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KlossKlosstrue (Kloß), Joseph Ferdinand (Pseud. Heinrich Aue)
* 1807-02-1010.2.1807 Barnsdorf [Bärnsdorf]/Mähren (Bernartice nad Odrou/CZ), † 1883-02-2323.2.1883 Wien. Bankbeamter, Chorleiter, Organist, Komponist. Der Sohn des Bauern Franz K. wurde nur auf den Namen Joseph getauft, den zweiten Namen soll er sich in Verehrung für K. Ferdinand I. zugelegt haben. Besuchte das Gymnasium der Piaristen in Freiberg (Příbor/CZ) und studierte ab 1826 an der Univ. Olmütz Philosophie, Theologie und Jus. Während dieser Zeit entstanden erste Kompositionen, nachdem K. sich bereits in Freiberg für Musik interessiert hatte; als Musiker jedoch weitgehend Autodidakt. Ab 1834 in Wien kurzzeitig Praktikant bei der Generalhauptbuchhaltung, 1835 begann er jedoch eine Berufslaufbahn bei der Ersten Österreichischen Sparkasse. 1835 gründete er mit W. Nejebse, F. S. Hölzl und A. Schmidt ein Männergesangquartett, aus dem sich die erste Liedertafel Wiens entwickelte, die bis 1841/42 bestand und 30 Sänger zählte. Der 1843 gegründete Wiener Männergesang-Verein war ihr ideeller Nachfolger, K. war 1844–52 und 1853/54 Vereinsmitglied. Spätestens ab 1840 schrieb K. unter seinem Pseudonym für Wiener Zeitungen und Zeitschriften, 1843 wurde er Mitarbeiter der Allgemeinen Wiener Musik-Zeitung von A. Schmidt. Der GdM gehörte K. ab 1840 als ausübendes Mitglied an, Mitte der 1840er Jahre war er auch Mitglied des Kirchenmusikvereins zu Maria Treu (Wien VIII); ab 1846 unterrichtete er Kirchengesang am Josefstädter Gymnasium. 1848 Nationalgardist (Revolution 1848), schrieb für das Begräbnis der März-Gefallenen unter Verwendung einer Melodie Carl Heinrich Grauns eine Hymne für Oestreichs Volk nach einem Text von Carl Haffner. 1849–54 Organist an der Kirche Maria am Gestade, die in dieser Zeit der Wiener tschechischen Gemeinde zur Verfügung stand. Ab den 1850er Jahren auch Chorleiter am Seminar Pazmaneum, 1862 Mitbegründer des Wiener Slawischen Gesangvereins. K. wirkte als führender Funktionär im Verein zur Beförderung echter Kirchenmusik (u. a. Vereinsdirektor, nach 1858 auch künstlerischer Leiter der Vereinsaufführungen), an dessen Umgestaltung 1840 er maßgeblich mitwirkte und an dessen Vereinsschule er mindestens 1849–56 Allgemeine Kirchenmusiklehre unterrichtete. 1854–76 auch Sekretär des Wiener Tonkünstler-Pensions- und Unterstützungs-Vereins „Carl Czerny“. K. setzte sich für die Einführung des Gesangsunterrichts an Gymnasien ein und förderte den Volksgesang in der Kirche; mit dem Komponisten A. E. Titl war er befreundet.
Ehrungen
Ehrenmitglied des Salzburger Mozarteums; Ehrenmitglied des Kirchenmusikvereins St. Martin in Pressburg; k. österreichische Medaille für Kunst und Wissenschaft; weitere Ehrenmitgliedschaften; Ehrenbürger von Ober-Sievering (Wien XIX).
Schriften
Ueber die Wiener Physharmonica und Physharmonica-Claviere in Allgemeine Wiener Musik-Zeitung 3 (1843); Allgemeine Kirchenmusiklehre in Vorträgen für Präparanden des pädagogischen Lehramts 1854; Die neue Orgel in der Pfarrkirche der P. P. Piaristen in der Josefstadt zu „Maria Treu“ 1858; Singlehre f. Volksschulen 1865 (21869, 31874);zahlreiche weitere Artikel in Ztg.en und Zss.
Werke
Hymni sacri in caes. reg. Gymnasiis cantari soliti 1854 [mit lateinischen Übersetzungen bekannter Kirchenlieder, z. B. M. Haydns Hier liegt vor deiner Majestät]; Vierstimmige Kirchengesänge für Studierende an Realschulen 1855 (161911); Requiem f. Männerchor und Pos.n, Messen, weitere kleinere Kirchenmusik (Quadricinium ecclesiasticum); Männerquartette; Polka f. Kl.; Trinklieder.
Literatur
K. Altenburger, Musikpädagoge u. Kirchenmusiker J. F. K., Dipl.arb. Wien 2002; ÖBL 3 (1965); MGÖ 2 (1995); Wurzbach 12 (1864); E. Benedikt in [Fs.] Bekenntnis zur österr. Musik in Lehre und Forschung 1996; R. Hofmann, Der Wr. MGV 1893, 613; Der Humorist 10.9.1840, 731f; Signale f. die musikalische Welt 1 (1843), 322; Allgemeine Wr. Musik-Ztg. 14.1.1843, 25f; Der Wanderer 25.7.1845, 707; Fremden-Bl. 8.12.1849, 1; Der Humorist 18.3.1854, 256; Wr. Ztg. 2.7.1862, Abendbl., 598f; Illustrirtes Wr. Extrabl. 10.2.1877, 1; Die Presse 25.2.1883, 15; NFP 27.2.1883, 4; Taufbuch 1797–1820 der Lokalkaplanie Barnsdorf, pag. 24; eigene Recherchen (Katalog der ÖNB).

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Kloss (Kloß), Joseph Ferdinand (Pseud. Heinrich Aue)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 15/07/2019]