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Klavierschule Ungar
Ehemalige Wiener Privat-MSch. Sie ging auf die von der k. k. Statthalterei konzessionierten „Klavier-Abend-Kurse“ zurück, die der Pianist Ignaz Ungar (fälschlich teilweise auch Josef; * 1840 Tarnow/Galizien [Tarnów/PL], † 4.1.1885 Wien; seit 21.1.1872 verheiratet mit Jenny Stern) ab Herbst 1870 hielt. Ungars Kurse erfreuten sich großer Beliebtheit, bereits 1873 konnte er Zöglingskonzerte veranstalten. Im selben Jahr bot er neben Klavierunterricht auch bereits solchen in Violine, Gesang und Harmonielehre an. 1879/80 besuchten 126 Schüler und Schülerinnen die K. U., ein Jahr später waren es 115. Für Erwachsene wurden bereits in den späteren 1870er Jahren Separatkurse angeboten. 1880/81 erfolgte ein Ausbau des Fächerangebots, der Schwerpunkt blieb aber weiterhin die Klavierausbildung. Der Lehrplan soll sich an jenem des Konservatoriums der GdM orientiert haben, wo Ungar 1866–68 bei J. Dachs studiert hatte. Im November 1880 hielt C. M. v. Savenau zwei Vorträge an der Schule, 1881 war der Musikschriftsteller und Redakteur der Zs. für die musikalische Welt, Eduard Moucka, Gastvortragender. 1882 und 1883 fanden Abschlussprüfungen und Konzerte der K. U. im Bösendorfersaal statt. Ab 1884 wurden auch Kurse zur Vorbereitung auf die Staatsprüfung im Klavier- und Violinspiel und in der Harmonielehre angeboten. 1885/86 erhielten alle Schüler und Schülerinnen unentgeltlichen Unterricht in einer Fremdsprache (Italienisch oder Französisch) sowie in Harmonielehre und Chorgesang. Die K. U. inserierte auch in Klagenfurter und Linzer Zeitungen. Nach I. Ungars plötzlichem Tod bestand die Schule noch bis zum Ende des Schuljahrs 1885/86, wobei Hermann Schreyer als Direktor fungierte, der im Frühjahr 1886 die Konzession U.s übernommen hatte. Schreyer wechselte mit Beginn des Schuljahrs 1886/87 an die Horak-MSch., womit die K. U. ihre Pforten schloss. Das Schullokal befand sich stets in Wien I, wobei die Adresse wechselte (u. a. Gonzagagasse, Tuchlauben, Maysedergasse, Singerstraße). Bekannte Schüler bzw. Schülerinnen waren C. Führich und G. Frankl.

Lehrer (soweit bekannt):

I. Ungar (Klavier Ausbildungsklasse und Ensemble-Spiel), J. Fischer (Harmonielehre 1874–80), M. v. Ambros (Klavier Ausbildungsklasse 1876–81), Anton Munsch (Klavier Vorbereitungs- und Mittelklasse 1878–81), J. Mass (1878–80), Beer (1878–80), Carl Wolfrum (Allgemeine Musiklehre, Harmonielehre, Kontrabass 1878–85), J. Kolár (Klavier Vorbereitungs- und Mittelklasse 1880–84), W. Thern (Klavier Ausbildungsklasse 1880–83), L. Thern (Klavier Ausbildungsklasse 1880–83), H. v. Bocklet (Chorgesang 1880–?, Klavier Mittel- und Ausbildungsklasse 1884/85), Th. Helm (Geschichte der Musik 1880–?), S. Marktbreit (Klavier Vorbereitungs- und Mittelklasse 1881–84), R. Bibl (Harmonium 1883/84), Arthur Friedheim (Klavier Ausbildungsklasse 1883/84), Anton Borst (Klavier Vorbereitungs- und Mittelklasse 1884/85), F. Mögele (Violine 1884/85), Helene Siebenlist (Klavier Vorbereitung, 1885/86), Leopold Winkler (Klavier Vorbildung 1885/86), Josef Saphier (Klavier Vorbildung 1885/86), B. Schönberger (Klavier Ausbildungsklasse 1885/86), Franz Josef Löwenstamm (Chor 1885/86), J. J. Berger (Kammermusik 1885/86), O. Keller (Musikgeschichte 1885/86), H. Schreyer (Klavier Ausbildungsklasse 1885/86).


Literatur
Fromme 1 (1876) – 11 (1886); Fremden-Bl. 5.10.1870, 18, 22.1.1871, 16; Die Bombe 5.2.1871, 7; Wr. Ztg. 5.10.1871, 64, 29.5.1886, 2; Illustrirtes Wr. Extrabl. 13.4.1873, 5, 7.9.1873, 7, 5.3.1876, 8; Neues Fremden-Bl. 10.4.1873, 9, 5.9.1875, 8; Morgen-Post 1.10.1874, 3, 4.11.1880, 4, 25.11.1880, 4, 15.4.1881, 4, 16.12.1884, 5; Dt. Musik-Ztg. 19.12.1874, 4; Die Presse 23.12.1876, 6, 11.9.1883, 7, 31.10.1883, 11, 27.8.1884, 10; Neuigkeits-Welt-Bl. 18.1.1877, 3, 28.1.1877, 7, 11.9.1879, 15, 5.9.1880, 3, 18.7.1882, 11, 25.3.1883, 3, 12.9.1886, 3; NFP 28.3.1879, 6, 8.4.1880, 7, 30.8.1882, 6, 3.4.1883, 6, 12.9.1883, 12, 15.11.1883, 12, 1.1.1884, 5, 29.3.1895, 9; Dt. Kunst- und Musik-Ztg. 18.2.1880, 40, 14.4.1880, 81, 12.4.1882, 135, 11.3.1884, 118, 6.11.1884, 550, 30.11.1884, 601, 15.10.1897, 230; Wr. Allgemeine Ztg. 28.12.1882, 6, 28.3.1884, 6, 6.1.1885, 5, 11.9.1886, 2; Die Lyra 1.1.1883, 5; Neues Wr. Tagbl. 3.1.1883, 12, 25.8.1884, 4, 29.8.1885, 9, 6.9.1885, 4, 7.10.1888, 34; Wr. Sonn- und Montags-Ztg. 28.11.1880, 4, 21.1.1883, 4, 16.11.1884, 3, 7.9.1885, 4; Neues Wr. Abendbl. 5.11.1883, 3; Das Vaterland 5.1.1885, 4; Sterbebuch 1885–86 der IKG Wien I, 1885, RZ 7; Trauungsdokumente der IKG Wien 1871, Nr. 2480; eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.anno.onb.ac.at).

Autor*innen
Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
30.6.2022
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Klavierschule Ungar‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 30.6.2022, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_K/Klavierschule_Ungar.xml
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Fremden-Blatt 5.10.1870, [18]© ANNO/ÖNB
Klagenfurter Zeitung 25.8.1881, 1684© ANNO/ÖNB
Neues Wiener Tagblatt 29.8.1885, 9© ANNO/ÖNB


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