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Joseph II., KaiserJoseph II., Kaiser
* 1741 -03-1313.3.1741 Wien, 1790 -02-2020.2.1790 Wien. Österreichischer Regent und römisch-deutscher Kaiser. Der älteste Sohn von Kaiser Franz I. und Maria Theresia wurde durch eine umfassende Ausbildung auf seine Regierungsaufgaben vorbereitet; die musikalische Ausbildung war wahrscheinlich durch W. R. Pirck oder/und G. Chr. Wagenseil erfolgt. 1764 zum römischen König gewählt und nach dem Tod des Vaters 1765 zum Kaiser gekrönt bzw. zum Mitregenten der österreichischen Länder ernannt, konnte J. bis zum Tod seiner Mutter seine ehrgeizigen Reformpläne (Umgestaltung der Länder im Sinne der Aufklärung) nur eingeschränkt durchsetzen: Reform des Gerichts- und Justizwesens, Schulordnung, Robotminderung, Aufhebung der Leibeigenschaft, Steuerregulierungen, kirchliche Reformen etc.). J. beschritt den Weg von einer reichsorientierten Politik zu österreichischer Hausmachtpolitik weiter (die Erwerbung Galiziens 1772, der Bukowina 1774/75 und des Innviertels/OÖ 1778/79 fallen in seine Regierungszeit). V. a. die kirchlichen Reformen griffen in ihrer Konsequenz massiv in das Musikleben ein und brachten J. in Konflikt mit dem Papst, sodass er die Reformen kurz vor seinem Tod teilweise zurücknehmen musste (v. a. die Eingriffe in liturgische Belange, wie die Reduktion der Messdauer, der Feiertage und die Beschränkung des Wallfahrtswesen sowie die „Verstaatlichung“ der Priesterausbildung erregten die Missgunst Roms). Die Aufhebung kontemplativer Ordensgemeinschaften, aber auch blühender Klöster zur Schaffung des sog. Religionsfonds (aus dem die Weltpriester bis zur Kassierung des Fonds durch die NS-Machthaber 1938 finanziert wurden) beendete schlagartig große Teile der klösterlichen Musikkultur Österreichs (Klosterkultur) und führte zu unwiederbringlichen Verlusten an wertvollen Codices und Musikalien, sodass die Musikgeschichte vieler dieser Klöster heute nur mehr bruchstückhaft rekonstruierbar ist. Auch die Aufhebung der Bruderschaften zur Schaffung eines staatlichen Versorgungsfonds geht auf J. zurück. Im Sinne aufklärerischer Bildungspolitik (Josephinismus) ist auch die Schaffung des „Nationalsingspiels“ am Burgtheater in Wien 1778 zu sehen (erste Reformen in diese Richtung gehen auf 1770 zurück).

J. war ein großer Musikliebhaber, spielte mehrere Instrumente (v. a. Cello) und musizierte täglich eine Stunde lang mit ausgewählten Musikern (u. a. F. L. Gaßmann und A. Salieri) der Hofmusikkapelle und Freunden. Neben Kammermusik wurden im besonderen aktuelle Opern und Singspiele prima vista durchgespielt; J.s persönliche Vorliebe soll neben italienischer Oper und Singspiel dem strengen Satz gegolten haben.


Literatur
ÖL 1995; NGroveDO 2 (1992); E. Th. Hilscher, Mit Leier und Schwert 2000; F. Hadamowsky, Die Josephinische Theaterreform und die Spielzeit 1776/77 des Burgtheaters 1978.

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Joseph II., Kaiser‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]