Orgelbauern gefertigt. Wie erhaltene Inventare belegen, wurden im Barock Cembali vornehmlich aus Italien importiert. Das früheste erhaltene österreichische Cembalo ist mit 1696 datiert und weist neben baulichen Eigenarten eine besondere Ausführung der Bassoktave auf, die unter die normale kurze Oktave reicht und diatonisch bis F1 ausgebaut ist.

Der Wiener Klavierbau entwickelte sich einerseits aus der Fortführung einer lokalen Cembalobautradition, wesentliche Einflüsse erfolgten durch den Zuzug von Instrumentenbauern aus dem süddeutschen und böhmischen Raum, bedingt durch die allgemeine Liberalisierung in der 2. Hälfte des 18. Jh.s. Den entscheidenden Impuls erhielt er jedoch durch das Schaffen der Komponisten der Wiener Klassik. Diese standen in Kontakt mit den führenden Wiener Klavierbauern, was zu einem Diskurs zwischen Produzenten und Konsumenten führte, der sich auf die Entwicklung dieses Instrumententypus positiv auswirken musste. Während zu W. A. Mozarts Zeit noch der helle, transparente Klang der Steinschen Instrumente als Ideal angesehen wurde, ging die Tendenz nach der Jh.wende in Richtung Klangvolumen und orchestrale Farbigkeit; Eigenschaften, die die Klaviere von A. Walter und C. Graf, die mit L. v. Beethoven in Verbindung standen, gut erfüllen konnten. Zu dieser Zeit gab es auch im westlichen Ausland, v. a. in Paris und London, äußerst produktive Klavierbaufirmen. Dass deren Instrumente auf dem österreichischen Markt praktisch nicht präsent waren, lag, abgesehen von den Zollbedingungen und dem damit verbundenen hohen Preis, sicherlich auch am Klangideal. Die mangelnde Transparenz und Zeichnungsfähigkeit dieser Klaviere scheint der Klangvorstellung des Publikums nicht entsprochen zu haben. Hinsichtlich der rechtlichen Stellung sind die Instrumentenmacher um 1800 als bürgerliche Gewerbetreibende anzusehen. Dies bedeutet, dass sie das Bürgerrecht der jeweiligen Stadt erlangen mussten und danach das Meisterrecht erhielten. Für einige Berufsgruppen (Geigen- und Lautenmacher, Waldhorn- und Trompetenmacher) gab es Innungen, die allerdings nur interne Angelegenheiten regelten. Rechtliche Belange (Erteilung von Befugnissen oder des Meisterrechts) wurden von den Städtischen Behörden geregelt und die Instrumentenmacher unterlagen der allgemeinen Handwerksordnung.

Ein Charakteristikum des österreichischen I.s am Übergang zur Romantik ist seine Experimentierfreudigkeit. Die Palette der Neuerungen reicht von marginalen Verbesserungen von Mechanikteilen über Spazierstockinstrumente (Csakan), die Orphica (ein tragbares Klavier) bis zu klanglichen Neukonzeptionen. Der für die Zukunft wesentlichste Anstoß war vermutlich die Entwicklung der aufrechtstehenden Klaviertypen. Die Mehrzahl dieser neu entwickelten Instrumententypen, die man oft mit phantasievollen Namen zu vermarkten versuchte, erwies sich als nicht lebensfähig und verschwand bald aus dem öffentlichen Interesse (eines dieser Beispiele ist der Arpeggione).

Abgesehen von derartigen Erfindungen bewegte sich der österreichische Streich-I. im 19. Jh. in traditionellen Bahnen. Die italienischen Geigen setzten sich dank ihres überlegenen Tonvolumens als Vorbild durch und verdrängten das bis dahin vorherrschende Stainer-Modell. Auch die österreichischen Geigenbauer folgten diesem Trend, ihre Kopien nach Stradivari oder Guarneri werden bis heute als verlässliche Orchesterinstrumente eingesetzt und sind dadurch verantwortlich für das unverwechselbare Wiener Klangkolorit. Den Bläsern kommt in Hinblick auf die spezifische Klangkultur noch größere Bedeutung zu. Bis in das frühe 20. Jh. wurde in den Wiener Orchestern die sog. Ziegler-Flöte verwendet, bis heute (2002) erhalten haben sich die sog. Wiener Oboe und das Wiener Horn.

