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KaunitzKaunitztrue (K.-Rietberg, K.-Questenberg), Familie
Böhmische Adelsfamilie, seit Zavis von Ujezdec und Kounic (1327–33 Oberstkämmerer von Böhmen) unter dem Namen K.; 1642 in den böhmischen Grafenstand erhoben, 1682 in den Reichsgrafenstand, 1764 in den Reichsfürstenstand. Als Vertreter der proböhmischen Partei und Verfechter des Protestantismus stand die Familie bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Opposition zu den Habsburgern und wuchs erst unter Ferdinand III. v. a. in diplomatischer Mission in die Rolle des Hofadels. Für das Musikleben von Bedeutung ist

Wenzel Anton: * 2.2.1711 Wien, † 27.6.1794 Wien. Diplomat und österreichischer Staatskanzler. Umfassend ausgebildet, trat K. 1730 in den Staatsdienst (Reichshofrat) ein. Ersten diplomatischen Missionen unter Karl VI. folgte unter Maria Theresia (ab 1744 als Botschafter in Brüssel) sein kometenhafter Aufstieg zu einem der mächtigsten Männer der habsburgischen Länder. Als entschiedener Vertreter der Aufklärung der Jh.e langen Feindschaft zwischen dem französischen und habsburgischen Hof, sondern schließlich 1756 eine Umkehr der traditionellen europäischen Bündnisstruktur. Ab 1753 war K. österreichischer Staatskanzler (mit zahlreichen Sonderrechten ausgestattet) und als solcher maßgeblich an den theresianischen Reformen beteiligt. K., der in Paris einen angesehenen Salon geführt hatte, führte am Wiener Hof die französische Partei an, die unter Maria Theresia sukzessive der traditionellen mächtigen italienischen den Rang streitig machte; die Engagements von französischen Theater- und Operntruppen, die Unterstützung von Chr. W. Gluck und dessen französischen Opern und Vaudevilles, von Ballett in französischem Stil (J. G. Noverre) und die Aufführung französischer Klassiker am Burgtheater (Racine, Molière) sind nicht zuletzt auf den Einfluss K.s. und seiner Umgebung zurückzuführen. Obwohl die sprunghafte Politik Josephs II. im Gegensatz zu K.s vorsichtiger Diplomatie stand, hielt K. auch diesem Herrscher die Treue.


Literatur
NDB 11 (1977); G. Klingenstein, Der Aufstieg des Hauses K. 1975; MGÖ 2 (1995); G. Klingenstein/F. A. J. Szabó (Hg.), Staatskanzler W. A. von K.-Rietberg. 1711–1794, 1996; Wurzbach 11 (1864).

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Kaunitz (K.-Rietberg, K.-Questenberg), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]