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Karmeliten
Der beschauliche Orden der K. wurde 1156 von Berthold v. Kalabrien in Palästina gestiftet und 1226 von Papst Honorius III. bestätigt. Der Engländer Simeon Stock († 1265) wandelte sie 1245 in einen Bettelorden um, 1247 bestätigte Papst Innozenz IV. diese Veränderung. Im 14. Jh. kam es zur Spaltung in Observanten und Konventualen. Damals entstanden die ersten Niederlassungen im Gebiet des heutigen Österreich: Lienz (gegr. 1349, aufgehoben 1785), Wien (gegr. 1360, aufgehoben 1554), Voitsberg/St (gegr. 1401, aufgehoben 1812).

Seit dem 16. Jh. unterscheidet man die „Beschuhten“ (OC) und die „Unbeschuhten“ (OCD) (reformierten) K. Der reformierte Zweig gründete seit Anfang des 17. Jh.s Niederlassungen in Österreich: Wien (1622), Graz (1629), Linz (1674), Einsiedelei Mannersdorf/NÖ (1654). Derzeit (2002) besitzen die Unbeschuhten K. Männerklöster in Wien, Graz, Linz bzw. Innsbruck und Frauenklöster in Wien, Niederösterreich (Mayerling, Jeutendorf/Gemeinde Böheimkirchen), Oberösterreich (Linz, Gmunden), Tirol (Innsbruck, Rankweil), Steiermark (Graz, Bärnbach, Mariazell) und Kärnten (St. Michael bei Wolfsberg). Ein Männerkloster der Beschuhten K. besteht in Wien. Daneben existieren noch mehrere Frauenklöster der Marienschwestern vom Karmel, der Karmelitinnen vom göttlichen Herzen Jesu und der Karmelitinnen vom Kinde Jesus.

Musikalisch pflegen die verschiedenen Zweige des Ordens im Rahmen der Liturgie die Tradition des einstimmigen Chorals, der sich am Ritus der römischen Kirche orientiert. Über die zur Begleitung verwendeten Orgeln ist nur wenig bekannt. Um 1770 errichtete ein bislang unbekannter Orgelbauer in Wien II eine Orgel mit 19 Registern. Ebenso bauten die Gebrüder Rieger 1889–1900 in Wien XIII eine Orgel mit 6 Registern und 1905 in Wien XIX ein Instrument mit 30 Registern. Im Linzer Karmelitenkloster ist seit 1713 eine kleine Orgel nachweisbar, die 1784 durch die 1741 von J. Ch. Egedacher errichtete Orgel der Dominikanerkirche Steyr mit 24 Registern ersetzt wurde. Nach mehreren missglückten Umbauten ersetzte man die Egedacher-Orgel 1937 durch eine pneumatische Orgel mit 27 Registern der Orgelbaufirma Mauracher, bevor 1969 die Firma Walcker-Mayer in das noch existierende Gehäuse der Egedacher-Orgel eine Schleifladenorgel mit 28 Registern einbaute. Die beiden Klöster der Karmelitinnen in Linz erhielten 1890 eine Orgel von J. Lachmayr mit 6 Registern bzw. 1937 eine Orgel der Gebrüder Lachmayr mit 27 Registern.

Im Hinblick auf bedeutende Musiker brachte der Orden in Österreich keine nennenswerten Persönlichkeiten hervor. Musikhistorisch von Interesse ist nur der Hofkaplan M. Flecha d. J., der bis 1552 Mitglied des Hofstaates der Töchter Kaiser Karls V. war und nach seinem Eintritt in den K.-Orden der Provinz Valencia von dort an den Hof Kaiser Maximilians II. kam, dem er nachweislich seit 1564 als Hofkaplan angehörte. Flecha widmete dem Kaiser eine Sammlung von Madrigalen, von denen die Harmonia a 5 als Widmungsdruck an den Kaiser gleichzeitig die älteste autonome Instrumentalmusik darstellt, die in Österreich überliefert wurde.


Literatur
ÖL 1995; Eberstaller 1955; A. Forer, Orgeln in Österreich21983; MGÖ 1 (1995), 215–252.

Autor(en)
Martin Czernin
Empfohlene Zitierweise
Martin Czernin, Art. „Karmeliten‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]