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Leopold I.Leopold I.
* 1640 -06-099.6.1640 Wien, † 1705 -05-055.5.1705 Wien. Römisch-deutscher Kaiser, österreichischer Regent, Komponist und Mäzen. Als zweiter Sohn von Ferdinand III. war L. ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt und hatte eine entsprechende Ausbildung (Theologie, Wissenschaften, Sprachen, Musik und Dichtung) erhalten; seine Musiklehrer waren wahrscheinlich A. Bertali sowie M. und W. Ebner. Nach dem unerwarteten Tod seines älteren Bruders, des 1653 zum römischen König gekrönten Ferdinand IV., musste Leopold 1654 die Thronfolge antreten. War L.s. politisches und militärisches Agieren durch Zögern und Abwarten gekennzeichnet, zeigte er in Sachen Kultur (und im Besonderen Musik) und katholischer Gegenreformation hohes persönliches Engagement. L. war nicht nur der produktivste unter den sog. „Kaiserkomponisten“ (Ferdinand III., L., Joseph I. und Karl VI.), sondern förderte die Hofmusikkapelle, die unter seiner Regentschaft eine deutliche personelle Aufstockung erfuhr, und verankerte die musikdramatischen Gattungen (Oper, Oratorium, Sepolcro) fix im Jahrescurriculum des Hofes. Die über 400 musikdramatischen Produktionen, die 1658–1705 durch den Kaiserhof veranstaltet wurden, waren Vorbild für viele Höfe Europas. In der HMK, für die L. eigenhändig eine Instruktion verfasste, wurde 1695 (auch bedingt durch die starke Vermehrung der Aufgaben) das Amt des Hofkompositors eingeführt (z. B. C. A. Badia, J. J. Fux, G. B. Bononcini) und 1709 zur Entlastung des zunehmend durch bürokratische Aufgaben an seinen eigentlichen musikalischen gehinderten Hofkapellmeisters das des Musik-Oberdirektors (Cavagliere/Direttore della Musica). L.s eigene Werke sind stilistisch der venezianischen Tradition der Mitte des 17. Jh.s zuzuordnen (eine Weiterentwicklung des Stils ist kaum zu beobachten); viele sind geistlichen Inhalts (Oratorien und Kirchenmusik) und von der tiefen Religiosität des Kaisers geprägt; daneben entstanden zahlreiche Einlagearien für aktuelle Opernproduktionen des Hofes bzw. kleinere musikdramatische Werke. L. besaß eine umfangreiche Musikbibliothek (Bibliotheca cubicularia/Schlafkammerbibliothek), die, einheitlich gebunden, in seinen Privatgemächern aufgestellt war (heute A-Wn).
Werke
[WV bei G. Brosche bzw. E. Th. Hilscher] 2 Messen, Hymnen, Litaneien, 11 Oratorien; Apollo deluso (dramma per musica); Intermedien und Bühnenmusik, zahlreiche Einlagearien, Serenaden, Canzonette, Kammermusik. – NA: G. Adler, Musikalische Werke der Kaiser Ferdinand III., Leopold I. und Joseph I., 2 Bde. 1892/93.
Literatur
NGroveD 14 (2001); MGG 10 (2003); E. Th. Hilscher, Mit Leier und Schwert 2000; B. Hamann, Die Habsburger 41988; G. Brosche in [Fs.] F. Grasberger 1975; Seifert 1985; J. Gmeiner in biblos 43 (1994), H. 3–4; [Kat.] Musica Imperialis 1998; MGÖ 1 u. 2 (1995); Köchel 1869.

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Leopold I.‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]