Megerle, Abraham
* 9.2.1607 Wasserburg am Inn/D, † 29.5.1680 Altötting/D. Komponist. 1617 wurde M. als Singknabe in die Kapelle der Erzhzg.in Anna Katharina in Innsbruck aufgenommen, wo er Unterricht bei J. Stadlmayr erhielt. Seit 1621 diente er als Diskantist und später als Organist in der Hofkapelle Erzhzg. Leopolds v. Tirol. 1634 wurde der mittlerweile zum Priester geweihte M. Domkapellmeister in Konstanz, 1640 fürsterzbischöflicher Kapellmeister in Salzburg. Dort wie zuvor schon in Konstanz nahm er sich der Organisation und Förderung der Kirchenmusikpflege in der Diözese an. 1651 zog er sich als Kanoniker an das Kollegiatsstift Altötting zurück. Aussagen u. a. von J. C. Kerll, die Nobilitierung durch Ferdinand III. 1652 und die päpstliche Ernennung zum apostolischen Protonotar und notarius iuratus 1662 lassen auf die zeitgenössische Wertschätzung M.s schließen. Einer eigenen Behauptung zufolge hat M. mehr als 2000 Kompositionen verfasst. Die unter seinem Namen überlieferten Werke (Motetten, Propriumsvertonungen, Hymnen) sind zu einem großen Teil nur fragmentarisch erhalten (darunter die beiden Individualdrucke Ara musica 1647 und Psalmodia Jesu et Mariae sacra 1657) oder von zweifelhafter Authentizität bzw. Bearbeitungen u. a. nach Palestrina, Tomás Luis de Victoria und Stadlmayr. Die 125 gesicherten Stücke, von denen nur neun vollständig vorhanden oder rekonstruierbar sind, weisen ein breites stilistisches Spektrum auf, das von der Monodie über den vier- und fünfstimmigen stile antico-Satz bis zur groß besetzten mehrchörigen Anlage nach dem Vorbild des sog. römischen „Kolossalstils“ reicht (möglicherweise ging die Initiative zur Errichtung der beiden westlichen Vierungsemporen im Salzburger Dom von M. aus). Das musikalische, v. a. aber das schriftstellerische Œuvre M.s, der in Kontakt zu A. Kircher stand und als Lehrer und Förderer seines Neffen, des bekannten Predigers Abraham a Sancta Clara, wirkte, sind Ausdruck einer spezifisch barock-katholischen Geistigkeit, die ihren Verfasser als mentalitätsgeschichtlich interessanten Fall erscheinen lassen. Es überlagern sich eine von tiefer Frömmigkeit getragene Marien- und Heiligenverehrung, das Motiv der meditatio mortis bzw. Vanitas-Vorstellungen (besonders im autobiographischen Speculum musico-mortuale 1672) mit einer Vorliebe für Emblematik, Allegorik und typologische Sinnbezüge.
W: Geistliche Werke, hg. v. P. Tenhaef 1993 (= Denkmäler der Musik in Salzburg. Einzelausgaben 11).
Lit: NGroveD 16 (2001); MGG 8 (1960); H. Albert, Leben und Werke des Komponisten und Dirigenten A. M., Diss. München 1927; K. A. Rosenthal in StMw 17 (1930); P. Tenhaef in MusAu 9 (1989); P. Tenhaef Musik in Bayern 56 (1998).


MG  
[ Zuletzt aktualisiert: 2010/03/22 09:12:03 ]

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Quelle: Österreichisches Musiklexikon, Kommission für Musikforschung
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