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Internationale Musikgesellschaft (IMG)
Die erste internationale musikwissenschaftliche Vereinigung, 1898 in Berlin von Oskar Fleischer gegründet, um den wissenschaftlichen Austausch zu fördern. Die Idee verbreitete sich rasch, 1902 zählte die IMG weltweit über 750 Mitglieder in etwa 30 Ländern. Die Mehrzahl der Mitglieder stammte zunächst aus dem Deutschen Reich, Engländer und Amerikaner holten jedoch bald auf. Unter den 836 Mitgliedern von 1909 waren 375 Deutschsprachige, 214 Engländer und Amerikaner. Die IMG wurde zunächst von Fleischer in seiner Funktion als Vorsitzender der Zentral-Geschäftsstelle in Berlin geleitet. Die Sektionsvorstände der verschiedenen Länder bildeten das Präsidium der IMG, nationale Aktivitäten wurden im wesentlichen von den selbst verwalteten Ortsgruppen getragen. 1903 kam es aufgrund großer Unzufriedenheit mit seiner undemokratischen Leitung zu heftigen Auseinandersetzungen, welche zum Rücktritt der Vorstände der deutschen Landessektionen führten. Bei einer im Dezember 1903 in Leipzig abgehaltenen Versammlung beschlossen die Ortsgruppenvertreter die Neustrukturierung der Gesellschaft. Ab 1904 verstand sich die IMG als Zusammenschluss von Ortsgruppen und Landessektionen, dessen dreiköpfiger Vorstand – Vorsitzender, Schatzmeister und Schriftführer – von den Sektionsvorständen (= Präsidium) gewählt wurde. Hermann Kretzschmar war erster Vorsitzender der neu gestalteten Gesellschaft, ihm folgten Alexander Mackenzie (1908) und Jules Ecorcheville (1911). 1914 wurde H. Kretzschmar erneut gewählt. Das Präsidium hatte die Kongresse der IMG vorzubereiten (Leipzig 1904, Basel 1906, Wien 1909, London 1911, Paris 1914) und für den Fortgang der beiden Publikationsorgane (Sammelbände und Zeitschrift der IMG) zur sorgen.

1899 bildete sich eine österreichisch-ungarische Sektion, deren Vorstand G. Adler im gleichen Jahr die Gründung der Ortsgruppe Wien initiierte. Später kamen Ortsgruppen in Budapest und Prag hinzu. Unter der Leitung Adlers entfaltete die Ortsgruppe Wien eine rege Tätigkeit, welche auch unter E. Luntz (ab 1905) und H. Botstiber (ab 1910) fortgesetzt wurde. In 15 Vereinsjahren fanden an die 70 Veranstaltungen statt, vorwiegend Vorträge, aber auch Musikabende, zumeist in den Räumlichkeiten des Musikhistorischen Institutes der Universität Wien. Thematisch umfassten die Vorträge Musikgeschichte, vergleichende Musikwissenschaft, Instrumentenbau und Musikpädagogik. Abgesehen von einigen ausländischen Gästen referierten neben Persönlichkeiten des Wiener Musiklebens in zunehmendem Maße Absolventen von G. Adlers Musikhistorischem Institut. Unter den Vortragenden waren G. Adler, H. Botstiber, E. Bienenfeld, Erwin Felber, E. v. Hornbostel, M. Graf, J. Gregor, K. Horwitz, A. Koczirz, O. Koller, E. Luntz, R. Réti, H. Rietsch, A. Schnerich und E. Wellesz. Einen fixen Bestandteil der Wiener Aktivitäten bildeten Aufführungen Alter Musik, für welche Musiker wie A. Rosé und Pablo Casals gewonnen werden konnten. Zunächst im Anschluss an einschlägige Vorträge am Musikhistorischen Institut oder in Form interner Konzerte veranstaltet, fanden ab 1906 Historische Konzerte der IMG auch im Wiener Musikverein statt und wurden so einem größeren Publikum zugänglich gemacht. Wiederholt kamen dabei Stücke zur Aufführung, welche in den von G. Adler herausgegebenen Denkmälern der Tonkunst in Österreich publiziert worden waren, so zum Beispiel Kompositionen von M. G. Monn und M. Schlöger (DTÖ 15/2) beim Historischen Konzert der IMG von 1908. Ebenso versuchte man, durch Vorträge im Wiener Volksbildungsverein breitere Schichten zu erreichen. Die Mitgliederzahl stieg von 68 im Gründungsjahr auf 120 im letzten Vereinsjahr 1913/14 an, allerdings gehörte die Mehrheit nur der Ortsgruppe, nicht der IMG an. Einen Höhepunkt in der Tätigkeit der österreichisch-ungarischen Sektion stellte der mit der Haydn-Zentenarfeier von 1909 verbundene III. Kongreß der IMG (25.–29.5.1909) dar, für dessen Organisation G. Adler verantwortlich zeichnete. Zahlreiche Mitglieder der Wiener Ortsgruppe arbeiteten an Planung und Gestaltung mit. 500 Musiker und Musikwissenschaftler nahmen teil.

Nationale Spannungen hatten sich schon vor dem Ersten Weltkrieg bemerkbar gemacht. Als im Dezember 1914 der damalige Vorsitzende H. Kretzschmar und die reichsdeutschen Sektionsvorstände aus Kriegsgründen – nicht statutengemäß – zurücktraten, bedeutete dies de facto die Auflösung der Gesellschaft. Erst 1927 kam es zur Gründung einer Nachfolgeinstitution, der Internationalen Gesellschaft für Musikwissenschaft mit Sitz in Basel/CH.


Schriften
Schr (Publikationsorgane): SIMG (vierteljährlich, 1899/1900 -1913/14, Bd. 1–15; Redaktion O. Fleischer/M. Seiffert, ab 1903/04 M. Seiffert/C. Maclean); ZIMG (monatlich, 1899–1914, Jg. 1–15; Redaktion O. Fleischer/J. Wolf, ab 1904/05 A. Heuß/C. Maclean).
Literatur
ZIMG 6 (1903/04), 1–16, 13 (1911/12), 187–190 u. 15 (1913/14), 258–260; [Kgr.-Ber.] IMG Wien 1909, 1909; G. Adler, Wollen und Wirken. Aus dem Leben eines Musikhistorikers 1935; G. Eder in Zeitgeschichte 21 (1994).

Autor(en)
Gabriele Eder
Empfohlene Zitierweise
Gabriele Eder, Art. „Internationale Musikgesellschaft (IMG)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]