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Míča Míča Nicolaus: (Mitscha), Familie
Nicolaus: get. 20.11.1659 Příložan/Mähren (Příložany/CZ), † 1729-05-066.5.1729 Jarmeritz/Mähren (Jaroměřice nad Rokytnou/CZ). Organist. War Organist in Trebitsch (Třebíč/CZ), dann in Namiest (Náměšť nad Oslavou/CZ), und zog 1697/98 nach Jarmeritz, wo er dann bis zu seinem Tod als Organist und Regens chori wirkte.

Seine Söhne

Johann Jacob: * 1683? (Ort?), † 13.9.1741 Jarmeritz. Organist. War nach seinem Vater Organist in der Jarmeritzer St. Margarethen-Kirche und diente bei J. A. v. Questenberg als Notenkopist. Seine Töchter Maria Johanna (* 1715, 1743 verh. Hruza) und Rosina (1720–42) waren Sängerinnen bei Questenberg.

Johann: get. 19.12.1686 Trebitsch, † nach 1735 (Ort?). Musiker. Wird 1706 als Musiker im Wiener Palais von Graf Questenberg genannt.

Franz Anton (František Antonín): get. 2.9.1696 Namiest/Mähren (Náměšť nad Oslavou/CZ), † 15.2.1744 Jarmeritz. Kammerdiener, Kapellmeister, Komponist und Sänger. F. A. M. ist 1710 als Page und bereits 1711 als Musiker in Questenbergs Wiener Palais bezeugt. Er stand bis zu seinem Tod (ab 1720 als Kammerdiener) in den Diensten des Grafen. Zugleich auch Komponist und Kapellmeister, entfaltete sich unter seiner Leitung in Jarmeritz ab 1722 eine intensive Opernpflege mit Werken vor allem aus Italien (Giuseppe Ferdinando Brivio, Riccardo Broschi, Antonio Gaetano Pampani, Pier Domenico Paradies, Domenico Natale Sarro, L. Vinci u. a.) oder vom Wiener Kaiserhof (A. Caldara, F. B. Conti, I. M. Conti). Als Kapellmeister führte er jährlich bis zu 20 Opern und darüber hinaus einige Oratorien etc. auf, wobei Questenberg an ihn hohe Ansprüche stellte. Er war auch ein ausgezeichneter Tenorist. M. ist in der ersten Hälfte des 18. Jh.s in den böhmischen Ländern der einzige Komponist, von dem größere musikdramatische Werke erhalten sind. Sein kompositorisches Schaffen zeigt, dass er zahlreiche venezianische und neapolitanische Einflüsse sowie einige für Wiener Hofkomponisten typische Merkmale verarbeitet hat. Er schrieb Huldigungskompositionen, vor allem zu Namens- oder Geburtstagsfeiern der Herrschaft; außerdem ab spätestens 1727 Sepolcri, die in Jarmeritz, Brünn und Olmütz aufgeführt wurden. Weiters komponierte er die Oper L’origine di Jaromeriz in Moravia, die 1730 in italienischer (Libretto: Giovanni Domenico Bonlini), später auch in deutscher und tschechischer Sprache in Jarmeritz aufgeführt wurde; sie gilt als die erste auf Tschechisch erhaltene Oper. Von M.s Werken sind vier Huldigungskompositionen und ein Sepolcro in Partitur erhalten. Er schrieb auch Ballettmusik, die ebenso wie seine Instrumentalkompositionen verlorengegangen ist. Sein Kompositionsstil beruht auf dem damals üblichen italienischen Opernstil. Das Streichorchester ist um Trompeten und Pauken erweitert. Als Soloinstrumente kommen nach dem Vorbild der Wiener Opernproduktion vor allem Violoncello und Chalumeau vor. Er komponierte fast ausschließlich homophon, stellenweise verwendete er die Imitationstechnik. Seine Melodien haben oft den Charakter einer kurzen Singweise und stehen dadurch in einem auffallenden melodischen Zusammenhang mit den italienischen Intermezzi. Die Harmonik ist einfach, beim Rhythmus fallen häufige Synkopen, Triolen und der lombardische Rhythmus auf. Die häufigen Inkonsequenzen und Fehler in der Deklamation sind durch M.s mangelhafte Kenntnis des Italienischen zu begründen. Sein Kompositionsstil kann als galanter Stil bezeichnet werden.

Seine zweite Frau Veronica, geb. Nagl, seit 1750 verh. Eckl (* 1719, † ?) war Sängerin und Tänzerin. F. A.s Tochter aus erster Ehe Maria Carolina, seit 1744 verh. Kratochwil (* 1728, † ?), wirkte bei Questenberg ebenfalls als Sängerin und Tänzerin (Ausbildung in Wien bei Franz Joseph Scotti).


