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Kärnten
Südlichstes und als politische Individualität das älteste Bundesland Österreichs.

(I) Kunstmusik: Ab dem 2. Jh. v. Chr. bildete sich unter der Führung eines illyro-keltischen Stammes das Norische Königreich, das sich 120 v. Chr. mit Rom verband und schließlich 45 n. Chr. die römische Provinz Noricum wurde. Deren Hauptstadt Virunum (zwischen Klagenfurt und St. Veit an der Glan gelegen) besaß neben einem Amphitheater auch ein Bühnentheater. Funde aus römischer Zeit (Austria Romana), z. B.: neben zwei Cornu-Fragmenten aus Virunum viele bildliche Darstellungen, u. a. Bacchus-Mosaik mit Tympanon schlagendem Satyr aus Virunum; Fresko eines musikalischen Wettstreits zweier Hirten mit Querflöte und Syrinx vom Magdalensberg; Relief einer tanzenden Mänade mit glockenförmigen Schallbecken aus Tiffen; Mänade mit Tympanon aus Juenna (Globasnitz).

Im 8. Jh. begann die bayrische Kolonialisierung und Missionierung K.s. 811 legte Karl d. G. die Drau als Diözesangrenze zwischen Salzburg und Aquileia fest, wobei der liturgisch-musikalische Einfluss Salzburgs auf das gesamte Gebiet des heutigen K.s auch über das Mittelalter hinaus weitaus größer war. Durch ausgedehnten Grundbesitz besonders des Erzbistums Salzburg und des Bistums Bamberg in K. entstanden Nebenherrschaften, die auch in den Folge-Jh.en starken Einfluss haben sollten. Im Zuge der Missionierung wurden die ersten Klöster gegründet (St. Georgen am Längsee), Millstatt, St. Paul im Lavanttal, Ossiach, Arnoldstein), die neben Pfarr- und später Stadtschulen (Völkermarkt, St. Veit) die ersten Bildungszentren waren.

Den musikalischen (gregorianischen) Lehrstoff enthält ein Tractatus de musica, der um 1430 entstanden ist. An vollständigen liturgisch-musikalischen Handschriften (Choral, Gregorianik) haben sich wenige erhalten, z. B. das Millstätter Sakramentar, zwei St. Pauler Missalien (D-Sl, Cod. bibl. fol. 20; Oxford, Bodl. Can. 354) oder einige wenige Handschriften im Kärntner Landesarchiv und im Archiv der Diözese Gurk, sodass Fragmente von Handschriften (Einbände etc.) wichtige Quellen der Gregorianik in K. darstellen. An geistlichen und weltlichen Spielen sind nachweisbar: die 6 Erlauer Osterspiele (um 1430), die „im westlichen Mittel-K., aller Wahrscheinlichkeit nach in Gmünd im Liesertal“ entstanden sind oder das Neidhart-Spiel von St. Paul (um 1350).

Das Herzogtum K. erhielt erst mit den Eppensteinern und 1122–1279 mit den Spanheimern erbliche Herzöge, obwohl es bereits im Jahre 976 als eigenes Herzogtum von Bayern abgetrennt wurde. Unter den Spanheimern wurde der Herzogshof von St. Veit politisches und kulturelles Zentrum, an dem auch Walther v. der Vogelweide und Ulrich v. Liechtenstein, der seine abenteuerliche Venusfahrt durch das heutige K. führte, wirkten. An Minnesängern sind nachweisbar: Heinrich v. dem Türlein, der vielleicht aus St. Veit stammt, zumindest aber „mit dem Adel in K. und den Nachbarländern in Verbindung stand“ (Jillings), Albrecht v. Scharfenberg und Zachäus v. Himmelberg . Der Meistergesang scheint in K. nicht gepflegt worden zu sein, einzig der aus Villach gebürtige Johannes Zehenthoffer ist 1591 in Straßburg im Elsass „als Meistersinger, allerdings nur als Dichter, nicht als Melodieerfinder ... nachweisbar“ (Federhofer 1960). Im Codex Buranus (Carmina Burana) finden sich zwei Gedichte auf Propst Heinrich von Maria Saal (Marner).

