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Kronstorf
Marktgemeinde zwischen Enns und Steyr in Oberösterreich. Urkundlich 834 zum ersten Mal erwähnt. Die Grundherrschaft in K. teilten sich bis weit ins 18. Jh. hinein Klerus und Adel. So scheinen u. a. die Bischöfe von Passau, die Stifte Gleink und St. Florian, aber auch die Herren von Losensteinleiten oder die Grafen Tilly mit Besitzungen auf. Besondere Bedeutung in Hinblick auf die kulturelle Entwicklung von K. fällt auch der Stadt Enns zu.

Das Musikleben in K. wird erst im ausgehenden 18. Jh. fassbar. Seit etwa 1780 sind Schullehrer mariatheresianischer Ordnung nachweisbar, die auch als Organisten Dienst taten: Sebastian Putzmüller (vor 1785) und Peter Lehofer (1785–1825). Aus dieser Zeit stammen einige wenige Kirchenmusikalien, so etwa eine Messe von W. A. Mozart und zwei von Franz Gleissner (1761–1818). Ab dem 19. Jh. ist die Kirchenmusikpflege relativ gut dokumentiert, was v. a. dem Umstand zu danken ist, dass hier A. Bruckner 1843–45 unter F. S. Lehofer Schulgehilfe war. Nachweislich wurden nun Kompositionen von Gleissner und J. Preindl aufgeführt, aber auch solche von Bruckner selbst. So z. B. die 1844 komponierte Messe für den Gründonnerstag (Christus factus est WAB 25b, früher WAB 9). Das weitere Repertoire gleicht dem der anderen Landkirchen (Landmesse) zu dieser Zeit: R. Führer, Karl Kemptner, J. B. Schiedermayr usw.

Nach dem Tod Lehofers (1866) folgten als Schullehrer Mathias Leutgäb (1838–1917) und 1871–1903 Karl Albrecht (1844–1915). Beide traten auch als Komponisten in Erscheinung. Als Komponist scheint auch Johann Kirchschläger (1865–1929) auf, der von 1924 bis zum seinem Tod Organist in K. war.

1879 erhielt K. eine neue Orgel von M. Mauracher, die bis heute in ihrer ursprünglichen Form erhalten ist (grundlegend renoviert 2009).

Von Bedeutung für das gegenwärtige Musikleben im Ort ist v. a. die 1852 gegründete Musikkapelle, als deren erster Leiter Michael Schließelberger (Lebensdaten unbekannt) aufscheint. Sie gestaltet das musikalische Brauchtumsgeschehen des Ortes mit, bestreitet aber auch diverse Themenkonzerte. Derzeitige Leiterin ist Christa Schwaiger (* 15.2.1959 Bad Ischl). Der Kapelle angegliedert ist das Jugendorchester KNK (K.er Nachwuchskapelle). Seit 2004 besteht darüber hinaus die Formation Young Spirit (Leiterin Maria Klebel, * 27.5.1989 Linz), die ebenfalls aus der örtlichen Blasmusik hervorging.

An Vokalkörpern gibt es in K. einen Kirchenchor (Leiterin Monika Mauhart). Daneben existierte bis Ende der 1930er-Jahre die Liedertafel Brucknerfreunde – gegründet von Karl Steinleitner (1876–1962). Aus einer losen Singgemeinschaft bildeten sich 2006 die K.er Stimmen (Leiterin Gerda Delaunay), die heute (2013) neben dem Kirchenchor das Vokalgeschehen bestimmen.

Seit 1988 verfügt K. – als Zweigstelle von Enns – über eine Landesmusikschule.

Volksmusikalische Aufzeichnungen aus K. sind kaum bekannt. Das Oberösterreichische Volksliedarchiv verwahrt lediglich einen Jodler und zwei Lieder (A-L/OÖV, HL VI/11/g/5; HL VIII/2/83; HL XIV/16).


Literatur
E. Brixel, Das große Oberösterreichische Blasmusikbuch 1984, 400; F. Forstner, 1150 Jahre K. 1984; A. Lindner/K. Petermayr, Die historischen Musikalien der Bruckner-Stätten Band 1: Die Pfarre K. 2010; E. Nowotny in Oberösterreichische Heimatblätter 39 (1985); F. Windtner in Anton Bruckner Institut Linz. Mitteilungen 5 (2010), 9–12; eigene Recherchen.

Autor(en)
Klaus Petermayr
Empfohlene Zitierweise
Klaus Petermayr, Art. „Kronstorf‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/07/2013]