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Konservatorium
Stätte der Musikausbildung mit dem Ziel, die Schüler bis zur Reife für öffentliche Auftritte (Bühnenreifeprüfung) zu bringen; hat das Recht, Diplome zu verleihen (Staatsprüfung und Bühnenreifeprüfung), die bei K.en mit Öffentlichkeitsrecht staatlich anerkannt werden. K.en entstanden in Österreich im Zuge der Entwicklung einer bürgerlichen Musikkultur; sie lösen mit ihrem nach schulischen Prinzipien gestalteten Curriculum der Ausbildung bis dahin im österreichischen Raum verbreitete Prinzipien der Ausbildung ab. Vorbild für die K.s-Gründungen des 19. Jh.s waren die K.en von Paris und Prag (gegründet 1811), nicht jene auf z. T. damals österreichischem Boden gelegene traditionellen, aus Waisenhäusern hervorgegangenen K.en von Venedig und Neapel. Grundsätzlich sollte die musikalische Qualifikation, nicht die gesellschaftliche Zugehörigkeit, des Schülers über dessen Aufnahme (Aufnahmsprüfungen) entscheiden; mittellose Schüler konnten sich um Stipendien bewerben (wie z. B. G. Adler, G. Mahler).

Das aufgrund seiner prominenten Lehrer und Schüler bekannteste K. auf heute österreichischem Boden war das 1817 als Singschule eröffnete K. der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (später Akademie bzw. Hochschule bzw. Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien), das 1821 durch Instrumentalklassen erweitert wurde und ab 1822 den Namen K. trug. Bis 1908 eine private Einrichtung der GdM, wurde es 1909 verstaatlicht und in eine Akad. umgewandelt. Ebenfalls 1909 wurde, basierend auf einem privaten Verein, das Neue Wiener K. gegründet, 1919 das K. für volkstümliche Musikpflege in Wien und 1926 das Wiener Volks-K. – alle drei bildeten die Basis für das heutige K. der Stadt Wien (Musiklehranstalten Wien).

Bereits ein Jahr (1816) vor dem Wiener K. hatte der Musikverein für Steiermark eine MSch. eröffnet, die jedoch erst 1920 in ein K. (seit 1927 mit Öffentlichkeitsrecht) umgewandelt wurde. 1939 mit der Errichtung der Staatlichen Reichs-Hsch. für Musikerziehung in eine Landes-MSch. umgewandelt, nach dem Krieg wieder in die alte Rechtsform zurückgeführt, wurde von dieser 1963 die Akad. für Musik abgespalten. Diese entwickelte sich zur heutigen MUniv. Die Landes-MSch. führt seit 1991 den Namen Johann Joseph-Fux-K. des Landes Steiermark.

Das Mozarteum in Salzburg, 1880 durch den Dom-Musik-Verein ebenfalls als öffentliche MSch. gegründet, wurde 1914 in ein K. umgewandelt und 1922 verstaatlicht. Ebenfalls während der NS-Zeit als Reichs-Hsch. geführt, wurde das Mozarteum 1948 wieder in ein K. rückverwandelt; mit der Umwandlung in eine Akad. für Musik 1953 wurde es vom Staat übernommen.

Der 1818 gegründete Innsbrucker Musikverein errichtete eine MSch. Obwohl der Verein 1938 aufgelöst wurde, bestand die Schule weiter (MSch. der Stadt Innsbruck); 1957 wurde sie in ein K. umgewandelt und 1961 durch ein Seminar für Musikerziehung erweitert; letzteres ist heute als Abteilung für Musikerziehung eine Außenstelle der MUniv. Mozarteum. Nach der Ausgliederung der städtischen MSch. entstand 1990 das K. des Landes Tirol.

Auch in Feldkirch bildete der 1842 gegründete Musikverein die Basis des 1977 als Unternehmung des Landes gegründeten Landes-K.s Vorarlberg (mit Außenstelle in Bregenz).

Bereits 1812 war der städtische Musikdirektor J. Nepomutzky in Klagenfurt zur Führung einer MSch. verpflichtet worden, die bis ca. 1817 bestand; das heutige Kärntner Landes-K. ging 1932 aus der Vereinsschule des 1828 gegründete Musikvereins für Kärnten hervor.

In Linz bestand ab 1797 eine Musiklehranstalt unter der Leitung von F. X. Glöggl; 1803 enthoben, führte Glöggl sie wahrscheinlich bis 1821 auf privater Basis weiter. 1823 eröffnete die Lehranstalt des zwei Jahre zuvor gegründeten Linzer Musikvereins; aus ihr ging das 1932 als Landes-K. begründete Bruckner-K. des Landes Oberösterreich hervor.

Niederösterreich verfügt über kein Landes-K., hat jedoch mit dem aus der Städtischen MSch. 1988 hervorgegangenen und von der Stadt getragenen Joseph Matthias-Hauer-K. in Wiener Neustadt ebenfalls eine qualifizierte Ausbildungsstätte.

1971 bekam auch das Burgenland mit der Aufwertung der städtischen MSch. ein Landes-K. (Joseph Haydn-K.) mit Sitz in Eisenstadt.

Neben diesen durch die öffentliche Hand erhaltenen Institutionen führen vier Diözesen (Wien, St. Pölten, Graz-Seckau, Linz) K. für Kirchenmusik (Kirchenmusikschulen). An privaten K.en existieren derzeit (2003) fünf weitere Einrichtungen (alle in Wien), die den Namen K. führen: Gustav Mahler-K. für Musik und darstellende Kunst mit Öffentlichkeitsrecht, K. Prayner für Musik und dramatische Kunst mit Öffentlichkeitsrecht, Goetheanisches K. und Waldorfpädagogische Akad. mit Öffentlichkeitsrecht, K. Franz Schubert für Musik und darstellende Kunst (mit Öffentlichkeitsrecht, Horak- K.) und K. Vienna & MSch. Penzing.


Literatur
MGÖ 2 u. 3 (1995); Czeike 4 (1995) [Musikfreunde, Gesellschaft der]; ÖL 1995 [Kunsthochschulen].

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Konservatorium‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]