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Mattsee
Um 780 (777?) entstandenes Reichskloster am gleichnamigen See im Norden des Landes Salzburg; wahrscheinlich eine Gründung des bayerischen Herzogs Tassilo III. (wie Kremsmünster und Innichen [San Candido/I]), war es im späten 9. Jh. in ein bischöflich-passauisches Eigenkloster und spätestens um die Mitte des 10. Jh.s von einem Benediktiner- in ein Kollegiats-Stift umgewandelt worden. M. scheint stets ein wenig mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten gekämpft zu haben. Bereits in früher Zeit soll es jedoch ein eigenes Skriptorium besessen haben. 1321 ist erstmals ein Scholasticus, 1349 der „Guster“ Christian Gold als besonderer Förderer der Kirchenmusik belegt. Große Bedeutung erlangte Gold jedoch durch seine chronikale und historiographische Tätigkeit. Vom 12. bis zum 16. Jh. diente M. als Sitz des Archidiakons im westlichen Offizialat des Bistums Passau (inkl. Innviertel). Während die Herrschaft M. durch Kauf schon im 14. Jh. salzburgisch geworden war, kam das Stift erst 1807 von Passau an die Erzdiözese Salzburg. Es ist heute (2004) eines der wenigen noch bestehenden Kollegiatsstifte in Österreich.

Über die spezielle Musikgeschichte des Hauses ist wenig bekannt. Auf dem Konzil von Basel (1434, Konstanz) und der darauffolgenden Salzburger Synode war M. durch Kanonikus Johannes Lutzelratter vertreten. Mehrere Visitationen des 15. und 16. Jh.s lassen auf disziplinäre Missstände und theologische Wirren, jedoch zeitgenössische Handschriften, Wiegen- und Frühdrucke in der Bibliothek auch auf humanistische Bildung schließen. Dechant Salomon Grarock (1604–10) ließ auf eigene Kosten in der St. Anna-Kapelle eine Orgel errichten, im „Notlbuch“ von 1615 sind auch Bezüge von Chorsängern festgehalten; 1637 baute Sebastian Polhamer aus Ried eine neue Orgel für die Stiftskirche, die 1710 durch ein Werk von J. Chr. Egedacher (1971/72 von Fa. Dreher-Reinisch erneuert) abgelöst wurde. Die Statuten von 1682 erwähnen unter den Voraussetzungen für ein M.er Kanonikat auch das „Bewandertseyn im Choral- und Figuralgesang“. Im 18. Jh. lag die Aufsicht über die Musik bei einem Kanoniker, besonders Dechant Franz Sebastian Wisinger (1731–74) und Leopold Andreas Wöckl (1780–1800) bemühten sich um die Hebung der Kirchenmusik. So kam 1779 der Musiker und „Knabeninstructor“ des bayerischen Benediktinerstifts Asbach im Rottal, Nicolaus Diabelli (eig. Daemon, * 24.3.1752 Aurolzmünster/OÖ, † 15.3.1823 M.), als Stiftsmusicus und Choralist nach M. Als dessen Sohn wurde 1781 im Choralistenhaus A. Diabelli geboren. Ebenso dürfte ein Mitglied der verbreiteten Musikerfamilie Hospodsky (der Münchener Hofmusiker Georg H. und der in M. geborene Geistliche Benedikt H. [1793–1876]) hier tätig gewesen sein. Wöckl erlangte schließlich auch die Abtwürde, 1887 wurden dem Stiftspropst die Pontifikalien gewährt. Seit 1924 besteht das Kapitel „gemäß den ältesten Gesetzen“ aus 12 Kanonikern unter der Leitung des Propstes, von denen 5 eine Präbende besitzen sowie zur Residenz und zum Chorgebet verpflichtet sind. 1926 wurde die Stifts- auch zur Pfarrkirche. Archiv und Bibliothek befinden sich, abgesehen von den starken Verlusten im Laufe der Zeit sowie von Notverkäufen in den 1920/30er Jahren, noch am Ort.


Literatur
F. Calliari (Hg.), Fs. zur 1200-Jahr-Feier des Stiftes M. 1977; Hb. hist. Stätten/Österr. Alpenländer 1978; Kellner 1956; A. Kellner in Mitt. d. oö. Landesarchivs 11 (1974).

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Mattsee‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]