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Leitermayer Leitermayer Michael: (Leitermayr, Leitermeier, Leitermeyer), Familie
Johann Michael: * 1799-04-2121.4.1799 Thurygrund ( Wien IX), † 1867-03-3131.3.1867 Hernals/NÖ (Wien XVII). Musiker und Musikpädagoge. Sohn eines aus Wullersdorf/NÖ stammenden Haarsieders (1799) bzw. Seilermeisters (1815). Angeblich vom Vater in Gesang, Geige, Violoncello und Gitarre ausgebildet, Schüler von M. Holzer; 1814 absolvierte er die Lehrerprüfung. Im Alter von 17 Jahren soll er eine Kunstreise in die Steiermark und nach Krain sowie nach Triest, Venedig und Padua/I unternommen haben. Anschließend 1. Violinist an der Kirche zu Lichtental (Wien IX), 1818 folgte angeblich eine Anstellung als Musikdirektor am Theater in der Josefstadt. Bei seiner Heirat 1822 (Trauzeuge: F. Jäger) war er bereits Chorist am Theater an der Wien (noch 1826), wo er ca. 1823 auch Violine an der dem Theater angeschlossenen MSch. unterrichtete (neben M. Rieder). 1824 gründete L. jedoch eine eigene Sing- und Musiklehranstalt auf der Windmühle (Wien VI), die er 1827 in die Alservorstadt verlegte und die 1845 36 bzw. 1847 49 Schüler besuchten. 1827 wurde L. Regens chori an der Pfarrkirche in der Alservorstadt (Wien VIII) und war in der Folge am Aufbau des dortigen Kirchenmusikvereins beteiligt. Ca. 1831 jedenfalls auch noch Orchesterdirektor am Theater an der Wien, 1834 übernahm er zusätzlich die Stelle eines Singmeisters am Theater in der Josefstadt (bis 1842?). Ab 1837 handelte er mit Musikinstrumenten in seiner MSch. (anfangs vielleicht aber auch sein Bruder Aug. L.). 1853 legte er die Stelle als Chorregent und Musikdirektor des Kirchenmusikvereins in der Alservorstadt nieder, 1856 war er noch Ausschussmitglied des Wiener Chorregenten-Vereins. Von eigenen Kompositionen ist nichts bekannt. M. L. war mit den Brüdern Schubert befreundet und u. a. maßgeblich an den Uraufführungen der Symphonie Nr. 5 (D 485) sowie der Messe in Es-Dur (D 950) von Fr. Schubert beteiligt.
Gedenkstätten
L.gasse (Wien XVII/XVIII).
Ehrungen
Bürger von Wien.
Literatur
Schilling 4 (1837); Wurzbach 14 (1865); E. Hilmar/M. Jestremski (Hg.), Schubert-Enzyklopädie 2 (2004); ÖBL 5 (1972) [A. L.]; A. Ziegler, Addressen-Buch von Tonkünstlern, Dilettanten, … in Wien 1823, 208; Allgemeine musikalische Ztg. mit besonderer Rücksicht auf den österr. Kaiserstaat 12.11.1823, 726; Allgemeine Theaterztg. und Originalbl. 22.10.1829, 520; Wr. Ztg. 2.5.1827, Intelligenzbl., 707, 23.10.1827, Intelligenzbl., 563; 12.2.1835, 170, 21.11.1837, Intelligenzbl., 651, 2.4.1853, 827, 1.3.1854, Intelligenzbl., 142, 30.7.1856, 2257; Allgemeine Wr. Musik-Ztg. 19.10.1841, 523, 31.3.1842, 160, 25.10.1842, 519, 20.10.1846, 508, 31.10.1846, 528; Fremden-Bl. 2.4.1867, Abend-Bl., 6, 3.4.1867, 6, 4.4.1867, 5, 21.5.1867, 8; Taufbuch 1795–99 der Pfarre Lichtental (Wien IX), fol. 962; Trauungsbuch 1818–32 der Pfarre Hernals, fol. 32; Taufbuch 1823–24 der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI), fol. 15 u. 95; Sterbebuch 1832–44 der Pfarre Hernals (Wien XVII), fol. 66; Sterbebuch 1867–68 der Pfarre Hernals, fol. 30; eigene Recherchen (Lehrer-Schematismen 1843, 1845, 1847; www.onb.ac.at).


