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Mondsee-Wiener Liederhandschrift
Sammelhandschrift (A-Wn 2856), auch Spörlsches Liederbuch genannt. Die Bezeichnung M.-W. ist insofern irreführend, als die Handschrift wahrscheinlich 1455/56 in Salzburg von zwei Schreibern geschrieben wurde (erste Nachträge kurz vor 1470), diese beiden Ortsnamen also nur Wegstationen der Überlieferung entsprechen. Aber auch die Bezeichnung Liederhandschrift trifft nur auf den Mittelteil zu (die beiden übrigen waren ursprünglich selbständig). Dieser enthält insgesamt 100 Gedichte und 83 Melodien, geht zunächst auf zwei unterschiedliche Vorlagen zurück und bildet mit 24 geistlichen und 56 weltlichen Liedern die Hauptüberlieferung des Schaffens des sog. Mönchs v. Salzburg mit Melodien (in der germanistischen Literatur Sigel „D“). Gegen Ende der 1460er Jahre war die noch ungebundene Handschrift in den Besitz des Salzburger Goldschmieds Peter Spörl (aus Wasserburg am Inn) gelangt, der sie 1472 vereinnahmte und um 12 weitere Lieder des „Mönchs“ sowie meistersingerliche Produkte (von Heinrich v. Mügeln, Klingsor, Regenbogen und Albrecht Lesch) ergänzen ließ. Zw. 1477/92 (unter Abt Benedikt II. Eck v. Piburg) kam die Handschrift mit drei anderen Codices an das Kloster Mondsee, wo sie mit den zwei anderen zusammengebunden wurde. Von dort kam sie im Zuge der Klosteraufhebung 1795 nach Wien.
Literatur
MGG 6 (1997); RISM B IV2, 336f; F. A. Mayer/H. Rietsch, Die M.-W. L. und der Mönch von Salzburg 1896; F. V. Spechtler in A. Schwob (Hg.), [Kgr.-Ber.] Entstehung und Typen mittelalterlicher Lyrikhandschriften. Graz 1999, 2001; M. Zimmermann in H. Zeman (Hg.), Die österr. Literatur 1 (1986); H. Heger (Hg.), [Facs.] Die M.-W. L. (aus Codex Vindobonensis 2856), 1968; K. Bertau in Archiv für dt. Altertum 86 (1975).

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Mondsee-Wiener Liederhandschrift‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]