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Kirchenmusikverein „Palestrina“
Kirchenmusikverein, der seinen Sitz an der Franziskanerkirche (Wien I) hatte. Die gründende Generalversammlung fand am 3.1.1872 im Wiener Franziskanerkloster statt, die erste Aufführung am 28.1.1872, wobei ca. 16–20 Sänger und Sängerinnen mitwirkten. Ziel des Vereins war, „vorzugsweise die ältere Kirchenmusik zu cultiviren und die Werke der alten Italiener, Niederländer und Deutschen in ihrer unverkummerten [sic!] Reinheit und im Geiste ihrer Tonmeister zur Aufführung zu bringen“ (Illustrirte Ztg. 20.1.1872, 51). Seine Mitglieder teilten sich in ausübende und unterstützende Mitglieder, Vorstand war der jeweilige P. Guardian des Franziskanerklosters (vom sechsköpfigen Ausschuss sollten immer drei Klostergeistliche sein). Erster (und einziger) artistischer Leiter war der Kapellmeister der Franziskanerkirche Michael Bauer.

Gemäß seiner künstlerischen Ausrichtung pflegte der Verein den Gregorianischen Choral und brachte Werke von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Tomás Luis de Victoria, A. Lotti, Giovanni Croce, Felice Anerio, Francesco Soriano, Lodovico Grossi da Viadana, F. Durante, A. Gabrieli, O. di Lasso, Claudio Casciolini, Francesco Rosselli, H. L. Haßler, Giuseppe Ottavio Pitoni, Vincenzo Ruffo sowie der Kirchenmusik-Reformatoren (Cäcilianismus) Johann Kaspar Aiblinger, J. B. Molitor, Caspar Ett, Johann Georg Mettenleiter und F. X. Witt zur Aufführung. Auch Eigenkompositionen Bauers finden sich auf den Programmen.

1878 befand sich der Verein in finanziellen Nöten und konnte nur durch höhere Spenden von Gönnern (unter ihnen Hzg. Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha) seine Auslagen decken; der jährliche Mitgliedsbeitrag wurde daher auf 10 Kreuzer herabgesetzt, um möglichst viele Unterstützer gewinnen zu können. Nach 1881 sind keine Aufführungen des Vereins belegt, 1883 wurde er aus dem Vereinsregister gelöscht.

Die 1929–39 in Wien bestandene Chorvereinigung Palestrina (Gründer und künstlerischer Leiter bis zuletzt: Franz Marek) stand mit dem K. „P.“ in keiner Verbindung. Sie trat anfangs kurzzeitig in der Schottenkirche auf, ab den frühen 1930er Jahren dann in der Heiligenstädter Pfarrkirche St. Michael (Wien XIX).


Literatur
W. Sauer in Kirchenmusikalisches Jb. 63/64 (1979/80); E. Tittel in Musica Divina 23 (1935); Das Vaterland 31.12.1871, 4, 5.12.1876, 2, 11.3.1877, 3, 10.5.1878, 3, 25.4.1883, 6; Gemeinde-Ztg. 6.1.1872, 5; Illustrirte Ztg. 20.1.1872, 51; Bll. f. Musik, Theater u. Kunst 30.1.1872, 35f; NÖLA (Vereinsstatuten 1855–1935/40, K 3983); ÖStA, AdR, BKI-I BPDion Wien VB I-772; weitere Recherchen in Wr. Tagesztg.en 1871–83 u. 1928–39 (www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Kirchenmusikverein „Palestrina“‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 22/10/2019]