Musikinstrumente sind in K. auf zahlreichen Fresken mit musizierenden Engeln des Hoch- und Spätmittelalters dargestellt; darunter befindet sich eine der frühesten Darstellungen eines Clavicytheriums (um 1463) in der Pfarrkirche von Dornbach (Bezirk Spittal an der Drau). Bemerkenswert sind auch die Totentanzfresken (um 1500) am Karner von Metnitz. Eine der bedeutsamsten Quellen nicht nur instrumentalen, sondern auch mehrstimmigen Musizierens des 15. Jh.s sind die Reisetagebücher des Paolo Santonino, der 1485–87 den Bischof von Caorle auf Visitationsreisen auf dem Gebiet südlich der Drau (Diözese Aquileia) als Sekretär begleitete. Einige wenige erhaltene Messfragmente (weiße Mensuralnotation) belegen auch mehrstimmige Kirchenmusik im 15. Jh. in K.

Im 16. Jh. blühte der Bergbau (Blei, Eisen, Silber) auf, der auch positiven Einfluss auf Handel, Gewerbe und das kulturelle Leben hatte. Die Lehre Luthers verbreitete sich in allen gesellschaftlichen Schichten; am Ende des 16. Jh.s war K. – besonders die Städte wie Villach und Klagenfurt – protestantisch. Diese Städte wurden auch Zentren der Musik und der -ausbildung; sie holten sich fähige Musiker von außerhalb, so z. B. J. Herold und I. Posch nach Klagenfurt. In Villach unterrichtete der große Humanist Vadian, der in Villach bei W. Waldner, dem späteren Leiter der Salzburger Hofkapelle, Gesangsunterricht nahm. Der Instrumentenbau erlebte im 16. Jh. seine erste Blüte: Trommel- und Querflöten-Erzeugung (bzw. -Handel) in St. Veit und Wolfsberg und besonders Orgelbau (Orgeln bereits 1472 in Straßburg und 1496 in Maria Saal). Eine Orgeltabulatur (A-Klar, Sign. 4/3; Tabulatur), die um 1560 entstanden sein und aus einem der Kärntner Klöster stammen dürfte, enthält u. a. Werke von Josquin Desprez und L. Senfl.

Um 1600 setzte die Gegenreformation ein, die großen Städte wurden sehr schnell rekatholisiert und die städtischen Schulen von Ordensgemeinschaften, die Schuldramen (mit Musik) und Opern gaben, übernommen, so die Jesuiten in Klagenfurt und Franziskaner in St. Veit. Neben dem Kantor, der meistens gleichzeitig Organist war, waren es besonders die Thurner, die Trompeter und etwas später auch die Stadtgeiger, die in den größeren Städten gleichsam das „Monopol“ auf sowohl geistliche als auch weltliche Musikaufführungen innehatten. Die große Macht der protestantischen Stände wurde im 17. Jh. durch die rigoros durchgeführte Gegenreformation geschwächt und im 18. Jh. im Rahmen der Reformen des aufgeklärten Absolutismus gebrochen. Ferner traten im 17. Jh. wirtschaftliche Schwierigkeiten auf (Abwanderung von Kapital durch die Vertreibung vermögender Protestanten, Erlahmung des Bergbaues, 30-jähriger Krieg). Obwohl sich nur ganz wenige Notendrucke oder -handschriften des frühen 17. Jh.s in K. erhalten haben, scheint der in Italien um 1600 entstandene „stile nuovo“ seinen Weg sehr schnell in diese Region gefunden zu haben (auch z. B. durch Studienaufenthalte von Klagenfurter Organisten in Venedig: Hermann Reich 1572, M. Sutor 1609); ein Musikinventar des Fürstbischofs J. v. Lamberg aus dem Jahre 1622 und eines aus dem Jahr 1626 der Stadtpfarrkirche Villach zeigen neben süddeutschem (O. di Lasso) ausgesprochen modernes italienisches Repertoire: Ludovico da Viadana, Adriano Banchieri, Pietro Lappi, Giacomo Finetti u. a. Annähernd dasselbe Bild liefert ein ca. 60 Jahre (1689) später entstandenes Inventar aus dem abgelegenen Kloster Maria Luggau, wobei aber zunehmend Komponisten aus Süddeutschland und Österreich (J. H. Schmelzer, G. Arnold) aufscheinen.

