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Leschetizky Leschetizky Josef: (Leschetitzky, Leschitizky, Leszetycki), Familie
Josef: * --ca. 1801 (Ort?), 1885 -03-1010.3.1885 Salzburg. Musiker und Komponist. Studierte bei C. Czerny, war Musiklehrer der Familie des Grafen Alfred von Potocki in Lancut/Galizien (Łańcut/PL) und ist 1859–83 als Tonkünstler in Wien nachweisbar. Sein Sohn

Theodor (Teodor): * 22.6.1830 Lancut, † 14.11.1915 Dresden/D (begr. 10.12.1922 Wien). Pianist, Klavierpädagoge, Komponist. Erhielt ersten Musikunterricht von seinem Vater und kam 1840 nach Wien, wo er bei C. Czerny (Klavier) und S. Sechter (Komposition) studierte. Unterrichtete ab 1852 in St. Petersburg/RUS (1862–78 am neu gegründeten Konservatorium), wo er in enger Verbindung zu A. Rubinstein stand, die kaiserlich Russische Musikgesellschaft mitbegründete und Musikdirektor der Großherzogin Helena wurde. Konzertreisen führten ihn durch Russland, England, Österreich und Deutschland. 1878–1915 lebte er in Wien als gefragter Privatlehrer; Mitbegründer des Wiener Tonkünstlervereins. Bekannt wurde seine Klavierlehrmethode (L.–Methode), wobei er selbst betonte, dass sie nichts Neues, sondern nur von Czerny übernommen sei. Ihre Merkmale sind eine tiefe Handgelenkstellung mit eingedrückten Knöcheln, eine starre Hand- und Armgelenk-Muskulatur und das Spiel im vorderen Bereich der Tasten. Zu seinen berühmtesten Schülern gehörten Elly Ney, I. J. Paderewski, A. Schnabel, I. Friedman und M. Horszowski. Von L.s vier Ehefrauen waren drei seine Schülerinnen gewesen, als bekannteste ist seine zweite Frau (1880–92), Annette Essipoff (* 31.1.1851 St. Petersburg, † 18.8.1914 St. Petersburg), zu nennen, eine in ganz Europa gefeierte Pianistin, mit der er bis 1887 auch vierhändig konzertierte.


Gedenkstätten
Ehrengrab (Zentralfriedhof Wien); L.bank (Wien XVIII, Türkenschanzpark); L.gasse (Wien XVIII, Pötzleinsdorf); Gedenktafel an seinem Wohnhaus (Wien XVIII, Weimarerstraße 60).
Ehrungen
Ehrenprof. des Konservatoriums St. Petersburg 1879; Ritter des Franz-Josephs-Ordens; Ritter des Eisernen-Kronen-Ordens III. Klasse; Ritter des Russischen Stanislaus-Ordens; Ritter des Annen-Kreuzes; Ritter des Schwedischen Gustav-Wasa-Ordens; Ehrenmitglied des Wiener Tonkünstler-Vereines.
Literatur
W: Oper (Die erste Falte), Ballade für Chor und Orch., über 40 Werke für Kl., Lieder und Duette.


Dessen Tochter Therese L. v. Woskressensky: * 15.1.1873 St. Petersburg, † 10.10.1956 Paris (begr. 11.4.1957 Wien). Musikpädagogin. Die uneheliche Tochter von L. und A. Essipoff erhielt eine umfassende Gesangsausbildung in St. Petersburg. Anschließend Prof. für Gesang am dortigen Konservatorium, 1921 Flucht nach Wien. Danach Gesangslehrerin in Deutschland und Paris, 1934 in Wien und ab 1939 wieder in Paris. Sie stand in enger Freundschaft zu J. Marx, I. J. Paderewski und Alexander Glasunow. Verheiratet war sie mit dem Gesangslehrer Vsevolod v. Woskressensky (1873–nach 1939).

T.s Großneffen

Alexander Josef: * 31.7.1885 Wien, † ?. Musikdirektor und Komponist. Der Sohn des Ingenieurs Josef Ludwig L. d. Ä. studierte Musik in Wien und war ab 1923 Leiter verschiedener Hamburger Chorvereine. Ab 1953 Direktor des Klein-Flottbek-Konservatoriums in Hamburg. Dessen ältere Schwestern Helene (* 17.9.1881 Wien, † 30.10.1944 Wien) und Marie Gabriele (* 31.5.1883 Wien, † 6.10.1962 Wien) waren ebenfalls musikalisch tätig. H. wirkte am 11.3.1914 als Gesangssolisten bei der UA von Das Lied von der Not (Caroline Gräfin v. Hadik) im Großen Saal des Wiener Konzerthauses mit, G. spielte am 16.1.1914 im Mozartsaal Klavierkonzerte von W. A. Mozart, F. Chopin sowie F. Liszt und gab am 7.2.1914 einen Klavierabend im Schubertsaal des Konzerthauses.


Werke
Ballettszenen, Opern (Das Rauschen vom See, Der Rosengarten zu Worms).


