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Maultrommel
Zupfinstrument. Die gemeinsame Struktur des in großer Typenvielfalt über weite Teile der Erde verbreiteten Instrumententyps besteht in der idio- bzw. heteroglotten Verbindung eines einseitig befestigten elastischen Blättchens (Lamelle) mit einer Fassung (Rahmen- bzw. Bügelform), zwischen deren Armen es, an seiner Spitze bzw. Basis angezupft, hin und her schwingt und dabei ein harmonisches Teiltonspektrum erzeugt. Durch Anlegen der Arme der Fassung an die leicht geöffneten Zähne bzw. Lippen wird die Mundhöhle des Spielers als Resonator angekoppelt und je nach Formung derselben jeweils ein anderer spektraler Teilton verstärkt und gesondert hörbar. Ursprünglich (Hornbostel/Sachs) als Zupfidiophon klassifiziert (das harmonische Teiltonspektrum gehe auf die Eigenschwingungen der Lamelle zurück), gilt die M. nach neueren Untersuchungen (Crane, Ledang, Adkins) als freies Durchschlagzungenaerophon, bei dem die durch das Durchschwingen der Lamelle zwischen den Armen der Fassung (günstigster Abstand 0,1–0,2 mm) erzeugten Luftturbulenzen eine pulsförmige und daher obertonreiche Wellenform generieren, welche als Quellenspektrum nachfolgend der variablen Vokaltraktresonanz unterliegt. Das Spiel der M. wurde besonders in den Alpenländern sowie in Zentral- und Ostasien hoch entwickelt. Über das Obertonspiel (z. T. unter raschem Wechsel zwischen unterschiedlich gestimmten Instrumenten) hinaus werden durch besondere Techniken (Zungenbewegung, Pharyngalverschluss, spezielle Zupftechniken, Beeinflussung der Lamelle durch Fingerauflage usw.) zahlreiche Effekte erzeugt, welche die Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments beträchtlich steigern. Für die Geschichte der M. kann eine historisch gesicherte Quellensequenz, beginnend mit der 2. Hälfte des 12. Jh.s (Schweiz), derzeit nur für die europäische M. erstellt werden.

Aus Österreich stammen die ersten, zwischen 1400 und 1600 datierten Belege aus archäologischen Grabungen, z. B. aus Enns/OÖ und nahe gelegenen Burgruinen. Zentrum der österreichischen M.erzeugung ist Molln/OÖ, das bereits 1679 eine eigene Handwerksordnung besaß und auf dem Höhepunkt des Gewerbes um 1800 ungefähr 30 Meister beherbergte, die ihre Erzeugnisse z. T. auch nach Übersee exportierten. Was ihre Verwendung betrifft, findet sich die M. in der Hand von Schamanen, sie wird im Zusammenhang mit der Liebeswerbung eingesetzt und findet auch eine rein musikalische Verwendung, besonders im zeitgenössischen Virtuosentum und jenem des 18. und 19. Jh.s, in welchem Zusammenhang u. a. das M.spiel des Melker Benediktinerpaters Bruno Glatzel zu nennen ist, das J. G. Albrechtsberger zur Komposition von vier Concertinos für M., Mandora und Streicher angeregt hat.


Literatur
C. J. Adkins in Journal of the. Acoustical Musical Instrument Society 55/3 (1974); MGG 5 (1996); F. Crane in The Galpin Society Journal 21 (1968); G. Dournon-Taurelle/J. Wright, Les guimbardes du Musée de l’Homme 1978; E. M. v. Hornbostel/C. Sachs in Zs. f. Ethnologie 46 (1914); K. M. Klier, Volkstümliche Musikinstrumente in den Alpen 1956; O. K. Ledang in Yearbook of the International Folk Music Council 4 (1972); W. Meyer/H. Oesch in V. Ravizza (Hg.), [Fs.] A. Geering 1972; A. Mohr, Gesch. der Mollner M.erzeugung 1998; R. Plate, Kulturgesch. der M. 1992; NGroveD 13 (2001) [Jew’s harp]; H. Herrmann-Schneider in G. Haid et al., [Fs.]W. Deutsch 2000; www.stn.at/homes/maultrommel (12/2003); www.jewsharpguild.org/fccd.html (12/2003).

Autor(en)
Franz Födermayr
Empfohlene Zitierweise
Franz Födermayr, Art. „Maultrommel‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]