Gegen Ende des 18. Jh.s dominieren süddeutsche Komponisten wie Johann A. Kobrich mit einfachen „Land-Messen“. Im 18. Jh. sind zunehmend Musiker belegt, die an kleineren adeligen Höfen meist in Doppelfunktion (Landrichter, Schulmeister, Lakai) in Diensten standen (Adelskapellen): am Fürstbischöflichen Hof auf Schloss Straßburg, an der fürstbischöflich-bambergischen Residenz des Vizedoms in Wolfsberg und an der fürstlichen Residenz Schloss Porcia in Spittal/Drau. Spuren von privatem adeligen Musizieren haben sich in der Bibliothek der Familie Goess (Ebenthal bei Klagenfurt ) erhalten: u. a. 13 Bände Lauten- bzw. Theorbentabulaturen (ca. 1660–1740) und Cembalowerke von S. Lapis, Johann Michael Breunich und G. Ch. Wagenseil.

Im 18. Jh. fasste das Theater, das Singspiel und auch die Oper in K. Fuß. Neben adeligen Liebhabertheatern (Gmünd, Spittal, St. Paul, Straßburg) etablierten sich nicht nur in Klagenfurt, sondern in vielen größeren Orten (Friesach, Feldkirchen, Villach, Wolfsberg, Völkermarkt) Bühnen, die entweder von Wandertruppen oder von Dilettanten bespielt wurden.

Im 17. und 18. Jh. lassen sich folgende in K. wirkende Komponisten mit überregionaler Bedeutung nachweisen: I. Posch und G. Arnold, der 1640 als Organist in Wolfsberg wirkte; an Instrumentenbauern haben sich in K. niedergelassen: Geigenbau: Franz Willer (1715 – ca. 1786); Orgelbau: Kaspar Fluder (fl. 1677–1708), Franz Knoller (ca. 1673–1732); E. Pratzer, Ignaz Grebitschitscher (1694–1784), J. M. Jäger, Michael Bossi (1746–1818).

Zu Beginn des 19. Jh.s gab es mehrere Versuche von adelig-bürgerlichen Kreisen, nach dem Vorbild anderer Städte auch in Klagenfurt einen Musikverein einzurichten. Appellationsrat J. Haag gründete 1828 den Kärntner Musikverein (Musikverein für K.), der sich neben Gesellschaftskonzerten (Aufführung großbesetzter Werke, z. B. J. Haydns Schöpfung) hauptsächlich der Musikausbildung (ausschließlich Orchesterinstrumente und Gesang) widmete. Mit dem Industriellen Graf F. Egger, der die Direktion ab 1834 übernahm, gelang es dem Musikverein, zwei große Opern aufzuführen (G. Donizettis Belisar und Vincenzo Bellinis La Straniera), spätestens 1848 existierte er nicht mehr. Diese Lücke im kulturellen Leben verstanden Männergesangsvereine zu schließen, die nach 1848 in großer Anzahl in ganz K. gegründet wurden, wobei sich diese Vereine ab ca. 1880 von Geselligkeitsvereinen zu Vereinen wandelten, die „das Kärntnerlied als ‚deutsches Lied‘ vereinnahmend, über deutschnationale Lieder dieses Gedankengut zu verbreiten“ (Altmann) versuchten. 1874 konstituierte sich der Musikverein neu; künstlerischer Leiter: Jos. Reiter (1874–1908), Leo Dobrowolni (1908–18), K. Frodl (1919–39). 1932 wurde die Musikvereinsschule in den Rang eines Konservatoriums erhoben und 1939 vom Musikverein losgelöst.

Die im 18. Jh. vereinzelt nachweisbaren Bergmannskapellen Hüttenberg 1759, Bleiberg 1792) und besonders die Militärmusik dienten als Vorbilder für die im 19. Jh. entstehenden chorisch besetzten Blasmusikkapellen (z. B. Maria Luggau 1813, Liesing-Liesertal 1828, Kötschach 1830, Bauernkapelle Isopp 1850, St. Veit 1865, Spittal/Drau 1880; Blasorchester). Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war es besonders R. Kummerer, der nicht nur ein Dutzend Kapellen gründete, sondern auch die treibende Kraft war, den überregionalen Bund der Blaskapellen K.s im Jahr 1951 aus der Taufe zu heben.

