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Mälzel, Mälzel, Johann Nepomuk: Brüder
Johann Nepomuk: * 1772 -08-1515.8.1772 Regensburg/D, † 1838 -07-2121.7.1838 auf der Überfahrt von La Guayra/Venezuela nach Philadelphia/USA. Instrumentenmacher. Kam 1792 nach Wien und etablierte sich als Hersteller von Musikautomaten und anderen mechanischen Kunstwerken (Mechanische Musikinstrumente), so führte er 1805 J. Haydns Die Jahreszeiten mit naturgetreuen Nachahmungen der Wettererscheinungen auf. Er erhielt 1808 den Titel eines k. k. Hof-Kammermaschinisten und eröffnete 1812 ein eigenes Kunstkabinett, in dem er u. a. sein Panharmonikon, den Trompeterautomaten und das Diorama Der Brand von Moskau zeigte. Seine Automaten präsentierte er zunächst in den europäischen Hauptstädten, 1826 ging er nach Amerika. Als weitere Attraktionen seiner Kunstreisen waren ein Seiltänzer, ein mechanisches Theater, ein Diorama Die Kathedrale von Reims, sprechende Puppen und der von Kempelens Erben angekaufte und von ihm um einen Sprechapparat erweiterte Schachspieler hinzugekommen. 1809 soll er auch an einer singenden Maschine gearbeitet haben. Während der napoleonischen Kriege baute er Beinprothesen, 1813 stellte er eine „Erstickungs-Wehre“ zur Luftversorgung der Feuerwehrmänner bei der Brandbekämpfung vor. Außerdem konstruierte er eine mechanische Hand, und für L. v. Beethoven, mit dem ihn eine durch einen Rechtsstreit zeitweilig getrübte Freundschaft verband, fertigte er Hörrohre.

M. ist die Entwicklung und Perfektionierung (wenn auch nicht Erfindung) des Metronoms zu danken, und er veranlasste Beethoven, für sein Panharmonikon (ein Orchestrion bestehend aus mehreren Registern von Labialpfeifen, einem Aufschlagzungenregister Fagott, Register mit aufschlagenden und auch durchschlagenden Zungen für 36 Oboen, 37 Klarinetten, 8 Trompeten und 3 Waldhörner, sowie großer und kleiner Trommel, 2 Pauken, Becken und Triangel) Wellingtons Sieg op. 91 zu schreiben. Über das Programm der Walzen für die beiden großen Panharmonika – ein noch unbenannter Vorläufer entstand 1800, das erste dürfte 1804/05, das zweite 1808 gebaut worden sein – wird man in der zeitgenössischen Berichterstattung recht genau unterrichtet, ein Hinweis, dass das Panharmonikon Beethovens Schlachtengemälde gespielt habe, findet sich jedoch nicht. Manche Autoren (Simon, Sterl) sind daher der Ansicht, dass M. – vielleicht auch aus technischen Gründen – davon Abstand nahm, Wellingtons Sieg auf die Walzen zu setzen, und sich eine weit größere Wirkung von einer Orchesterfassung mit einem Staraufgebot an Mitwirkenden versprach. Beethoven ging auf diese Pläne ein und die beiden von M. organisierten und technisch betreuten Aufführungen am 8. und 12.12.1813 in Wien waren ein überwältigender Erfolg. 1814 wurde das Stück noch drei Mal in Wien gespielt.

Für das Panharmonikon schrieb L. Cherubini 1806 eine Air à écho (dessen Aufführung mit dem Automaten wird sehr wohl erwähnt, AmZ Mai 1815, 314f, außerdem existiert noch die Walze), M. selbst komponierte Walzer und Fanfarenstücke für das Instrument (für M.s Walzenorgel im Tempel der Nacht des Frh.n v. Braun in Schönau/NÖ schrieb L. Cherubini eine Sonata und A. Salieri eine Fantasie). Panharmonikon Nr. 1 hat M. an den napoleonischen Hof verkauft, es gelangte schließlich ins Württembergische Landesmuseum Stuttgart/D, überlebte den Zweiten Weltkrieg jedoch nicht, nur 12 Walzen blieben erhalten. Das 2. Panharmonikon soll M. in Amerika verkauft haben, nach anderen Darstellungen ist es bei der Überfahrt nach Boston untergegangen. In der Literatur herrscht Uneinigkeit darüber, welches der beiden Instrumente wirklich nach Stuttgart kam; so kann man auch lesen, dass sich Reste des 1. Panharmonikons Mitte des 19. Jh.s in Paris befunden haben sollen. Das spektakuläre Panharmonikon hat die Tatsache in den Schatten gedrängt, dass M. Musikautomaten unterschiedlicher Disposition und Größe (Ruhebetten, Sekretärs, Dioramen etc.) für zahlreiche Persönlichkeiten des in- und ausländischen Adels, speziell für ungarische Magnaten baute, u. a. auch eine Trompetenmaschine aus 24 Trompeten erfand, und bei Keeß (Darstellung des Fabriks- und Gewerbewesens im österreichischen Kaiserstaate, 1823) sowie in der Österreichischen Nationalencyklopädie (1835) unter den vorzüglichsten Herstellern von Flötenwerken (Flötenuhr) genannt wird.


