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Mantua
Stadt bzw. bis 1708 selbständiges Herzogtum in Oberitalien, bis 1648 Teil des Heiligen Römischen Reiches; kam nach dem Aussterben der Gonzaga 1708 an die Habsburger als Teil der österreichischen Länder und wurde 1859 in den entstehenden italienischen Staat eingegliedert. Der Aufstieg M.s zu einem der wichtigsten Musikzentren Italiens bzw. Europas begann mit der Alleinherrschaft der Gonzaga ab 1328. Bereits im 13. Jh. waren die piffari und trombetti der Gonzaga weit über die Grenzen des Herzogtums bekannt. Einen ersten Höhepunkt erreichte die Musikpflege in M. durch Isabella d’Este, die Tochter des Hzg.s von Ferrara/I; neben Frottola, Ode und Sonett wurden „Schauspielmusiken“ (Musik nach neuem Stil eingefügt in die beliebten Schauspiele mit vorwiegend pastoralem Inhalt) als Vorform zu den neuen musikdramatischen Gattungen des Barock gepflegt (La representatione di Phebo e Phetonte 1486, Orfeo [Poliziano] 1491, Nozze de Psiche e Cupide 1502). 1520 wurde unter Francesco II. eine Hofmusikkapelle errichtet, wobei die Sänger fast ausschließlich von Ferrara bezogen wurden. Unter Guglielmo Gonzagas (reg. 1550–87) Patronage konnten prominente Musiker an den Hof von M. gebunden werden: Alessandro Striggio, Luca Marenzio, trotz intensiver Bemühungen aber nicht Giovanni Perluigi da Palestrina; Guglielmo war auch selbst als Komponist tätig. Unter seinem Nachfolger Vincenzo (1587–1612) erreichte die Musikpflege in M. mit Benedetto Pallavicino, Claudio Monteverdi, Lodovico Viadana und Salomone Rossi ihren Höhepunkt und rückte v. a. durch musikdramatische Produktionen (Monteverdis Orfeo, Arianna oder oder Ballo delle ingrate oder Marco da Gaglianos Dafne) das kleine Herzogtum in den Mittelpunkt der europäischen Musikgeschichte. Dass Ferdinand II. die jüngste Tochter Vincenzos, Eleonora (I.), 1622 heiratete, führte auch auf musikalischem Gebiet zu regem Austausch: mit dieser Hochzeit begann nicht nur eine durchgehende Pflege der Oper an den Höfen der Habsburger, sondern auch ein reger Austausch an künstlerischem Personal (v. a. Sänger). Don Cesare Gonzaga, ein naher Verwandter der Kaiserin, verfasste zahlreiche Libretti für den Kaiserhof. Mit dem Tod Vincenzos 1612 hatte die Musikpflege in M. ihren Zenit überschritten, obwohl bis 1708 die HMK der Gonzaga zu den führenden Europas zählte, jedoch nicht mehr jene innovativen Impulse von ihr ausgingen wie um 1600. Die engen dynastischen Verbindungen durch die Heirat Ferdinands III. mit Eleonora (II.) Gonzaga 1651 intensivierten den kulturellen Austausch zwischen beiden Höfen (z. B. Familie Ziani oder A. Caldara, 1701–07 Kapellmeister des letzten Gonzaga-Herzogs, Ferdinando Carlo). Mit der Eingliederung M.s in die österreichischen Länder kehrte sich nach 100 Jahren die Richtung des kulturellen Einflusses um: Wien (und das ebenfalls unter habsburgischer Herrschaft stehende Mailand) wurde nun zum Vorbild für M. 1732 wurde das Regio Teatro Nuovo eröffnet, das 1781 abbrannte, aber 1783 bereits wieder eröffnet wurde. Der österreichische Einfluss ist auch im zweiten wichtigen Theaterbau, dem Teatro Accademico, zu sehen, das Ant. Galli Bibiena 1769 erbaut hatte (1770 trat W. A. Mozart bei seiner ersten Italienreise hier auf; 1972 wurde es wieder eröffnet). Aus den Akademien des Barock (Accademia degli Invaghiti, Accademia dei Timidi) entstanden die Accademia Filarmonica und 1767 die Real Accademia di Scienze ed Lettere, die als Accademia Nazionale Virgiliana bis heute (2004) besteht. 1777 wurde eine öffentliche MSch. gegründet, 1864 eine staatliche MSch. (seit 1972 Conservatorio Statale).
Literatur
NGroveD 15 (2001); MGG 5 (1996); MGÖ 1 u. 2 (1995).

Autor(en)
Elisabeth Th. Hilscher
Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Mantua‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]