Ab dem späten 19. Jh. wurden besonders die Seen K.s zu gefragten Zielen der Sommerfrische: J. Brahms, G. Mahler, A. v. Webern (auch Gymnasium in Klagenfurt), Alban Berg, H. Wolf (Gymnasium in St. Paul i. L.) und Th. Streicher verbrachten einige Zeit in diesem Bundesland, wirkten aber nicht hier. Hingegen waren E. Komauer, bei dem u. a. A. v. Webern 1895–1902 seinen ersten Unterricht in Klavier und Musiktheorie erhielt und K. Frodl als Komponisten und praktische Musiker von großer Bedeutung.

Bereits 1938 wurden in ganz K. im Rahmen des Kärntner Musikschulwerks – MSch.n für Jugend und Volk MSch.n eingerichtet. Nach 1945 wurde der Musikverein für K. beauftragt, das Musikschulwerk zu reorganisieren und neu aufzubauen (Musikschulwesen). 1969 übernahm es das Land K. unter der Bezeichnung Kärntner Landesmusikschulwerk. Seit 1978 gibt es auch ein slowenisches Musikschulwerk (Glasbena šola na Koroškem), das von den slowenischen Kulturverbänden betrieben wird. Auch das Konservatorium wurde nach 1945 reorganisiert (neuer Name: Kärntner Landeskonservatorium) und fand ab 1952 im wiederaufgebauten Konzerthaus seine Heimstätte. Mit dem Aufbau der Abteilungen Klassik, Jazz und Pop, Oper und Volksmusik wirkt das Konservatorium auf die gesamte Musikszene K.s und darüber hinaus befruchtend.

Seit 1945 prägt das Chorwesen, das sich v. a. dem Kärntnerlied widmet, die musikalische Landschaft dieses Bundeslandes, sodass K. allgemein mit Chormusik und Volksliedern assoziiert wird. Wesentliche Träger dieser Entwicklung sind: A. Anderluh, G. Mittergradnegger, N. Artner und N. Fheodoroff; folgende Chorvereinigungen sind über die Grenzen K.s bekannt: Madrigalchor Klagenfurt (gegr. 1948), A-cappella-Chor Villach, Grenzlandchor Arnoldstein, Singkreis Porcia, Vokalensemble Völkermarkt, Kammerchor Norbert Artner St. Veit u. a. Der Vokalmusik des 20. Jh.s widmen sich der Hortus musicus und das Vokalensemble Vox Nova. Das Kärntner Sinfonieorchester, das auch das Orchester des Stadttheaters Klagenfurt bildet, ist neben kleineren Ensembles (z. B. Ensemble Creativ für zeitgenössische Musik) der wichtigste orchestrale Klangkörper in K.

Neben den großen Konzertveranstaltern, wie dem Musikverein für K., der Jeunesse K. und der Mozartgemeinde wirken auch kleinere Veranstalter, die sich speziell um musikalische Nischen kümmern, so z. B. die ÖGZM-K. oder die IGNM-K., die meist in Zusammenarbeit mit dem ORF Landesstudio K. Konzerte neuer Musik veranstalten. In den Sommermonaten übernehmen Festivals, Kurse und Wettbewerbe den „Musikbetrieb“, z. B. der Carinthische Sommer (gegr. 1969), die Internationalen Musikwochen Millstatt, das Musikforum Klagenfurt-Viktring, der St. Pauler Kultursommer, Kärntner Meisterkurse für aktuelle Musik, der Johannes-Brahms-Wettbewerb, der Chorwettbewerb Schloss Porcia, der Musikalische Spätsommer Gurk oder Jazz over Villach.

Folgende Komponisten der 2. Hälfte des 20. Jh.s haben biografischen Bezug zu K.: R. Kattnigg, E. Opitz, N. Artner, G. Lampersberg , N. Fheodoroff, U. Jürgens, H.-J. Scherr, D. Kaufmann, K. Miklin, E. Tarján, G. Mattitsch, B. Strobl, G. Kühr, Al. Stingl, U. Scherer, W. Puschnig, Stephan Kühne (* 1956), W. Liebhart, Ch. Ofenbauer, Robert Wildling (* 1972).


