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Laute
Aus dem Orient stammendes Zupfinstrument (arabisch al-‘ud = Holz), das in verschiedenen Größen und Formen gebaut wird. Die abendländische L. hat sich seit dem 13. Jh. in Spanien aus dem ‘Ud entwickelt, vornehmlich mit kurzem Hals. Diese Form lebt in der Mandora, Mandola und Mandoline weiter. Später wurde sie allenfalls „theorbiert“, d. h. mit einem zweiten, langen Hals für zusätzliche Basssaiten versehen (= Theorbe, Chitarrone, „L.“ bleibt Oberbegriff). Ausgangspunkt einer Art Normalstimmung, die zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Ländern in meist recht charakteristischer Weise verwendet und gelegentlich modifiziert wurde (Scordatur), war zunächst eine Terz-Quart- (z. B. A-d-g-h-e’-a’), ab etwa 1600 unter französischem Einfluss zunehmend die d-Moll-Stimmung (A-d-f-a-d’-f’). Schriftliche Vorlagen für das L.n-Spiel waren nicht gewöhnliche, vom Gesang her kommende Noten (Notation), sondern verschiedene Griffschriften (Lautentabulatur).

Über die Rezeption der L.n-Instrumente in österreichischen Landen ist nicht viel bekannt. Sie erfolgte vielleicht noch im 13. Jh. und man sah darin zunächst zweifellos v. a. ein höfisch-aristokratisches Moment. Die Reihe der bekannten Wiener Lautenmacher eröffnet im späten 14. Jh. ein Chunrat lawtenmacher († nach 1418). Er kaufte zw. 1376/90 zwei Häuser vor dem Schotten- bzw. Widmertor und konnte schließlich 1393 seinen Wohnsitz in einen Kramladen in der Innenstadt (Brandstätte, nahe der „Burse zur Eiche“, d. i. ein Musikanten- und Studentenviertel gegenüber dem Riesentor) verlegen. Konrads ehemaliges Haus in der Newluken vor dem Widmertor aber, ebenfalls einem bekannten Musikantenviertel in der Nähe des herzoglichen Marstalls, kam mittelbar in die Hände von Peter Volrat, dem hier Hans Volrat († ca. 1462) folgen sollte, in der Brandstätte aber sein Sohn Erhard Volrad. Möglicherweise war Volrat ebenso ein ehemaliger Gehilfe Konrads wie Niclas Lawtenmacher. In der Nähe der „tanzstat vor dem Werdertor“ ließ sich 1443 Wolfgang der Lautenmacher nieder. Gegen 1456 aus Bayern zugewandert sein dürfte Friedrich Egkenfelder († 1470). Besonderes Ansehen unter den Wiener Musikern scheint der Lautenmacher Lorenz Wildfang genossen zu haben: 1459 war er Zechmeister der St. Nikolai-Bruderschaft. Während noch H. Judenkünig 1518–26 im „Köllnerhof“ oder 1554–92 der Lautenist Ambros Frölich in der Bäckerstraße lebten, ist erst 1544 mit Christoph Helm ein Lautenmacher in dieser Gegend nachweisbar. Trotzdem sind gewisse Kontinuitäten in der Ansiedlung von Musikern und Instrumentenmachern nicht zu übersehen. Im Übrigen stammen auch die ersten namentlich bekannten L.n-Spieler in Wien aus bürgerlichem Milieu und der Gegend um St. Stephan: ein Hausbesitzer Eberhard und die Schulmeister Chunradus der Weyspacher und Hardo der Rokken. Infolge des großen Aufschwungs des L.n-Spiels in Wien während des 15. Jh.s ließen sich schließlich auch berufsmäßige Lautenisten hier nieder (Hans singer des herzogs, Lukas Meichsner, der vermutlich ebenfalls aus Bayern zugewanderte Heinrich der Zinczendorffer, Hans Schüstl, Steffan Scherer, Peter Frank, Heinrich Rodigast u. a., zuletzt Judenkünig). Vor diesem Hintergrund ist nicht mehr auffällig, dass auch die ersten Wiener Tabulaturdrucke und -handschriften (in dieser Reihenfolge!) aus bürgerlichem und studentischem Milieu stammen (Judenkünig ca. 1515, bzw. Thurner ca. 1524). Und in der Naglergasse, hinter der Kirche am Hof in der Nähe des kaiserlichen Kollegs adeliger Österreicher, sollten noch zu Beginn des 17. Jh.s meist aus Füssen/D stammende Lautenmacher arbeiten.