Dessen Sohn Walter: * 15.12.1909 Biglie bei Görz/Istrien [Gorizia/I], † 26.4.1989 Salzburg. Violinist, Dirigent, Komponist. Erhielt seine Ausbildung in Wien, wirkte zunächst als klassischer Violinist und widmete sich ab Mitte der 1930er Jahre der Tanz- und Unterhaltungsmusik. Ab 1938 spielte er mit seinem eigenen Orchester und arbeitete als Komponist und Arrangeur; 1941–45 Mitglied des Deutschen Tanz- und Unterhaltungsorchesters. Nach dem Krieg war er beim Bayerischen Rundfunk, beim Südwestfunk und beim ORF tätig. 1962–75 spielte L. im Mozarteum Orchester Salzburg.


Werke
Orchesterwerke (Bilder einer Reise [Suite], Kapriziöse Polka, In letzter Minute, Das lustige Eichhörnchen, Modernes Menuett), Lieder; Bearbeitungen.


Josef Ludwig: * 22.9.1886 Wien, † 7.5.1951 Linz. Dirigent und Komponist. War zunächst Beamter der Unionbank in Triest (1904–10) und besuchte 1906–10 das dortige Conservatorio Giuseppe Tartini; weitere musikalische Ausbildung bei E. Thomas in Wien. Anschließend Theaterkapellmeister in mehreren deutschen Städten, 1925/26 Kapellmeister des Schönbrunner Schlosstheaters und 1933–46 Generalmusikdirektor in Chemnitz/D; Gastspiele an der Wiener Staatsoper. 1947–51 Kapellmeister (kurzfristig auch Opernchef) am Linzer Landestheater, Dirigent der Linzer Symphoniker und Leiter der Dirigentenschule sowie der Orchester- und Chorklasse am Bruckner-Konservatorium.


Ehrungen
Staatspreis für Komposition 1909; Cavaliere-Ufficiale der italienischen Krone 1936; Auswärtiges Mitglied der königlich Schwedischen Akad. für Musik 1940.
Werke
Opern (Die Perle von Arasthan), Märchenspiel (Zwerg Nase), Lieder, symphonische Dichtung Das Fest auf Solhaug, Kammermusik.


Theodor Hermann: * 27.5.1896 Wien, † 25.8.1948 Wien. Bautechniker, Chordirigent, Komponist. Absolvierte zunächst eine Baufachschule und studierte anschließend Musik; 1915–19 Kriegsteilnehmer und in italienischer Gefangenschaft. Ab 1920 als Bautechniker, Musiklehrer, Dirigent und Chormeister von MGV.en (Männergesang) in Wien tätig. L. war mit J. Marx und H. Wagner-Schönkirch befreundet, Letzterer nahm sich auch um UA.en seiner Werke an. Seine Tochter Leonore Gertrude (verh. Spreitz; * 1.12.1921 Neuhaus/NÖ) studierte Musik und trat am 11.2.1941 gemeinsam mit ihrem Vater als Pianistin im Rahmen eines Kammermusikabends im Schubertsaal des Wiener Konzerthauses auf.


Werke
Singspiel (Annerl), Symphonie, Sinfonietta a-Moll, Ouvertüren, Kammermusik, Klavierstücke, Männerchöre, Lieder, Bearbeitungen (u. a. von Werken Mozarts).
Literatur
S. Tichonow, L. und sein Wr. Kreis 2001; NGroveD 14 (2001); MGG 8 (1960); ÖBL 5 (1972); Czeike 4 (1995) u. 5 (1997); S. Tichonow in C. Ottner (Hg.), Franz Schmidt und Preßburg 1999; Lang 1986; Riemann 1961 u. 1975; Personenlex. Öst. 2001; Kosch 2 (1960); Müller-Asow 1929; F-A 1936; Kosel 1902; Eisenberg 1893; A. Ehrlich (Hg.), Berühmte Klavierspieler der Vergangenheit und Gegenwart 1893; Mendel-R. Suppl. (1883); Ulrich 1997; Stieger II/2 (1975); Ch. Hanna, Das Linzer Landestheater 1945–1980, Diss. Wien 1987; H. Wimmer, Das Linzer Landestheater 1803–1958, 1959; Wölfer 2000; MGÖ 3 (1995); Slg. Moißl; Wr. Tonkünstler-Verein. 28. Jahresbericht, 1911–1912; www.konzerthaus.at (10/2004); www2.gol.com/users/cegledy/Leschetizky.html; www.dra.de/cd-rk06.htm (9/2003); eigene Recherchen (WStLA [Biographische Slg.; Meldearchiv; Lehmann-Adressbücher 1859–85 u. 1925–42; Verlassenschaftsakt v. T. H. L.], ÖNB [Hss.slg.], Mitt. MA 43 u. 61); Mitt. Erich Leschetizky.

Autor(en)
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Leschetizky (Leschetitzky, Leschitizky, Leszetycki), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]