Literatur
Lit (alphabetisch): MGG 9 (1961, Österreich: K.); K. Altmann, Chorwesen, Volkslied und Politik in K. von den Anfängen bis zur Gegenwart. Missbrauch und Benützung, Dipl.arb. Klagenfurt 1994; G. Antesberger in Die Brücke 3/5–6 (1977); G. Antesberger in JbÖVw 32/33 (1984); MiÖ 1989; Beiträge von G. Antesberger, W. Benedikt, N. Fheodoroff u. F. K. Praßl in MusAu 10 (1991); W. Benedikt, Die Orgeln der Bezirke Klagenfurt-Land und Feldkirchen (K.), Diss. Wien 1985; A. Bösch-Niederer, Quellen und Forschungen zum Musikleben der mittelalterlichen Diözese Gurk, Diss. Wien 1982; H. Brunner, MSch.n und Blasorch. in K. Entwicklung und Wechselwirkung, Dipl.arb. Graz 1992; C. H. Davidson in The Organ 39 (1959/60); St. Engels in Verein Stiftsmuseum Millstatt (Hg.), [Kgr.-Ber.] Gesch. von Millstatt und K. 1986; H. Federhofer in Musik und Geschichte 1996; H. Federhofer in Stadt Villach (Hg.), 900 Jahre Villach. Neue Beiträge zur Stadtgesch. 1960; R. Flotzinger in J. Grabmayer (Hg.), [Kat.] Schatzhaus K.s, St. Paul 1991, 1991; N. Fheodoroff in Die Brücke 5/9 (1979); R. Flotzinger in St. Engels/G. Walterskirchen (Hg.), [Kgr.-Ber.] Musica sacra mediaevalis Salzburg 1996, 1998; A. Fuchs, Alban Berg – Gustav Mahler – Johannes Brahms – Hugo Wolf – Anton Webern. Auf ihren Spuren in K. 1982 (zuerst in Die Brücke 1975–78); R. Hammerstein, Tanz und Musik des Todes. Die mittelalterlichen Totentänze und ihr Nachleben 1980; U. Henning in MusAu 10 (1991); U. Henning in M. Nagy (Hg.), [Fs.] J. Mertin 1994; U. Henning in Carinthia I/188 (1998); R. Huber in Kärntner Heimatwerk/Kärntner Volksliedwerk (Hg.), Die Blasmusik in K. 1991; Z. Hudovsky in Carinthia I/54 (1964); L. Jillings in P. Krämer (Hg.), [Kgr.-Ber.] St. Georgen/Längsee 1980, 1981; H. Knaus in ME 23 (1969/70); S. Kogler, Meisterkurse für aktuelle Musik in Alpenbad St. Leonhard 1976–1990, Dipl.arb. Wien 1995; A. Koschar in Carinthia I/160 (1970); M. Krainer in Die Brücke 3/5–6 (1977); G. H. Leute/C. H. Schlimp in Die Brücke 3/5–6 (1977); I. Lingenhel, Das Musikleben in Pörtschach am Wörthersee, Dipl.arb. Wien 1993; W. Litschauer in Carinthia I/179 (1989); W. Litschauer in MusAu 18 (1999); H. Malloth in Die Kärntner Landsmannschaft 8 (1973); H. Malloth in Die Brücke 2/4 (1976) u. 3/5–6 (1977); D. Maringer, Jazz in K., Dipl.arb. Wien 1999; O. Modler in Carinthia I/152 (1962); O. Moser in Die Kärntner Landsmannschaft 3 (1983); M. Neumann in Die Brücke 3/5–6 (1977); E. Nußbaumer in Carinthia I/151 (1961) u. I/153 (1963); H. Ogris in Die Brücke 3/5–6 (1977); E. Opitz in Die Brücke 3/5–6 (1977) u. 16/1 (1990); E. Opitz in H. Kraigher (Hg.), Klagenfurt. Auf anderen Wegen 1996; W. Owart in Carinthia I/153 (1963); W. Pass in MGÖ 2 (1979); F. K. Prassl in MusAu 10 (1991); H. Rainer, Berufs- und Laientheater in K. außerhalb Klagenfurts zwischen 1790 und 1848, Diss. Wien 1976; K. Rauter in [Fs.] Spittal 1960; K. Rauter in Carinthia I/151 (1961); K. Rauter in Die Brücke 3/5–6 (1977); K. Rauter (Hg.), Der Klagenfurter Musiktraktat von 1430 1989; A. Reichling in Acta organologica 20 (1988); R. Sagmeister, Sponsoring an MSch.n. Dargestellt am Beispiel der MSch.n des Kärntner Landesmusikschulwerks, Dipl.arb. Wien 1999; O. Sakrausky in Carinthia I/171 (1981); A. Scherer in Die Brücke 3/5–6 (1977); I. Schubert in Carinthia I/188 (1998); K. Schütz in Organa Austriaca 2 (1979); D. A. Smith in Early music 10/4 (1982) [dt. in Gitarre und Laute 6 (1983)]; L. Sodja, Mojih dvajset glasbenih let na Koroškem (1979–1999) [Meine zwanzig musikalischen Jahre in K.] 2002; H. Strutz in Mitt. d. Int. Stiftung Moz. 19/3–4 (1971); W. Suppan in Carinthia I/155 (1965); W. Suppan in JbÖVw 32/33 (1984); W. Szmolyan in ÖMZ 25/9 (1970); R. J. Thaler, Aufbau und Entwicklung der Musikpädagogik in K., Dipl.arb. Klagenfurt 2000; Th. Travnik, Post- und Telekommusik K., Dipl.arb. Graz 2002; B. Trebuch, Orgeln und Orgelbau im Bezirk St. Veit an der Glan (K.), Diss. Wien 1991; B. Trebuch in MusAu 10 (1991); H. Vallant, Andreas Kaplaner. Ein Leben für die Musik, Dipl.arb. Graz 1984; G. Weinzierl in Musik in Bayern 36 (1988); F. M. Weiß in KmJb 82 (1998); G. Weiss-Aigner in Augsburger Jb. für Musikwissenschaft 1 (1984); H. Wildhaber, Der Kärntner Sängerbund, Dipl.arb. Graz 1993; A. Wilhelmer in G. Moro (Hg.), Die Landeshauptstadt Klagenfurt 2 (1970); A. Wilhelmer in Carinthia I, 168 (1978); A. Wilhelmer in [Fs.] 50 Jahre Kärntner Landeskonservatorium 1932–1982, 1982; F. Zagiba in Miscelánea en homenaje a Monseñor Higinio Anglés 1958–61; J. Zerzer in A. Moritsch (Hg.), Die Kärntner Slovenen 1900–2000, 2000.