In der Renaissance- und Barockzeit war die L. v. a. in Adelskreisen ein beliebtes Mode- bzw. ein Kavaliers-Instrument (z. B. Bohr, Gaisruck, Hallwil, Lobkowitz, Losy), aber auch zahlreiche geistliche und weltliche Regenten hielten sich eigene Lautenisten. Das vorübergehende Auftreten des italienischen Gitarrenvirtuosen Francesco Corbetta (ca. 1615–81) am Wiener Hof (Nov. 1648 – Juli 1649), wo er den jungen Erzhzg. (Leopold I.) unterrichtete, scheint hier zwar eine erste Gitarrenmode ausgelöst zu haben (O. Clementi), konnte aber, im Gegensatz zu südlichen Ländern und England, die L. noch nicht verdrängen. Allenfalls beherrschte man beide Instrumente (z. B. Clementi, A. F. Ginter, Losy). Ja, um die gleiche Zeit wurde die „neue“ französische L.n-Kunst der Gautiers, Jacques Gallot, Familie Du But, A. F. G. Du Fau(l)t, Laurent Du Pré, Charles Mouton u. a. in besonderer Weise rezipiert und nachgeahmt. Zweifellos mit einem gewissen geänderten Selbstverständnis der Insassen hängt schließlich zusammen, dass im 17. und 18. Jh. das L.n-Spiel auch in den Klöstern gepflegt wurde. Ebenso scheint die um 1700 entstandene Gattung des sog. „Lautenkonzerts“ (Kammermusik auf Trio-Basis mit L.: entweder zwei L.n oder L. mit Violine/n und einem Bassinstrument; F. Hinterleithner, W. J. Lauffensteiner, W. Radolt, J. G. Weichenberger) weniger in höfisch-adeligen Zusammenhang als den der aufkommenden Hausmusik im neueren Wortsinn zu gehören. Ob darin bereits die Tendenz zur Verbürgerlichung (sog. zweite Gesellschaft, bürgerliche Musikkultur) oder nur Vorboten einer erst im Biedermeier so recht zum Tragen kommenden, jedoch nicht weniger charakteristischen Verschränkung von Adel und Beamtentum zu sehen sind, und dass im 18. Jh. neben adeligen und studentischen Kreisen die Beamtenschaft stärker in den Vordergrund trat (G. M. Frischauff, Hinterleithner, Weichenberger; als letzter Lautenist in Österreich gilt K. v. Kohaut), ist offen. Schon gegen Ende des 18. Jh.s aber wurde jedenfalls auch hier die L. von der Gitarre abgelöst (Persönlichkeiten wie z. B. L. v. Call markieren gewissermaßen den Übergang).


Literatur
A. Koczirz in StMw 5 (1918); A. Koczirz in Mélanges de musicologie offerts a M. Lionel de la Laurencie 1933; A. Malecek in Jb. d. Vereines für Gesch. der Stadt Wien 5/6 (1946/47); TMA 2 (1965) u. 8 (1974); R. Flotzinger, Die Lautentabulaturen des Stiftes Kremsmünster 1965; E. Maier, Die handschriftlich überlieferten Tabulaturen für L.n-Instrumente des 17. und 18. Jh.s aus dem Bestand der Österr. Nationalbibliothek mit dem Wr. L.n-Buch des Jacques de Saint Luc, Diss. Wien 1972; R. Flotzinger in StMw 27 (1966); R. Flotzinger in Ch.-H. Mahling (Hg.), [Fs.] H. Federhofer 1988; D. A. Smith in Early Music 10 (1982); NGroveD 15 (2001).

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Laute‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]