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Mozart, Mozart, Franz Xaver Wolfgang: Familie
Franz Xaver Wolfgang: * 1791-07-2626.7.1791 Wien, † 1844-07-2929.7.1844 Karlsbad (Karlovy Vary/CZ). Pianist, Komponist. Das jüngste und neben seinem Bruder C. Th. einzige überlebende Kind von W. und C. M. war keine fünf Monate alt, als sein Vater starb. Bereits 1793 bestimmte ihn C. für den Musikerberuf und gab ihm den Beinamen „Amadeus“. Während ihrer Konzertreise durch Deutschland (1795–97) brachte C. ihren Sohn in Prag zunächst bei F. Duschek, dann bei F. X. Niemetschek unter, wo sich C. Th. schon seit 1792 befand. Bei Duschek erhielt er seinen ersten Klavierunterricht. Ende 1797 holte ihn C. wieder zu sich nach Wien, er besuchte 1803–08 das Schottengymnasium und erhielt Unterricht durch S. v. Neukomm, J. A. Streicher und J. N. Hummel (Klavier), Abbé G. J. Vogler und J. G. Albrechtsberger (Komposition) sowie A. Salieri (allgemeiner Musikunterrricht). Ein Rondo Allegretto für Pianoforte in F-Dur, das F. X. W. seiner „lieben Mutter zum Namensfeste 1802“ widmete, gilt als erste erhaltene Komposition. Im selben Jahr wurde als op. 1 ein Klavierquartett in g-Moll bei S. A. Steiner in Wien gedruckt. Die frühen Jahre in Wien müssen als die erfolgreichste und produktivste Zeit F. X. W. M.s angesehen werden. So sind allein 1807 die Violinsonate op. 7, die Klaviersonate op. 10, 6 Kleine Stücke für Flöte und 2 Hörner op. 11, eine Romanze von Stollberg mit Klavierbegleitung op. 12, 12 Menuette und Trios für Orchester, eine Arietta In questa tomba oscura in Wiener Verlagen im Druck erschienen und eine Einlage-Arie zum Schauspieldirektor im Manuskript erhalten. Das Wiener Publikum nahm W. A. M.s Sohn mit großem Wohlwollen bei seinem ersten öffentlichen Auftreten am 8.4.1805 auf, als er in einer Musikalischen Akademie im Theater an der Wien ein C-Dur-Klavierkonzert seines Vaters (?KV 503) sowie Variationen über das Menuett aus Don Giovanni spielte und eine Kantate für drei Solostimmen, Chor und Orchester anlässlich des 73. Geburtstages von J. Haydn in dessen Anwesenheit aufgeführt wurde. Durch seine Mutter offenbar ermuntert, möglichst bald finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, reiste F. X. W. 1808 nach Lemberg (L’viv/UA), wo er seinen Cousin A. Lange besuchte und von wo aus er in Steinhübel/Galizien (Podkamien/UA) einen Posten als Klavier- und Musiklehrer der beiden Töchter des Grafen Victor v. Baworowski antrat. Trotz der gut dotierten Stellung klagte er bereits im Februar 1810 über die Einöde des Landlebens. Im November des Jahres berichtete er seinem Bruder C. Th.: „[...] aber ich componiere – nichts. Das traurige, einsame Leben, was ich hier führen muß, stumpft meine Sinne so sehr ab, das ich mich oft tagelang martern muß, bis ich die geringste Kleinigkeit zu Stande bringe“, und im Dezember 1810 äußerte er zu Breitkopf & HärtelHärtel, er sei „fest entschlossen künftigen May 1811 [...] dieses Land zu verlassen“. Tatsächlich kündigte er im April 1811 seine Stellung, verließ Galizien aber nicht, sondern trat im Juli einen neuen Posten bei einem k. k. Kämmerer Janisczewski in Sarki bei Lemberg an. Ab 1813 lebte er dann als freischaffender Künstler in Lemberg und unterrichtete in Häusern adeliger Familien. Hier kam er mit dem Gubernialrat Ludwig Cajetan von Baroni-Cavalcabó und dessen Frau Josephine, geb. Gräfin Castiglioni in enge Verbindung, welche lebenslang andauern sollte. Einige neue Kompositionen, die F. X. W. 1816 an Breitkopf & Härtel schickte, wurden vom Verlag abgelehnt. Am 29.12.1818 begann F. X. W. eine mehrjährige Konzertreise als Pianist, die ihn bis zum Sommer 1821 nach Wien führte, wo er noch ein Jahr bis zu seiner Rückkehr nach Lemberg im Oktober 1822 blieb. Die Reise ging zunächst durch Russland, Polen und Preussen nach Dänemark, wo er C. und Nissen besuchte; von dort aus weiter