Werke
(erhalten) Sepolcro Abgesungene Betrachtungen über etwelche Geheimnüsse des büttern Leyden u. Sterben Jesu Christi 1727; Oper L’origine di Jaromeriz in Moravia 1730 (1 Akt u. 1 Teil des Intermezzos verloren); Huldigungskompositionen (Bellezza e Decoro 1729, Nel giorno natalizio di Sua Excellenza il Sig. Adamo Comte Adame di Questenberg 1732); Serenate (Der glorreiche Nahmen Adami 1734, Operosa terni colossi moles 1735); Licenza zur Oper Demofoonte von G. F. Brivio 1738; 2 Kirchenduette in der Slg. der Kirche St. Jacob in Brünn. – Ausg.: H. Krupka (Hg.), Čtyři živlové 1960 (Teil 2 von Der glorreiche Nahmen Adami; 21966 unter dem Titel Quatuor Elementa); F. Malý (Hg.), Zpívaná rozjímání / Abgesungene Betrachtungen Brno 2004; J. Perutková/J. Spáčilová/J. K. Kroupa, Operosa terni colossi moles 2016.


Carl Michael: get. 3.11.1699 Jarmeritz, † 23.12.1750 Jarmeritz. Fagottist. Stand ebenfalls in Diensten bei Graf Questenberg (Lakai, Tafeldecker, Hofmeister) und wurde auch mit der Einstudierung von Komödien mit Musikeinlagen betraut.

J. J.s Sohn Carl Anton (eig. Carl Joseph): get. 1.2.1712 Wien, † 15.12.1784 Wien. Violinist. Stand als Kammerdiener und Majordomus ebenfalls in Questenberg’schen Diensten. Er war mit der Einstudierung von in Jarmeritz aufgeführten Komödien mit Musikeinlagen betraut und ging mit seiner Familie spätestens 1754 nach Wien, wo er k. k. Kammertürhüter war. Seine Frau Maria Anna, geb. Neller (* ca. 1719 [Ort?], † 1.1.1798 Wien), war Kammerdienerin und Sängerin bei Questenberg.

Dessen Sohn Johann Adam Franz de Paula (Jan Adam František): get. 11.1.1746 Jarmeritz, † 19.3.1811 Lemberg/Galizien (L’viv/UA). Komponist und Verwaltungsbeamter. Lebte ab 1754 in Wien, studierte Jus und trat 1767 als Registrant der böhmisch-österreichischen Hofkanzlei in den Staatsdienst ein. Ab 1785 in der Steiermark, u. a. ab 1794 als Kreishauptmann, diente er ab 1796 in Galizien und stieg dort bis zum Hofrat an der galizischen Landesstelle auf; 1810 Pensionierung. Während seiner Wiener Beamtentätigkeit entstanden zahlreiche Kompositionen, die stilistisch der Wiener Klassik zuzuordnen sind. Ab 1773 war er mit Theresia v. Auernhammer, einer Schwester von J. Auernhammer, verheiratet. Er ist für 1784/85 als Mitglied der Freimaurerloge „Zur Beständigkeit“ nachgewiesen. Seine kompositorische Tätigkeit erweckte auch die Anerkennung von Joseph II. und W. A. Mozart.


Ehrungen
Ritterkreuz des Leopold-Ordens 1810 (erblicher Ritterstand).
Werke
2 komische Opern (Bernardon, die Gouvernante; Adrast und Isidore), Oratorium (David’s 50. Psalm), Symphonien, Violinkonzerte, Kammermusik, Arien (A-Wn, A-Wgm, A-Wst, Cz-Bu, Cz-Bm, Cz-Pu, Mährisches Landesarchiv Brünn u. a.).
Literatur
MGG 12 (2004); NGroveD 12 (2004); NGroveDO 3 (1992); J. Perutková, Der glorreiche Nahmen Adami. J. A. Graf v. Questenberg (1678–1752) als Förderer der italienischen Oper in Mähren 2015; J. Perutková, František Antonín Míča ve službách hraběte Questenberga a italská opera v Jaroměřicích [Franz Anton Mitscha in den Diensten des Grafen Questenberg und die italienische Oper in Jarmeritz] 2011; J. Perutková in StMw 53 (2007); D. Brandenburg und D. Glüxam-Neumann in T. Fuchs (Hg.), Die Oper in Böhmen, Mähren u. Sudetenschlesien 1996, 23-27; E. Th. Hilscher in Sborník prací filozofické fakulty brněnské univerzity, H. 31 (1996); V. Helfert, Hudební barok na českých zámcích. Jaroměřice za hraběte Jana Adama z Questenberku [Der musikalische Barock auf den böhmischen Schlössern. Jarmeritz unter J. A. v. Questenberg] 1916; V. Helfert, Hudba na jaroměřickém zámku. František Míča 1696–1745 [Die Musik auf dem Jarmeritzer Schloss. Franz Anton Mitscha 1696–1745] 1924; Monatbericht der Gesellschaft der Musikfreunde des Oesterreichischen Kaiserstaates 1 (1829), 113–124; G. K. Kodek, Brüder, reicht die Hand zum Bunde 2011; Michtner 1970; Wurzbach 18 (1868); Taufbuch 1711–13 der Dompfarre St. Stephan, fol. 207r; Trauungsbuch 1773–79 der Schottenpfarre (Wien I), fol. 4; Sterbebuch 1792–1806 der Schottenpfarre (Wien I), fol. 72.

Autor(en)
Jana Perutková
Empfohlene Zitierweise
Jana Perutková, Art. „Míča (Mitscha), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/10/2017]