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Leifers (deutsch für italienisch Laives)
Stadt, 10 km südlich von Bozen gelegen, in der autonomen Provinz Bozen und der autonomen Region Trentino-Südtirol/Alto Adige. Erste urkundliche Erwähnung 1237, eigenständige Gemeinde seit 1819, 1985 zur Stadt erhoben. Über 70% der ca. 17.700 Einwohner sind italienischer, ca. 28% deutscher und 0,5% ladinischer Muttersprache. Ein markantes Gebäude im Ortskern ist die Pfarrkirche zu den Heiligen Antonius Abt und Nikolaus. Die aus der Mitte des 19. Jh.s erhaltene Bausubstanz wurde 2000–03 mit einem modernen Anbau der Meraner Architekten Höller & Klotzer erweitert. Der neue Altarraum erhielt 2004 eine neue zweimanualige Schleifladenorgel der Firma Pflüger. Die bestehende Orgel auf der alten Kirchenempore wurde belassen. Diese weist noch das Gehäuse der 1854/55 errichteten Orgel von A. Schönach auf, in das 1913 die Feldkircher Orgelmacher Gebrüder Mayer ein neues Instrument (op. 181) gebaut hatten und das 1971 Leopold Stadelmann aus Eggen/Südtirol (Ega/I) um einige Register erweiterte.

Ein wichtiger Kulturträger ist die Musikkapelle L. Ihre Gründung wird mit 1881 angesetzt, als Feuerwehrkapelle der freiweilligen Feuerwehr. Blasmusikanten in L. sind jedoch schon auf einem Ölgemälde (von Joseph Anton Kuseth?) aus dem Jahr 1791 in der Leiferer Pfarrkirche bezeugt: Dargestellt ist die Prozession anlässlich der Überführung des Gnadenbildes vom nahen Maria Weißenstein (Pietralba/I) nach L. Unter den Teilnehmern sind laut aufgemalter Bildlegende die „Schützen Compagnie“ mit „klingendem Spiel“ (zwei Schwegler und ein Trommler) sowie die „Herr[e]n Musicanten“ (Streicher, Holz- und Blechbläser, Sänger samt ihrem Leiter und zwei Singknaben; Abb. u. a. bei Tengler). Während der letzten Jahrzehnte des 18. Jh.s sind Sänger auf dem Kirchenchor nachweisbar, gegen Ende des 19. Jh.s wurden hier auch Frauen aktiv. 1945 wurde der MGV L. gegründet, 1966 der Singkreis Josef Eduard Ploner. Dieser gemischte Chor machte sich einen Namen durch etliche Uraufführungen kirchlicher Vokalwerke in den 1970er-Jahren; 1977 löste er sich auf. Seit 1967 besteht in L. der Coro Monti Pallidi, ein Männerchor, der sich dem Volks- und volkstümlichen Lied verschrieben hat und auch zusammen mit dem als „Caruso der Berge“ bezeichneten Leiferer Tenor Rudy Giovannini (* 1974 Bozen), Gewinner des Grand Prix der Volksmusik 2006, auftritt.

Die größte Glocke auf dem Kirchturm der Pfarrkirche L. geht auf das letzte Werk des Bozner Glockengießers Johannes Schel(l)ener (1619–64) aus dem Jahr 1663 zurück. Sie wurde, nachdem man sie 1913 wahrscheinlich umgegossen hatte, in ihrer vorgefundenen Form 1960 wegen eines massiven Sprungs eingeschmolzen, nach den gleichen Maßen bei Pietro Colbacchini (Bassano del Grappa/I) neu gegossen und wieder mit der Inschrift beziehungsweise Signatur Schel(l)eners von 1663 versehen.


Literatur
G. Tengler/G. Vigl in Südtiroler Sängerbund. Fs. zum VIII. Bundessingen [1969]; G. Tengler, Die Musikkapelle Leifers. Fs. zur Hundertjahrfeier [ca. 1981]; G. Tengler (Red.), Vom Dorf zur Stadt. L. 1998; H. Simmerle, Kirchenchöre Südtirols. Notizen, Berichte und Geschichten aus 125 Jahren 1998; P. U. Stillhard OSB/H. Torggler, Südtiroler Orgellandschaft von Reschen bis Innichen 2011, 290ff; Tagesztg.en und Periodika (Dolomiten, Südtiroler Volkskultur, Südtiroler Illustrierte, Alto Adige); www.gemeinde.leifers.bz.it/de/default.asp (2/2016); www.gemeinde.leifers.bz.it/de/stadtinfo/cultura.asp (2/2016); www.musikkapelleleifers.it (2/2016); www.coromontipallidi.it (2/2016); www.rudy-giovannini.de (2/2016); http://orgeln.musikland-tirol.at (2/2016).

Autor(en)
Hildegard Herrmann-Schneider
Empfohlene Zitierweise
Hildegard Herrmann-Schneider, Art. „Leifers (deutsch für italienisch Laives)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 09/05/2016]