Der österreichische Klavierbau des 19. Jh.s war in erster Linie auf den Export in die Länder der Monarchie ausgerichtet. Die Produktionsstätten waren in den meisten Fällen Mittelbetriebe, qualitäts- und quantitätsmäßig ragten die Firmen L. Bösendorfer, J. B. Streicher und F. Ehrbar heraus. Im Gegensatz dazu waren in Deutschland, Frankreich und England bereits Großfabriken in der Klavierproduktion tätig, die mit ihren Produkten auf den österreichischen Markt drängten. Eine strenge Zollpolitik diente dem Schutz für den heimischen Markt. Wie die zahlreichen, bei internationalen Ausstellungen erlangten Medaillen belegen, hielt auch das Qualitätsniveau der österreichischen Klaviere der Konkurrenz stand. Ein häufig geäußerter Kritikpunkt betraf das fast hartnäckige Festhalten der hiesigen Produzenten an der sog. Wiener Mechanik. Während die Hersteller aus den westlichen Ländern fast ausnahmslos auf die Repetitionsmechanik umgestiegen waren, blieb in der Monarchie jener einfache, aber schwergängige Typus bis in das frühe 20. Jh. vorherrschend. Dies wurde damit begründet, dass v. a. in den östlich gelegenen Ländern der Monarchie die Infrastruktur so wenig entwickelt sei, dass eine flächendeckende Versorgung mit fähigen Klaviermachern nicht immer gegeben und dieser robuste und einfach zu wartende Mechaniktyp daher besser geeignet sei als die sog. „Englische Mechanik“.

Der Ausgang des Ersten Weltkrieges stellte für praktisch alle österreichischen Musikinstrumentenhersteller eine existenzielle Bedrohung dar. Parallel mit der Verkleinerung des Staatsgebietes ging eine ebensolche des Exportmarktes einher. Nur wenige Klavierbaufirmen überlebten diese Strukturveränderung. Nicht viel besser erging es den Herstellern der anderen Instrumentengruppen. Die unruhige politische Situation und das allgemeine gesellschaftliche Klima war der Entwicklung des I.s nicht förderlich. Nach einer weiteren Zäsur, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, begann sich der Markt erst relativ spät zu erholen. Auf dem Klaviersektor hat als einzige produzierende Firma Bösendorfer überlebt. Zahlreiche Kleinbetriebe sind mit dem Handel, der Wartung und der Restaurierung von Tasteninstrumenten beschäftigt. Guten Ruf genießt der österreichische Orgelbau, was seinen Ausdruck in der Vergabe von internationalen Großprojekten fand (Orgelbau Rieger). Höchstes Niveau besitzen weiters einige mittlere und kleine Betriebe, die den regionalen Bedarf decken und den wichtigen Bereich der Restaurierung historischer Orgelwerke übernehmen. Die Produktion von Blasinstrumenten nimmt heute nur eine untergeordnete Stellung ein. Einige Kleinbetriebe decken den so wichtigen Bereich der Betreuung und Wartung dieser Instrumente ab. Eine positive Entwicklung hat während der vergangenen Jahre der Geigenbau genommen. Nach einer Stagnation nach dem Zweiten Weltkrieg sind heute die Bereiche Neubau und Restaurierung von Saiteninstrumenten auf hohem Qualitätsniveau abgedeckt. Die Ausbildung kann entweder in der traditionellen Form als Lehre erfolgen oder – seit einigen Jahren – als Studium an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt in Hallstatt/OÖ.


Literatur
Lit (Auswahl): MGÖ 1–3 (1995); Eberstaller 1955; A. Forer, Orgeln in Österreich 1973; H. Haupt, Wiener I. um 1800, Diss. Wien 1952; Hopfner 1999; A. Huber (Hg.), Das Österreichische Cembalo 2001; Ottner 1977; Prochart 1979.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Instrumentenbau‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]