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Mitter, Mitter, true Hans
* --?, † --vor 1471 Judenburg?/St. Glockengießer. M., Bürger von Judenburg und sehr begütert, war mit Barbara, Tochter des Wolfgang Eysolder (Eysaler, Eysseler) aus Niederzeiring/St verheiratet. Bei seinem Tod war er Besitzer zweier Häuser in Judenburg sowie eines Hauses im Markt Oberzeiring/St. Er hinterließ einen Sohn Jakob (Bürger in Judenburg, urkundlich 1471–75), eine Tochter Elsbeth, die mit Hanns Bursner (= Wurssner, Grazer Bürgermeister 1470–73) und in zweiter Ehe mit dem Grazer Bürger Stephan Oberdorffer verheiratet war, und eine Tochter Margreth, die sich mit dem Judenburger Wolfgang dem Schreyer vermählte. Durch M. ist Judenburg zu einem der bedeutendsten Gussorte (Glockenguss) Österreichs geworden. Bisher konnten dieser Werkstatt insgesamt 20 noch erhaltene Glocken eindeutig zugeschrieben werden. Eine Zahlungsbestätigung für die Lieferung der Kirchenglocke in Aflenz/St (ca. 2.000 kg) aus dem Jahr 1446 ist die älteste auf M. bezogene Urkunde und gibt den konkreten Beweis für Namen und Identität von M. Die erste nachgewiesene „Mitterglocke“, die sog. Annunziata-Glocke im Dom zu Seckau, mit einem Durchmesser von 185,5 cm und einem Gewicht von 4.560 kg, stammt aus dem Jahr 1438. Aufgrund der Größe dieser Glocke kann eine frühere Gusstätigkeit angenommen werden, obwohl für die Frühzeit seines Schaffens bisher keine Belege vorliegen. 1459 ist das letzte bekannte Gussjahr (Glocke von Fohnsdorf/St, ca. 181 kg, heute Sammlung J. Pfundner, Wien).

Bis auf die Seckauer Glocke sind M.s Glocken Oktavglocken. Charakteristisch sind die reine, scharfe Gussausführung sowie künstlerische Anordnung der Bilder und Schriftbänder. Neben den Meisterzeichen „Löwe mit Einhorn“ und ab 1445 auch „Hase und Hund“ (die Weiterverwendung des letzteren ist nach seinem Tod ab 1475 nachgewiesen) finden sich die beliebten Reliefs wie Heiligen- (Apostelfiguren, Nikolaus, Friedrich, Katharina, Barbara, Agnes, Margarethe, Ursula, Dorothea, Leonhard) und Madonnendarstellungen, sowie eine Darstellung von der Krönung Mariens (Glocke in Bad Aussee/St von 1446). Bei der überdurchschnittlichen Qualität der Reliefs ist ein künstlerischer Einfluss des Hans von Judenburg nicht auszuschließen. Die Schriftbänder zeigen typische scharf geschnittene Minuskeln. Eine Besonderheit stellt die reichliche Verwendung von Münzen als Schmuckmotiv dar.

M. hat auch Gießer nachfolgender Generationen beeinflusst, wie Meister Mert von Friesach (er dürfte bei M. in Judenburg gearbeitet haben, da seine Glocken – wie die seines Nachfolgers Peter Pfinzing – in der Art der Gussausführung an M. erinnern und auch dessen Heiligenbilder verwendet wurden), oder Nicolaus Grünwald aus Judenburg, bei dem noch 70 Jahre später der Einfluss M.s sichtbar ist. Keiner von den Nachfolgern hat jedoch die hervorragende Qualität von M.s Glocken erreicht.


Literatur
Lit.: F. Popelka, Gesch. der Stadt Judenburg, 4 Bde. masch. Judenburg 1973; J. Andritsch, Judenburger Stadtchronik 1989; J. Andritsch in Berichte des Museumsvereines Judenburg 2 (1969); Beitr. v. J. Pfundner u. E. Bacher in Österr. Zs. f. Kunst u. Denkmalpflege 23 (1969).

Autor(en)
Ingrid Schubert
Empfohlene Zitierweise
Ingrid Schubert, Art. „Mitter, Hans‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]