(II) Volkslied: Als primär schriftlose Kunst lässt sich der Gebrauchsgegenstand „Volksmusik“ in historischen Zeiträumen nur ungenügend beschreiben; wenig Aufschluss über Wege und Wirkung von Überlieferungen geben auch (heutige) Staatsgrenzen. Für die keltisch-römische Zeit (200 v. Chr. – ca. 450 n. Chr.) mag allgemein gelten, dass in den römischen Provinzen (K. als Südregion von „Noricum“) auch Brauch und Sitte der (friedlichen) Eroberer Einzug fanden. Bacchantisch-dionyschen Kult spiegelt der Aulos-Bläser aus dem Magdalensberger Hirtenfresko wider, von Kriegsbrauch und Signalwesen künden cornu-Fragmente aus Virunum (Zollfeld). In gleicher Weise ist die kulturelle Osmose von Riten und Bräuchen weiterer Einwanderer und Kolonisten (Ostgoten, Slawen, Bajuwaren, Franken u. a.) denkbar. Anders als etwa in der Hochkunst (Minne- und Meistergesang, Klosterkultur) bietet die Quellenlage für volksnahe brauchgebundene Musik kaum Anhaltspunke, wiewohl eine mehr oder minder reiche Spielmanns- und Vagantenszene anzunehmen ist. Auf K. als Land zwischen Deutschland und Italien verweist gewissermaßen der Name Chirintana (Chiaranzana o. ä.) für einen (wohl wegen der Partnerwahl nach dem Zufallsprinzip und des Partnertausches seiner Choreographie) offenbar als erotisch eingestufter Gesellschaftstanz, der vom 15. bis ins 18. Jh. in Oberitalien beliebt war und seit dem 16. Jh. beispielhaft belegt ist. Dass er von hier stammte, ist damit nicht gesagt (Identität). Eine ergiebigere Quelle für musikalischen Brauch im Spätmittelalter findet sich erst in den Reisetagebüchern des Paolo Santonino (1484–87). Der Sekretär des Bischofs von Caorle stößt nicht nur auf „gut im Gesang ausgebildete“ Brauchtumssänger, sondern auch auf Possenreißer, Zither- und Harfenspieler („chitaredi et lyriste“) und auf einen Burgherrn, der „more germanico“ einen „Juchezer“ (Jodler) ausstößt. Ergänzungen zur musikalischen Symbol- und Vorstellungswelt liefert eine reichhaltige Musikikonographie (Ikonographie), wobei v. a. an mittelalterlichen Wandgemälden K. „hervorragend bestückt“ ist (Henning). Den zahlreichen „Engelskonzerten“ (Tessendorf, Haimburg, Dornbach, Thörl, Maria Gail u. a.) haftet z. T. auch volkstümliches Gepräge an (Hackbrett, Fidel, Tambourin u. a.).