nach Deutschland – in Dresden traf er mit dem Cousin seiner Mutter C. M. v. Weber zusammen –, Österreich und Oberitalien – in Mailand sah er 1820 seinen Bruder C. wieder; dann weiter in die Schweiz, nach Süddeutschland und schließlich erneut Österreich, wobei er auf dem Weg nach Wien in Salzburg seine Tante Nannerl besuchte. In einem Tagebuch an seine damalige Geliebte „Josephine“ hat F. X. W. einen umfassenden Bericht vom Verlauf der Reise festgehalten; Adressatin dürfte unter Umständen Josephine von Baroni-Cavalcabó gewesen sein, was erklären würde, dass F. X. W. über Jahre hinweg wohl keine größeren Anstrengungen mehr unternommen hatte, Lemberg zu verlassen. Nach seiner Rückkehr gründete er dort einen Caecilienverein, der bis 1829 bestand, und wurde 1834 für kurze Zeit am Lemberger Theater als Kapellmeister angestellt. Auch während dieser Jahre unternahm er Reisen: 1832 und 1835 besuchte er C., die nach Nissens Tod nach Salzburg umgezogen war; Anfang 1835 unternahm er mit Julie, der Tochter von J. v. Baroni-Cavalcabó, eine Reise nach Karlsbad, Dresden und Leipzig, wo sie R. Schumann kennen lernten. An Kompositionen entstand allerdings nichts Nennenswertes mehr. 1838 zog F. X. W. schließlich von Lemberg nach Wien und dürfte im selben Haus gewohnt haben wie die Familie Baroni-Cavalcabó, die kurz vorher ebenfalls dorthin gezogen war. Seinen Lebensunterhalt verdiente er hauptsächlich durch privaten Unterricht. 1840 kam es zum Wiedersehen mit seinem Bruder C. Th., der ihn in Wien besuchte. In seinen letzten Lebensjahren setzte eine gewisse Verbitterung F. X. W.s über das eigene Schicksal ein, gewiss auch hervorgerufen durch die Ehrungen, welche dem Sohn mehr seines Vaters wegen zuteil wurden: 1841 wurde er „Ehrenkapellmeister“ des am 22.4.1841 gegründeten Dom-Musik-Verein und Mozarteum in Salzburg; die eigentliche Kapellmeister-Stelle erhielt dagegen trotz der Bemühungen C.s der sowohl mit C. Th. als auch F. X. W. befreundete A. Taux. Im Dezember 1841 spielte F. X. W. in Wien beim Festakt anläßlich des 50. Todestags W. A. M.s die Fantasie und Sonate in c-Moll KV 475 und 457. Bei den Feierlichkeiten zur Denkmalsenthüllung W. A. M.s in Salzburg 1842 spielte er das Klavierkonzert in d-Moll KV 466. Gegenüber A. A. Fuchs aber gestand er, „selbst an sich die Erfahrung gemacht [zu haben], daß ein ererbter Name mit seinem kolossalen Ruhme den Nachkommen eher hemmend als fördernd durchs Leben begleite“, auch sein Bruder C. Th. mutmaßte 1856, dieses Schicksal habe „sein Leben verbittert und vielleicht auch verkürzt“. Bei schon angeschlagener Gesundheit, verfasste F. X. W. am 17.6.1842 sein Testament, in dem er J. v. Baroni-Cavalcabó als Universalerbin einsetzte. Seine Musikalien (deren Ordnung und Inventarisierung später A. Fuchs vornahm) sowie das Clavichord seines Vaters, das er von seiner Mutter erhalten hatte, sollten an den Dom-Musik-Verein und Mozarteum gehen. Nachdem sich im Juni 1844 ein Magenleiden verschlimmert hatte, starb F. X. W. am 29.7.1844 während einer Kur in Karlsbad, wo er auch beerdigt wurde. Die Grabinschrift verfasste der mit ihm befreundete Dichter F. Grillparzer; Gedenkfeiern fanden in Salzburg, Wien und Lemberg statt.
Ehrungen
Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien 1841; Maestro Compositore onorario der Congregazione ed Accademia Santa Cecilia in Rom 1842.
Werke
Sinfonie (unvollständig), 12 Menuette und Trios, 6 kleine Stücke f. Fl. u. 2 Hörner, 2 Klavierkonzerte, Stücke für Klavier, Kammermusik; 2 Kantaten, Festchor, Lieder.
Literatur
W. Hummel, W. A. M.s Söhne 1956; R. Angermüller (Hg.), Franz Xaver Wolfgang M. Reisetagebuch 1819–1821, 1994.

Autor(en)
Monika Reger
Empfohlene Zitierweise
Monika Reger, Art. „Mozart, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 10/11/2004]

MEDIEN

GND
Mozart, Franz Xaver Wolfgang
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