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Magnificat
Lobgesang Mariens (Lukas 1,46–55: „M. anima mea Dominum“, dt. „Meine Seele erhebt den Herrn“), der in der Liturgie gemäß der Benediktinerregel als feierlicher Abschluss der Vesper angestimmt wird. Seit dem Mittelalter wird das M. einstimmig gesungen bzw. rezitiert, in späteren Epochen (teilweise oder zur Gänze) mehrstimmig vertont. Charakteristisch ist der ausgeschmückte Psalmton, die sog. Cantica-Formel, die dem jeweiligen Kirchenton angepasst ist. Ab dem 15. Jh. wurden die Verse des M. nach Art des Fauxbourdon, in Alternatim-Praxis oder auch als Orgelbearbeitungen (Versetten) ausgeführt. In der Renaissance entstanden zahlreiche M.s (z. B. von Pierre de la Rue, Arnold v. Bruck, J. Vaet, A. du Gaucquier), häufig mehrere vom selben Komponisten und in Zyklen nach Kirchentönen geordnet.

Das M. als selbstverständlicher Bestandteil der katholischen Marienverehrung wurde von der Gegenreformation deutlich aufgewertet. Die stärkste Wirkung auf österreichische Komponisten ist dabei – neben dem (gattungsübergreifenden) Einfluss der italienischen Meister – von O. di Lasso ausgegangen. Die Mitglieder der Grazer unter den Erzhzg.en Karl und Ferdinand v. Innerösterreich rezipierten die hauptsächlich von Lasso geprägte Sonderform des Parodie-M. So verarbeiten zwei M.s von F. Rovigo die Motette Benedicta es von Josquin des Prez bzw. die Villanella Venus Du und Dein Kind von J. Regnart. Für das 17. Jh. sind v. a. die Beiträge von St. Bernardi, H. I. F. Biber (Vesperae à 32) und J. H. Schmelzer (Vesperae solennes) zu nennen. Im 18. Jh. verlagerte sich die „motettische“ Kompositionstechnik in Richtung einer kantatenartigen Behandlung der Textabschnitte. Dies gilt für das bekannte M. (BWV 243) von J. S. Bach ebenso wie für die in Österreich herausragenden Komponisten J. J. Fux (K 94 mit Laudate Dominum und K 97–101, alle von ganz unterschiedlicher Faktur) und W. A. Mozart (in dessen Vespern KV 321 und 339 von 1779 bzw. 1780). Ganz in der Tradition der Wiener Klassik stehen noch die M.s von Fr. Schubert (D 486, 1815) und A. Bruckner (1852). Die danach entstandenen Werke stellen (mit Ausnahme von K. Penderecki) eher Raritäten dar, z. B. E. Wellesz (Festliches Praeludium für Chor u. Orgel über byzantinisches M. op. 100, 1966), E. L. Leitner (M. für Sopran u. Orgel 1986) oder A. F. Kropfreiter (Marienkroner M. für Orgel 1987).


Literatur
NGroveD 15 (2001); MGG 5 (1996); Riemann 1967; P.-G. Nohl, Lat. Kirchenmusiktexte 1996; G. Gruber, Beiträge zur Gesch. und Kompositionstechnik des Parodiemagnificat in der 2. Hälfte des 16. Jh.s, Diss. Graz 1964 (Ausg. in DTÖ 133 [1981]); G. Gruber in KmJb 51 (1967); BrucknerH 1996; MGÖ 1 (1995).

Autor(en)
Alexander Rausch
Empfohlene Zitierweise
Alexander Rausch, Art. „Magnificat‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]