Literatur
Chr. K. in Vaterländische Blätter für den österr. Kaiserstaat 1808; H. Leonhardt, Der Taktmesser, J. N. M. 1990; H. W. Schmitz in Das mechanische Musikinstrument 19 (März 1981); E. Simon, Mechanische Musikinstrumente früherer Zeiten und ihre Musik 1980; R. W. Sterl in H. Leuchtmann (Hg.), [Fs.] H. Schneider 1981; A. W. Thayer, Ludwig van Beethovens Leben, bearb. u. erg. v. H. Riemann, 3 (1923).


Leonhard: * 27.3.1783 Regensburg, † 17.8.1855 Wien. Instrumentenmacher. Folgte seinem Bruder 1805 nach Wien und ist ab 1821 als „musikalischer Kunstmaschinist“ und „Uhrspielwerkfabrikant“ in der Praterstraße nachweisbar. Als J. N. nach Amerika ging, übernahm L. M. alle Rechte an den zurückbleibenden Automaten und Patenten, auch am Metronom. Er trat zudem als Pianist öffentlich auf und spielte in seinen Konzerten, in denen er seine Automaten vorstellte, seine 1815 neu erfundene „Orpheus-Harmonie“, ein Instrument „von 5 Schuh im Gevierte, und 3 Schuh in der Höhe. Es ist daran eine Tastatur von 5 Oktaven im Umfange angebracht. Der Ton wird durch die leiseste Berührung der Taste, ohne alles Geräusch, wie durch einen Hauch hervorgerufen; er bleibt so lange hörbar, bis der Finger die Taste verlässt, und ist, nach Willkür der spielenden Person, des Anschwellens und Verhallens fähig“, und an anderer Stelle: „Der Ton ist zwar angenehm, aber die, wahrscheinlich notwendige, langsame Bewegung ermüdet das Ohr des Zuhörers. Vergleichen liess es sich allenfalls mit einer Stahlharmonica und der Xenorphica; auch dürften wohl Stahlstäbe und Geigenbögen dabey benutzt seyn“ (über die Konstruktion wurde nichts bekannt, wahrscheinlich handelte es sich um ein Streichklavier ähnlich dem von K. L. Röllig [1800] in Wien). Neben Flötenwerken (die Österreichische National-Enzyklopädie würdigt ihn als hervorragenden Hersteller) baute er auch eine das Flageolett spielende Knabenfigur sowie ein Metall-Harmonikon, „welches aus 53 metallenen Blaseinstrumenten, nämlich Waldhörnern, Trompeten, Posaunen und Clarinen, in Verbindung mit 2 Pauken bestand“ (Blumenbach 1830). 1828 führte er ein Pan-Harmonikon (wohl das Instrument seines Bruders, oder ein eigener Nachbau?) mit dem Cherubinischen Echo-Stück vor. 1848 bewahrte der Trompeter-Automat (jener von J. N. M. oder sein eigener?) L. M.s Werkstatt in der Praterstraße vor der Verwüstung, als er, kaiserliche Fanfaren schmetternd, eine Gruppe Aufständischer in die Flucht schlug. L. M. – oder seinem Bruder – wird auch der Bau eines über 40-köpfigen mechanischen Orchesters mit Streich-und Blasinstrumenten nachgesagt – die Literatur hat Lebensgeschichte und Werk der beiden Brüder gelegentlich bis zur Unkenntlichkeit ineinander verwoben.


Ehrungen
k. k. Hofkammermaschinist 1827.
Literatur
B. Felderer (Hg.), Wunschmaschine Welterfindung. Eine Gesch. der Technikvisionen seit dem 18. Jh. 1996; AmZ 1815, 47f u. 219, März 1828, 205; St. v. Keeß/W. C. W. Blumenbach, Systematische Darstellung der neuesten Fortschritte in den Gewerben und Manufacturen und des gegenwärtigen Zustandes derselben 2 (1830); Ph. J. v. Tiggelen, Componium, the mechanical musical improvisor 1987, 170–179; Wurzbach 16 (1867).

Autor(en)
Helmut Kowar
Empfohlene Zitierweise
Helmut Kowar, Art. „Mälzel, Brüder‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 14/03/2016]


GND
Mälzel, Johann Nepomuk
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Mälzel, Leonhard
Weiterführende Literatur (OBVSG)

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