Die Musik des Landvolks und ihr soziales Umfeld ist in der Folge (16.–17. Jh.) v. a. in Gerichtsakten präsent (Strafvollzug bei Übertretungen), aber auch in einer reichen (gesamtalpenländischen) Tanzverbotsliteratur, wobei die „Winkel-, Rummel- oder Plösch-Tänze“ (teils verboten, teils gestattet) die Hauptangriffsziele bieten. Im 18. Jh. nimmt die Behörde die Oberaufsicht über die Unterhaltungs- und Brauchbedürfnisse durch Auferlegung eines „Musikimposts“ in die Hand. Durch Meldungspflicht (Gasthäuser, Tavernen, Musikanten, Ensembles) werden erstmals der konkrete Instrumentengebrauch wie auch die sozialen Verhältnisse der „spilleuth“ offenkundig. Als Hauptinstrumente der Volksmusik gelten Geige(n), Hackbrett und Bassgeige, nebst Hinweisen auf die wenig gebrauchte „Leyer“ (Drehleiher). Aufgespielt wird zu Hochzeiten, Kirchtagen, Faschingtänzen, Taufessen, Verlobungen, Heimführungen, Schießen, Kegelscheiben. Der Lohn wird den Musikanten – zumeist Keuschler, Knechte, Handwerker – „in die Geigen geworffen“. Durch Gerichtsakte werden auch die hierarchischen Strukturen innerhalb der Gebrauchsmusik offenbar: die ständischen „Thurner“, die „importante Täntz“ und „namhaffte hochzeiten“ bedienten, sowie die „bürgerlichen Stadtgeiger“, die „ehrliche Täntz“ und „gemeine Hochzeiten“ musizierten. Die „bäurischen Musicanten“ hatten Stadtverbot.

In einer Reisebeschreibung durch das „mittägliche Deutschland“ (Schlegel) wird Ende des 18. Jh.s die Kärntner (Gailtaler) Volksmusik auch im Notenbild reproduziert und formal präzisiert: Steirische Tänze, notiert „fürs Clavier oder Fortepiano“, Achttakter (meist ABA) mit einem „besonderen Schluß“. Die Besetzung Zimbal (Hackbrett), Geige und Bass galt für die deutschen wie „wendischen“ (slowenischen) Gailtaler Musikanten gleichermaßen. Zu Beginn des 19. Jh.s herrscht diese Gruppierung bei „Bauern-Hochzeiten“ noch vor, die „blasenden Instrumenten sind selten“. Die Bindung der Musik an das Hochzeitsbrauchtum ist eng, vom „Tusch“ über die „Tafel-Musik“ bis zum „Ehrentanz der Braut“, Traditionen die sich in Klagenfurt, Judenburg, Köflach/St, Deutschlandsberg „allenthalben gleichen“ (Hofer). Im Biedermeier formieren sich des weiteren reisende „Musikbanden“, unter denen die „Schwarzenbacher“ hervorragten. Sie gaben „von Venedig bis Wien“ und „in den Städten Deutschlands“ ihre Produktionen und galten in steirischen Ländlern als „unübertroffene Meister“ (Hermann). Tanz, Musik und Lied stehen im 19. Jh noch in engem Zusammenhang, das „Tanzaufgebm“ geschieht „aus dem Stegreif im gewöhnlichen Ländlerton (Franzisci).