Seine Brüder

Joseph: * 12.3.1808 Hernals, † nach 1858 (Ort?). Violinist, Musikpädagoge. Ist ca. 1831 als Orchesterdirektor und Solist am ständischen Theater in Laibach belegt. Mit 1.1.1840 eröffnete er jedoch eine behördlich genehmigte „Musik-Lehranstalt“ in der Leopoldstadt (Wien II), wo er Gesang, Violine und Violoncello unterrichtete. Anfang 1843 war er bereits Orchesterdirektor und Solist am ständischen Theater und des Musikvereins Kärnten in Klagenfurt; 1843 legte er daher auch die Befugnis zur Führung einer MSch. in Wien zurück. 1847 wechselte er als Orchesterdirektor ans Theater nach Laibach und gab wieder – wie auch in Klagenfurt – Musikunterricht (nun auch Männergesang). 1848 starb hier seine Frau. Ca. 1853 könnte er noch immer in Laibach gewesen sein und in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt haben. Zuletzt ist L. 1858 in Pantschowa (Pančevo/SRB) greifbar, er soll aber auch Musikdirektor in Cilli (Celje/SLO) gewesen sein (wann?).


Ehrungen
Ehrenmitglied mehrerer Musikvereine.
Werke
Musikarrangement f. eine Aufführung von Johann Wolfgang von Goethes Faust in Klagenfurt 1847.
Literatur
Vereinigte Laibacher Ztg. 3.11.1831, Amtsbl., 1156, 20.11.1847, 866; 26.8.1848, 566, 30.9.1848, Intelligenzbl., 390, 31.1.1849, 48, 16.8.1853, 772; Wr. Ztg. 19.12.1839, Intelligenzbl., 847; Oesterr. Pädagogisches Wochenbl. 28.6.1843, 439; Klagenfurter Ztg. 12.2.1843, Intelligenzbl., 197, 11.6.1843, Intelligenzbl., 569, 13.9.1843, Intelligenzbl., 1318, 2.10.1844, Intelligenzbl., 1514, 22.12.1844, 410, 26.2.1845, 68, 12.4.1846, Intelligenzbl., 554, 2.8.1846, Intelligenzbl., 1173, 15.11.1846, Intelligenzbl., 1681, 29.8.1847, 276; Carinthia 23.1.1849, 19; Der Werschetzer Gebirgsbote 12.12.1858, 255; Grazer Tagbl. 31.10.1891, 4; Taufbuch 1808–24 der Pfarre Hernals, fol. 3; Taufbuch 1842–47 der Pfarre Klagenfurt-St. Egid, fol. 15.


August (Augustin): * 12.6.1815 Hernals, † 11.8.1872 Wien. Musiklehrer. Über seine Ausbildung ist nichts bekannt, er soll bereits ab ca. 1832 eine MSch. geführt haben (vermutlich liegt hier aber eine Verwechslung mit seinem Bruder M. vor). 1837 war er Chorregent an der Servitenkirche in der Rossau (Wien IX) und eröffnete auch eine „öffentliche Musik-Lehr-Anstalt“. Zum Zeitpunkt seiner Heirat 1838 wohnte er („Musik Schul Inhaber“) seit fünf Jahren in Hernals Nr. 6, seine Trauzeugen waren I. v. Seyfried und sein Bruder M. L. 1839–43 betätigte er sich als Klavierhändler in Wien I, wo er 1840 neuerlich eine MSch. eröffnete (mit Schwerpunkt Gesang und Violinspiel). 1845 starb ein Sohn von ihm in St. Ulrich (Wien VII). Ab Mitte der 1840er Jahre führte er die MSch. in Wieden (Wien IV), ab 1855 in Margarethen (Wien V). L. warb mit der Ausbildung von Mädchen und jungen Männern zu Operettensänger/inne/n oder Chorist/inn/en. Außerdem betätigte er sich als Vermittler von Musiker/inne/n und Erzieher/inne/n mit musikalischer Bildung („Musik-Geschäftskanzlei“). Ab 1867 bot L. auch einen Abendkurs für Männergesang in seiner MSch. an.


Literatur
Wr. Ztg. 21.2.1837, Intelligenzbl., 201, 13.5.1839, Intelligenzbl., 689, 21.3.1840, Intelligenzbl., 500, 22.3.1841, 466, Intelligenzbl., 11.4.1843, Intelligenzbl., 60, 22.8.1845, 1789, 13.1.1846, Intelligenzbl., 52, 5.1.1851, Intelligenzbl., 20, 25.3.1853, Intelligenzbl., 223; Allgemeiner Musikalischer Anzeiger 12.12.1839, 264; Allgemeine Wr. Musik-Ztg. 14.9.1843, 464; Oesterr. Pädagogisches Wochenbl. 31.10.1846, 703; Fremden-Bl. 1.4.1855, 9; Neues Wr. Tagbl. 21.9.1867, 8, 5.10.1867, 4, 10.10.1867, 8, 9.11.1867, 8; Illustrirtes Wr. Extrabl. 10.8.1872, 5; Neues Wr. Abendbl. 12.8.1872, 14; Taufbuch 1808–24 der Pfarre Hernals, fol. 105; Trauungsbuch 1818–38 der Pfarre Hernals, fol. 290; Sterbebuch 1869–73 der Pfarre St. Josef zu Margareten (Wien V), fol. 188; eigene Recherchen (Lehrer-Schematismen 1843, 1847, 1852, 1860, 1863).


