Kauer, Ferdinand
get. 18.1.1751 Klein-Thaya (Kleintajax)/Mähren (Dyjákovičky/CZ), † 13.4.1831 Wien. Komponist, Geiger und Dirigent. Erster Orgelunterricht durch seinen Vater, einen Schullehrer; Schüler am Jesuitenkolleg in Znaim (Znojmo/CZ); kurze Zeit Hofmeister in Rumburg (Rumburk/CZ); Philosophie- und Medizinstudium (ohne Abschluss) an der Jesuitenuniv. in Tyrnau/H (Trnvava/SK); übersiedelte 1777 nach Wien, wo er zunächst als Klavierlehrer und Organist im Servitenkloster tätig war; nahm Kompositions- und Kontrapunktunterricht; 1778–95 Zensor und Korrektor für den Verlag Artaria; Geiger am Theater in der Leopoldstadt, für das er ab 1782 zahlreiche Singspiele, Opern, Operetten und Gesangseinlagen für Schauspiele schrieb; wurde dort musikalischer Direktor, 1789 Leiter der Singschule und schließlich zweiter Kapellmeister. Sein erfolgreichstes Werk war das 1798 uraufgeführte Volksmärchen Das Donauweibchen. 1810 Kapellmeister am Grazer Theater; bereits 1811 wieder am Leopoldstädter Theater; 1814–18 Kapellmeister am Theater in der Josefstadt, wo er einige Rollen (darunter den Geiger Adam Kratzerl) für F. Raimund schrieb; 1821 wieder am Leopoldstädter Theater (aber nur mehr als 2. Geiger). K. starb völlig verarmt, da er bei der großen Donauüberschwemmung 1830 seinen Besitz, darunter auch einen Großteil seiner Manuskripte, verlor. K. gehört neben W. Müller, C. Ditters v. Dittersdorf und I. Umlauf zu den typischen Vertretern des Wiener Singspiels, schrieb aber auch Kirchen-, Orchester- und Kammermusik sowie eine Reihe von Unterrichtswerken.
W: zahlreiche Bühnenwerke, darunter Das Faustrecht in Thüringen (Schauspiel, T: C. Hensler), Das Donauweibchen (romantisch-komisches Volksmärchen, T: Hensler), Der travestierte Telemach (T: J. Perinet), Das bezauberte Kaffeehaus (Zauberpantomime, T: F. Kees), Herr Adam Kratzerl von Kratzerlsfeld (Posse, T: J. A. Gleich, mehrere Folgen); Kirchenmusik (s. Abb.), Oratorien (Die Sündfluth, oder Noah’s Versöhnungsopfer), Kantaten, Orchester-, Kammer- und Klaviermusik.
Schr: Unterrichtswerke für Fl., Kl., V., Vc., Gesang; Generalbass- und Harmonielehre; autobiograph. Skizze [Ms., A-Wgm].
Lit: NGroveDO 2 (1992); MGG 7 (1958) u. 15 (1973); NGroveD 13 (2001); K. Manschinger, F. K. Ein Beitrag zur Gesch. des Wr. Singspiels um die Wende des 18. Jh.s, Diss. Wien 1929; Th. Haas in Neue Musik-Zeitung 46 (1925); F. Hadamowsky, Das Theater in der Wr. Leopoldstadt 1934; Bauer 1955.


BB  
[ Zuletzt aktualisiert: 2012/01/25 16:22:21 ]

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Quelle: Österreichisches Musiklexikon, Kommission für Musikforschung
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