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Lichnowsky von Woszczye Lichnowsky von Woszczye true (Woschtitz/Woschütz), Familie
Aus Polen stammendes, seit dem 14. Jh. nachweisbares Adelsgeschlecht, das hauptsächlich in Österreich (Hauptgüter in Schlesien und Mähren), jedoch auch in Preußen und Russland wirkte; 1702 Erhebung in den Freiherrenstand, 1772 in den Grafenstand; 1773 von Preußen in den Fürstenstand erhoben, 1846 auch von Österreich. Stammsitz der Familie war Schloss Grätz (Hradec nad Moravicí/CZ) bei Troppau. Seit dem Erwerb der Herrschaft Lichten (Lichnow/CZ) 1491 nannte sich die Familie „Lichnowsky“. Für die Musikgeschichte wichtig waren:

Carl (Karl) Alois Johann Nepomuk Vinzenz Leonhard, * 21.6.1761 Wien, † 15.4.1814 Wien. Mäzen. Bereits während seines Jura-Studiums in Leipzig und Göttingen/D 1776–82 begann er die Werke von J. S. Bach zu sammeln. Nach seiner Rückkehr und der 1788 erfolgten Heirat mit Maria Christine Gräfin Thun-Hohenstein (1765–1841, deren Schwester Elisabeth mit dem ebenfalls aus der Musikgeschichte bekannten russischen Botschafter in Wien, Andreas Fürst Rasumowsky verheiratet war) wurde C. L. Schüler und Mäzen W. A. Mozarts. Im April/Mai 1789 nahm C. L. Mozart auf eine Reise nach Berlin mit und gewährte ihm ein Darlehen in der Höhe von 1435 fl. Ab 1792 trat C. L. als Förderer L. v. Beethovens in Erscheinung. Er gewährte dem jungen Komponisten 1794–96 Unterkunft in seinem Haus in der Alserstraße (heute Wien IX). L., von Zeitgenossen (z. B. Lulu Thürheim) als zynisch, degeneriert, schamlos und exzentrisch beschrieben, unterstützte er Beethoven ab 1800 auch finanziell in großzügigster Weise und ist auch an prominenter Stelle in dessen Subskribentenlisten zu finden. 1806 kam es zu einem ersten Bruch der Freundschaft; zudem setzte eine akute Finanznot des über seine Verhältnisse lebenden Fürsten dem Mäzenatentum L.s Grenzen. Seine Geschwister

Henriette: * 10.5.1769 Wien, † nach 1829. Zählte ebenfalls zum Freundeskreis Beethovens. Nach ihrer Heirat mit dem Marquis von Carneville zog sie nach Paris und setzte dort die musikalische Tradition ihrer Familie fort (u. a. Freundschaft mit F. Chopin).

Moritz Josef Cajetan Gallus: * 17.10.1771 Wien, † 17.3.1837 Wien. Pianist und Komponist. Zählt ebenfalls zum Freundeskreis Mozarts (dessen Schüler er war) und Beethovens. Obwohl wegen seiner unstandesgemäßen zweiten Ehe 1820 von der Familie ausgeschlossen, setzte L. sein Engagement für Beethoven fort und bemühte sich mit Nachdruck um die UA der 9. Symphonie – Beethoven „widmete“ L. den Kanon Bester Graf, Sie sind ein Schaf (WoO 183). Der Graf war auch ein begabter Komponist.


Werke
7 Klavier-Variationen über Nel cor più non mi sento aus G. Paisiellos La Molinara (Wien 1798).


Sein Enkel Felix: * 5.4.1814 Wien, † 18.9.1848 Frankfurt a. M./D Politiker, Sohn des Dichters Eduard Maria. Eng mit F. Liszt befreundet, begleitete er ihn 1841 auf einer Reise durch das Rheinland. Da in seiner Familie als zu liberal geltend, musste F. L. mehrmals auf eine großzügige Geldaushilfe von Liszt zurückgreifen. F. L. wurde Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und fand in den Unruhen von 1848 einen gewaltsamen Tod.


Werke
Widmungen Beethovens an Mitglieder der Familie L.: Carl: Drei Trios f. Kl., V. u. Vc. op.1; Sonate pathétique in c-moll f. Kl. op. 13; Klaviersonate op. 26; Symphonie Nr. 2 op. 36; Neun Variationen über „Quant’ é più bello“ aus der Oper La Molinara von G. Paisiello WoO 69; – Maria Christine: Die Geschöpfe des Prometheus op. 43; Zwölf Variationen über ein Thema aus G. F. Händels Judas Makkabäus WoO 45; – Henriette: Rondo in G-Dur f. Kl. op. 51, Nr. 2; – Moritz: Fünfzehn Variationen in Es-Dur mit einer Fuge f. Kl. op. 35.
Literatur
MGG 11 (2004); NGroveD 14 (2001); Czeike 4 (1995); Wurzbach 15 (1866); Kinsky-Halm 1955; W. Schmieder (Hg.), Thematisch-systematisches Verzeichnis der musikalischen Werke von Johann Sebastian Bach. 2. überarb. und erw. Aufl. 1990; BeethovenH 1926; C. Preihs in Neues Mozart-Jb 3 (1943); D. Rexroth, Beethoven31995; Martin Staehelin (Hg.), Das Beethoven-Bildnis des Isidor Neugaß und die Familie L. 1983; A. Walker, Franz Liszt 1983; [Kat.] Zaubertöne. Mozart in Wien 1781–1791, 1991; W. Brauneis in Mitteilungsbl. der Wr. Beethoven-Ges. 3 (1991); Y. KoboyashI in I. Fuchs – S. Antonicek (Hg.), [Kgr.-Ber.] Johann Sebastian Bach 1992; J. May in Beethoven Forum 3 (1994).

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Lichnowsky von Woszczye (Woschtitz/Woschütz), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]