Michaels Kinder

Alexander: * 4.5.1826 Laimgrube (Wien VI), † 29.12.1898 Wien. Klarinettist, Militärkapellmeister und Komponist. Vom Vater und von A. Friedlowsky musikalisch ausgebildet, debütierte er bereits im Alter von 12 Jahren als Solo-Klarinettist. Anschließend bis 1844 Klarinettenstudium am Salzburger Mozarteum. In der Folge trat er im Wiener Biedermeier vielfach als Klarinettist und Komponist in Erscheinung; 1847 Konzertreise nach Norddeutschland. 1848 eröffnete L. („Tonkünstler und Compositeur“) in den Lokalitäten der MSch. seines Vaters eine „allgemeine Volks-Gesangschule für Männer“, die er in vier Abteilungen führen wollte (Beamte, Studenten, Handlungsbeflissene, Arbeiter). Bereits ein Jahr später begann er jedoch seine Karriere als Kapellmeister bei Militärmusikkapellen verschiedener IR.er (1849–51 und 1856–69 IR Nr. 2, 1869–71 Nr. 74, 1871–75 Nr. 49, 1875–82 Nr. 59). Über seine Tätigkeit zwischen 1851/56 liegen keine gesicherten Angaben vor, zumindest 1852 und 1854 war er jedoch in Wien; in diesen Jahren dürfte er auch Orgel an der Kirche in der Alservorstadt gespielt haben. Nach 1883 lebte er als Militärkapellmeister in Ruhe in Wien und unterrichtete noch Musik am Blindeninstitut. L. zählte zu den hervorragendsten Militärkapellmeistern seiner Zeit und war ein vielgespielter Komponist dieses Genres.


Ehrungen
Goldene Zivil-Ehrenmedaille 1855; Goldenes Verdienstkreuz mit der Krone 1869; zahlreiche weitere Auszeichnungen.
Werke
ca. 300 Kompositionen, überwiegend für Militärmusik-Besetzung; Opern (Der Thronräuber, Der Verräther); Militär-Feldmesse.
Literatur
ÖBL 5 (1972); E. Anzenberger in Österr. Blasmusik 43/2 (1995); G. Wichart in StMw 39 (1988); Brixel/Martin/Pils 1982; Wurzbach 14 (1865); Eisenberg 1893; F. Rathner, Die bewaffnete Macht Österreich-Ungarns 1618–1918 in ihren Märschen 1983, 1/123, 2/122, 3/26, 3/62; Allgemeiner Musikalischer Anzeiger 12.4.1838, 60, 24.10.1839, 231; Wr. Ztg. 20.12.1843, 2674, 24.1.1844, 181, 20.5.1848, Intelligenzbl., 433, 23.8.1849, Beilage, 4, 30.12.1855, 3597, 30.7.1856, 2257; Der Humorist 8.5.1844, 444; Österr. Morgenbl. 1.3.1848, 106; Wr. allgemeine Musik-Ztg. 13.5.1848, 232; Oesterr. Soldatenfreund 2.2.1850, 65f, 9.10.1869, 676; Fremden-Bl. 10.11.1862, 7; NFP 31.12.1898, 16; Taufbuch 1824–27 der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI), fol. 99; Trauungsbuch 1850–53 der Pfarre Alservorstadt (Wien VIII), fol. 8; Taufbuch 1850–51 der Pfarre Alservorstadt, fol. 273; Taufbuch 1852–53 der Pfarre Alservorstadt, fol. 92; Taufbuch 1854–55 der Pfarre Alservorstadt, fol. 68.


Theresia (Therese): * 14.1.1830 Alservorstadt, † 18.12.1907 Wien. Sängerin (Sopran). War Schülerin ihres Vaters und trat bereits am 17.10.1841 in einer Prüfungsakademie mit einer Arie aus Fr. Schuberts Fierrabras hervor, in der ihr Vater Schuberts Symphonie Nr. 5 (D 485) zur Uraufführung brachte. Eine Karriere als Sängerin gelang ihr jedoch nicht, sie dürfte als Solistin bei Wiener Kirchenmusikaufführungen mitgewirkt haben (belegt 1853 in der Rossauer Kirche [Wien IX]).


Literatur
Wr. allgemeine Musik-Ztg. 19.10.1841, 523f, 26.10.1843, 538, 24.10.1844, 510; Neue Wr. Musik-Ztg. 19.5.1853, 81; Dt. Volksbl. 25.12.1907, 33; Taufbuch 1829–31 der Pfarre Alservorstadt, fol. 107; Sterbebuch 1907 der Pfarre Breitenfeld (Wien VIII), fol. 83.

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Leitermayer (Leitermayr, Leitermeier, Leitermeyer), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25/04/2019]