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Monte, Monte, true Philippe de (Filippo di)
* --1521 Mechelen/B, † 1603 -07-044.7.1603 Prag. Komponist. Vermutlich an der Kathedrale von Mechelen ausgebildet, zog de M. bald nach Italien, wo er bis ca. 1552 als Musiklehrer im Hause von Domenico Pinelli in Neapel/I tätig war. Indizien deuten auf Aufenthalte in Rom und Antwerpen/B während der frühen 1550er Jahre hin, möglicherweise befand sich de M. 1548–56 zudem phasenweise in Cambrai. 1554/55 ist er als Mitglied der Kapelle des spanischen Kg.s Philipp II. in England nachweisbar. Zu dieser Zeit hatte sich de M. schon einen guten Ruf erworben, u. a. wurde er 1562 für die Nachfolge Adrian Willaerts als Kapellmeister an San Marco in Betracht gezogen. 1568 erfolgte die Bestellung als kaiserlicher Hofkapellmeister. Unter Maximilian II., an dessen Hof in den 1570er Jahren das Musikleben besonders prosperierte und der seinem Kapellmeister besondere Wertschätzung entgegenbrachte, erreichte de M.s Karriere ihren Höhepunkt (wovon nicht zuletzt die große Zahl an Veröffentlichungen in Individual- wie Sammeldrucken aus dieser Zeit zeugt). Zu Rudolf II. hatte de M. ein gespannteres Verhältnis, zudem dürfte um 1580 an seinem Kompositionsstil – vermutlich in Hofkreisen – Kritik geübt worden sein. Die Hintergründe und Folgen dieser „Krise“ wurden in der Literatur kontrovers und bislang (2004) ohne definitives Ergebnis diskutiert. Gegen 1590 scheint sich der mittlerweile 65-Jährige von den täglichen Kapellgeschäften weitgehend zurückgezogen zu haben. Umstritten ist de M.s Mitgliedschaft in der streng katholischen, im Umkreis der Hofkapelle situierten Bruderschaft Confraternitas Corporis Christi. Kontakte bestanden möglicherweise zu italienischen Akademien. Neuerdings wurde nachgewiesen, dass de M. für norditalienische Höfe als Korrespondent bzw. Berichterstatter über politische wie alltägliche Vorgänge am und um den Kaiserhof tätig war.

Schwerpunkt von de M.s äußerst umfangreichem Œuvre ist mit mehr als 1000 zum größten Teil in 36 Individualdrucken erhaltenen Stücken das weltliche Madrigal. Mit fünf Büchern von madrigali spirituali ist de M. weiterhin der produktivste Vertreter der Gattung des geistlichen Madrigals.

Die Werke der 1560er Jahre zeigen, dass de M. den damals modernsten, von A. Willaert und Cyprian de Rore repräsentierten Madrigalstil zur Kenntnis genommen hatte. Die anschließende Entwicklung seines Komponierens, von Einstein als beginnender Konservativismus infolge einer Isolierung vom Hauptstrom der Produktion gedeutet, wird heute als Ausarbeitung eines ausgeprägten Individualstils angesehen. Auch die Hinwendung zu einem leichteren Idiom bzw. zum Canzonetten-Madrigal (mit einem homophoneren und transparenten Satz und dem Übergang zum undiminuierten tempus imperfectum) in den 1580er Jahren zeigt, dass der Anschluss an den aktuellen Zeittrend keineswegs abgerissen war. In seinen späteren Madrigalen kehrte de M. wieder zu einer stärker polyphonen, dadurch auch harmonisch komplexeren Faktur und einem ernsteren Tonfall zurück.

Die ca. 40 Messen de M.s sind in einem gegenüber den zeitgenössischen Tendenzen zur Homophonisierung auffällig polyphonen Satz gehalten. Zum größten Teil handelt es sich um Parodiemessen, in denen das präexistente Material flexibel gehandhabt und intensiv ausgeschöpft wird, wodurch weite Teile der Messe aus der Vorlage entwickelt werden.

De M.s rund 250 Motetten gelten als meisterliche Beispiele einer „klassisch“ ausgewogenen vokalpolyphonen Musiksprache. Grundaffekt und Sprachrhythmus des Textes werden in einem souverän beherrschten kontrapunktischen Satz sorgfältig beachtet, extremere madrigalistische Ausdrucksmittel und artifizielle bzw. konstruktivistische Techniken aber eher gemieden.

De M., der als kaiserlicher Kapellmeister eines der prestigereichsten musikalischen Ämter Europas bekleidete, galt spätestens in den 1570er Jahren als einer der herausragenden Meister seiner Zeit. Widmungen seiner (weit verbreiteten) Drucke an Patrone in ganz Europa und Kontakte u. a. zu William Byrd und v. a. zu O. di Lasso zeigen, wie sehr er in die internationale Musikszene eingebunden war. Die weitere Rezeptionsgeschichte bildet dazu einen auffälligen Kontrast. Auch heute noch steht de M. im Konzertleben, diskographisch und im (musikwissenschaftlichen) Schrifttum ganz im Schatten seiner „großen“ Zeitgenossen Palestrina und Lasso. Inwieweit der Ruf des (späteren) de M. als eines „Konservativen“ dafür ausschlaggebend war, inwieweit die persönliche und politische Isolierung Rudolfs II. den Nachruhm auch seines Kapellmeisters beinträchtigte bzw. welche Faktoren sonst eine Rolle spielten, bedarf noch genauer Untersuchung.


Literatur
NGroveD 17 (2001); G. van Doorslaer, La vie et les œuvres de Ph. de M. 1921; A. Einstein, The Italian Madrigal, 3 Bde. 1949; P. Nuten, De Madrigali spirituali van Filip de M., 3 Bde. 1958; R. Lindell, Studien zu den sechs- und siebenstimmigen Madrigalen von Filippo di M., Diss. Wien 1980; B. Mann, The secular madrigals of Filippo di M., Diss. Univ. of California Berkeley 1981; R. B. Lenaerts in KmJb 66 (1984); C. P. Comberiati, Late Renaissance Music at the Habsburg Court. Polyphonic Settings of the Mass Ordinary at the Court of Rudolf II. (1576–1612), 1987; Th. Hindrichs, Ph. de M. (1521–1603). Komponist, Kapellmeister, Korrespondent 2002.

Autor(en)
Markus Grassl
Empfohlene Zitierweise
Markus Grassl, Art. „Monte, Philippe de (Filippo di)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

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Monte,
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