Um die Wende zum 20. Jh. wandeln sich sowohl die Besetzungen als auch die Tanzformen. Haben vorher Blasinstrumente wie „Clarinet“, „Maschintrompete“, „Waldhorn“ nur zögernd Eingang gefunden, so beeinflussen nun (wandernde) böhmische (Militär-) Musiker mit Blechinstrumenten die Tanzmusik und befördern die Bildung von (meist 8-stimmigen) „Harmoniemusiken“, die ihrerseits auf klassischer Tradition fußen (schon 1828 hat der „kärntnerische Musikverein“ eine „Harmoniemusik-Schule“ eingerichtet). Vereinzelt halten sich noch Streichmusiken (Viertler, Stattmann im Gailtal, Lippbauer im Lavanttal), die sich aber – mit Blechbegleitung – zur „Halbstreich“ umformieren (Antesberger). Im Repertoire weichen Ländler und Steirische Tänze dem Walzer, der Polka, schließlich auch dem Foxtrott.

Nach dem Ersten Weltkrieg widmen sich v. a. Militärmusiker dem brauchtümlichen Musizieren (Besitz von Noten und Instrumenten!), was sich auch in der Gründung zahlreicher Kleinkapellen manifestiert, die z. T. große Bekannt- und Beliebtheit erlangen (Lippbauer, Isopp, Buchbauer, Ircher, Schieflinger, Pustritzer, Bruggerer u. a.). Musiziert wird in großer Breite, vom Allgemeintanz über den kirchlichen „Umgang“ bis zu Ouvertüren und Konzertstücken, wobei intimere Anlässe auch vielfach von Harmonika-Solisten, Trios oder Quartetten bedient werden (Wietinger Trio, Buchbauer Trio u. a.). Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Volksmusik auf traditionellen Instrumenten (Zither, Gitarre, Geige, Hackbrett u. a.) vielfach im privat-häuslichen Bereich praktiziert, bis nach und nach die MSch.n die Vermittlerrolle übernehmen. Dem wachsenden Interesse junger Musiker an traditioneller Volksmusik entsprach 1982 das Kärntner Landeskonservatorium durch die Einrichtung eines „Sonderlehrganges“. Seit 1994 kann der nunmehrige Lehrgang für Volksmusik, der „theoretische, instrumentale und pädagogische Ausbildung mit praktischen Anwendungsmöglichkeiten (Stammtische, Tanzabende, Feldforschungen) verbindet“ (Scherr), mit der „Staatlichen Lehrbefähigungsprüfung“ beendet werden.


Literatur
G. Antesberger in MusAu 10 (1991), JbÖVw 32/33 (1984), Landesmuseum für K. (Hg.), Karntnarisch gsungan – karntnarisch gspielt 14 (1972) u. in G. Haid (Hg.), [Fs.] W. Deutsch 2000; M. Decrignis, Der Lavantthaler Bauer – mit seiner physisch und moralischen Beschaffenheit 1812 [Ms., Joanneum Graz]; F. Franzisci, Cultur Studien über Volksleben, Sitten und Bräuche in K. 1902; U. Henning in MusAu 10 (1991); H. Hermann, Hb. der Geschichte des Herzogthums K. in Vereinigung mit den innerösterreichischen Fürstenthümern 3/3 (1860); G. Hofer in ÖMZ 25 (1970); M. Malkiewicz in MusAu 21 (2002); O. Moser in Tanz und Brauch, Kärntner Museumsschriften 19 (1959); W. Salmen in MiÖ 1989; Die Reisetagebücher des Paolo Santonino, 1484–1487. Aus dem Lateinischen übertragen von R. Egger 1947; H.-J. Scherr in [Fs.] 15 Jahre Volksmusiklehrerausbildung am Kärntner Landeskonservatorium 1997; J. H. G. Schlegel, Reise durch einige Theile vom mittäglichen Deutschland und dem Venetianischen 1789; L. Schmidt in ÖMZ 25 (1970).

Autor(en)
Wolfgang Benedikt
Günther Antesberger
Empfohlene Zitierweise
Wolfgang Benedikt/Günther Antesberger, Art. „Kärnten‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

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