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Kammersonate
Eine erst von der Musikwissenschaft eingeführte Übersetzung des zeitgenössischen Terminus „Sonata da camera“; bezeichnet jene Gattung der Sonate des Barocks, die für den Gebrauch außerhalb der Kirche gedacht war, also meist in der fürstlichen Kammer gespielt wurde, häufig als Tafelmusik: Sonate per tavola schrieben etwa G. Valentini, A. Bertali, J. H. Schmelzer und H. I. F. Biber, dieser veröffentlichte 1680 in Salzburg seine Sonatensammlung Mensa sonora, A. Ch. Clamer ebenda 1682 eine Mensa harmonica. Tanzsätze, die in der Kirchenmusik keinen Platz hatten, waren ein wichtiger Bestandteil solcher Sonaten. P. Peuerls und I. Poschs Variationensuiten (1611–25) bestehen nur aus Tänzen, die nach Poschs Zeugnis als Tafelmusik für den Adel oder wirklich zum Tanzen bestimmt waren. G. B. Buonamente publizierte in den 1620er Jahren von Wien aus zwei Sammlungen in der später Modellcharakter annehmenden Triobesetzung – die schon kurz davor bei Peuerl vorkam – mit der zukunftweisenden Kombination von freien und Tanzsätzen, auch schon in der Anordnung freier Einleitungssatz (Sinfonia) + Tanzfolge. Im Lauf des Jh.s differenzierten sich einerseits Gebrauchstanzmusik und Kammermusik, und andererseits wurden speziell im österreichischen Kulturbereich Sonaten komponiert, deren Bestimmung sowohl für die Kirche als auch für die Kammer ausdrücklich genannt wurde: G. A. Pandolfi Meallis Sonate à Violino solo, per chiesa e camera (1660), J. H. Schmelzers Sacro-profanus Concentus musicus (1662) und H. I. F. Bibers Sonatae tam aris quam aulis servientes (1676). Diese Sonaten enthalten keine deklarierten Tänze, die ihren Einsatz in der Sakralmusik verhindert hätten. Die Kombination von freien und von Tanz-Sätzen findet man hingegen häufig, so etwa in den Soloviolinsonaten von Schmelzer (1664) und Biber (1681) oder in denen für Ensemble bzw. Concerto grosso von G. Muffat (1682, 1701). Letztlich sind auch die sog. Rosenkranzsonaten Bibers (ebenfalls mit stilisierten Tänzen) der bischöflichen Kammermusik zur Andacht, nicht der Musik für die Kirche zuzuordnen. Im frühen 18. Jh. trägt die K. meist Bezeichnungen wie Partita, Parthia, Ouverture, Suite und ähnliche, wie etwa die durch eine Französische Ouverture eingeleiteten Suiten von J. J. Fux u. a. in seinem Concentus musico-instrumentalis (1701), die je sechs Trio- und Violinsolopartiten von J. J. Stupan v. Ehrenstein (1702, 1703) oder die Partias für Violine und B. c. von Johann Joseph Vilsmayr (1715). Nachfolger der Gattung in der nachbarocken Zeit sind das Divertimento und die damit verwandten, unterhaltenden Instrumentalstücke wie Serenade, Notturno und Cassation.
Literatur
MGG 4 (1996) [Kammermusik] u. 8 (1998) [Sonate]; J. Sehnal in J. Vysloužil/R. Pečman (Hg.), [Kgr.-Ber.] Colloquium Musica cameralis Brno 1971, 1977.

Autor(en)
Herbert Seifert
Empfohlene Zitierweise
Herbert Seifert, Art. „Kammersonate‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]