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Lutwak-Patonay, Musikschule
Private Musiklehranstalt in Wien. Hervorgegangen aus dem privaten Klavierunterricht (ab 1904: „Musikstaatsprüfungskurs Patonay“) der Pianistin (1886 Absolventin des Konservatoriums der GdM bei H. Schmitt) und Musikpädagogin Eugenie (Jenny) Patonay, verh. Lutwak (* 15.7.1866 Wien, † 10.10.1939 Wien), die seit spätestens 1902 als Klavierpädagogin an ihrer privaten Adresse Rathausstraße 4 (Wien I) tätig war. Sie unterrichtete zunächst in Wien VIII, Lange Gasse 24 (mit den Pädagogen H. Schmitt und Ferd. Rebay), ab Mai 1906 im Gebäude des Wiener Lehrerhausvereins in Wien VIII, Josefsgasse 12. Nach ihrer Heirat am 9.6.1906 mit dem jüdischen Kaufmann Hermann Lutwak (* 17.3.1876 Rohozna/Bukowina [Sadagora/UA], † 28.4.1960 Wien) führte das Ehepaar die Schule als MSch. L.-P. mit H. Lutwak als administrativem Direktor und E. Lutwak-Patonay als pädagogischer Direktorin sowie Klavierpädagogin und vergrößerte sie stetig. 1909–11 wurde die MSch. L.-P. um einen Standort in Wien I, Neuer Markt 9 erweitert. Zunächst erfolgte der Unterricht in Klavier, Gesang und Violine, im Herbst 1906 kam eine Opern- und Schauspielschule sowie Orgelunterricht hinzu, bald wurde auch Musiktheorie gelehrt. Ab 1909/10 auch Unterricht in Cello, Kontrabass, Harfe, Flöte, Klarinette, Oboe, Horn, Trompete, Fagott und Posaune, wofür 23 Lehrkräfte (1911: 28, 1918: 32, um 1937: rund 50) zur Verfügung standen. Im Dezember 1913 kam noch Lauten-, Gitarren- und Mandolinenunterricht durch J. Zuth hinzu. Unter den zahlreichen Lehrkräften waren E. Bienenfeld (Musikgeschichte), K. Rössel-Majdan (Gesang), F. Schrödter (Gesang), A. Walter (Cello), Ferd. Hellmesberger (Cello), R. Raab (Tanz), O. Schulhof (Spezialkurs für stilgerechte Klavierbegleitung), M. H. Heger (Vortragstechnik). Die MSch. L.-W. zeigte sich auch der Unterhaltungsmusik, dem Jazz und den neuen Medien (Radio, Film) gegenüber aufgeschlossen und errichtete entsprechende einschlägige Ausbildungsangebote. Ende 1929 entstand eine neue Abteilung für heitere Kunst unter E. Eysler (Komposition), Laura Knapek-Friedberg (Gesang) und R. Raab (Tanz). Die Schule bot neben einer Ausbildung für musikinteressierte Jugendliche auch eine professionelle musikalische Ausbildung, die mit der Staatsprüfung für das Lehramt der Musik abgeschlossen werden konnte. Sie zählte neben den schon länger bestehenden MSch.n Horak und Kaiser bald zu den führenden privaten Musiklehranstalten Wiens. Im Herbst 1913 übersiedelte ein großer Teil der MSch. in die Räumlichkeiten der ehemaligen Klavierfirma Ehrbar in die Mühlgasse 30 (Wien IV), bald ließ sich die gesamte MSch. dort nieder. Öffentliche Aufführungen wurden im Ehrbarsaal, in den Drei Engel-Sälen (Große Neugasse 36, Wien IV), im großen Urania-Saal, im großen Saal des Wiener Konzerthauses sowie im Festsaal des Kaufmännischen Vereines (Johannesgasse 4, Wien I) abgehalten. Am 27.8.1929 erfolgte die offizielle Bewilligung zur Führung des Titels „Konservatorium“, den die MSch. schon ab 1910 (als „Konservatorium für Musik und dramatische Kunst“, Direktion Lutwak-Patonay) immer wieder verwendet hatte. Um die MSch. vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen, ließ sich das Ehepaar Lutwak im Frühjahr 1938 scheiden. In Folge der NS-Herrschaft mussten die jüdischen Lehrer und Schüler das Institut verlassen, sog. „arische“ Schüler blieben ebenfalls fern und die MSch. verzeichnete große finanzielle Einbußen. H. Lutwak emigrierte im Februar 1939 nach Luxemburg (Exil) und E. Lutwak-Patonay verkaufte das Institut gezwungenermaßen zu einem geringen Preis an Karl Prayner, der davor rund zehn Jahre als Lehrer an der MSch. tätig war. Nach der Rückkehr H. Lutwaks aus dem Exil beanspruchte dieser von K. Prayner die Rückstellung der MSch. 1950 einigte man sich schließlich auf einen Vergleich und Prayner behielt das Institut, das als Prayner Konservatorium bis heute [2019] fortbesteht.
Literatur
E. Th. Fritz/H. Kretschmer (Hg.), Wien. Musikgeschichte 1 (2006), 484; Fremden-Bl., 25.3.1914, 16 u. 29.3.1914, 19; Wr. Montagbl. 6.4.1914, 2; Wr. Monatshefte für Musik 2/4 [1930], o. S.; Reichspost 25.6.1914, 9; Wr. Montags-Journal 19.3.1906, [9]; Neues Wr. Journal 19.5.1906, 6, 23.8.1910, 7, 24.8.1913, 13, 11.1.1931, 9; NFP 23.9.1906, 12; Neues Wr. Tagbl. 17.9.1902, [28], 8.8.1909, 45, 20.8.1910, 11, 13.9.1910, 22, 10.8.1911, 21; Arbeiter-Ztg. 8.9.1909, 10; Die Bühne 6/254 (1929), 3; Illustrirtes Wr. Extrabl. 1.5.1902, 12; Taufbuch der Pfarre St. Michael (Wien I) 1845–67, fol. 400; www.konservatorium-prayner.at (6/2019); www.genteam.at (6/2019); WStLA M.Abt. 119, A41-VEAV I-823/4. Bez.; ÖstA, AdR, Finanzen, FLD 4264; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Lutwak-Patonay, Musikschule‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 05/07/2019]