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Mozart, Mozart, Leopold: Familie
Johann Georg Leopold: * 1719 -11-1414.11.1719 Augsburg/D, † 1787 -05-2828.5.1787 Salzburg. Komponist, Kapellmeister, Violinist. Seit dem späten Mittelalter ist der Name M. in der schwäbischen Gegend v. a. westlich von Augsburg belegt; möglicherweise rührt er von einer Ortsbezeichnung her. Ein „Heinrich Motzhart“ ist 1331 als erster Namensträger nachweisbar, seit dem 15. Jh. wird der Name häufig und ist 1480 erstmals auch in Augsburg anzutreffen. Dort sind Namensträger in verschiedenen handwerklichen Berufen (z. B. Bäcker, Bleicherer, Schäffler), aber auch als Maler tätig. Auch die direkten Vorfahren L. M.s waren zunächst nicht in Augsburg selbst ansässig, der Name des kleinen Weilers Heimberg bei Aretsried, ebenfalls westlich von Augsburg, tritt zeitweilig als weitere Bezeichnung auf. Beginnend mit Hanns Motzhart (vor 1504–ca. 1563) aus Leitershofen ist die direkte Linie belegt. David M. d. Ä. (vor 1596–ca. 1625/26) siedelte dann von Leitershofen nach Pfersee über, unmittelbar bei Augsburg gelegen, und sein Sohn David M. d. J. (ca. 1620/22–85) zog schließlich 1635 in die Reichsstadt und erhielt 1643 das Bürgerrecht. (Selbst L. M. gab sein Augsburger Bürgerrecht, das ihm von Geburt aus zustand, vorerst nicht auf, trotz seines Umzugs nach Salzburg.) Der Sohn von David M. d. J., der Maurermeister Franz M. (1649–94) sollte der Großvater L. M.s werden. Franz’ erstgeborener Sohn Johann Georg M. (1679–1736) erlernte das Buchbinder-Handwerk und wurde zu einem angesehenen Vertreter seiner Zunft, mit guten Kontakten zur Augsburger Geistlichkeit, v. a. den Jesuiten. Er heiratete 1718 in zweiter Ehe die Augsburger Weberstochter Anna Maria Sulzer (1696–1766), und am 14.11.1719 wurde L. M. als erstes von neun Kindern geboren. Die Familie mietete 1721 bei den Jesuiten eine Wohnung, welche unmittelbar dem Seminar St. Joseph in der Jesuitengasse benachbart war und unweit des Gymnasiums St. Salvator lag; im Seminar St. Joseph waren Schüler des Gymnasiums und Lyceums St. Salvator untergebracht und erhielten dort u. a. eine musikalische Ausbildung. Auch L. wurde somit Schüler an St. Salvator in Augsburg. 1724–35 durchlief er das Curriculum der jesuitischen Schule, erst als „Principista“ in der Vorschule, seit 1727 als Gymnasiast. Der Unterricht war fast ausschließlich auf die sprachlich-humanistische Bildung, die „humaniora“, gerichtet, im Vordergrund standen Latein und Griechisch, erst in den oberen Klassen ergänzt durch Geschichte, Geographie, Kunstgeschichte, Mathematik und Religion. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Gymnasiums besuchte L. 1735/36 das angegliederte Lyceum mit Unterricht in „Dialectica“ (Logik) und „Physica“ (Naturphilosophie), das er aber vor Beendigung des regulär zweijährigen Ausbildungsganges abbrach, vielleicht bedingt durch den Tod seines Vaters 1736. Vermutlich wurden die Fundamente der musikalischen Bildung L. M.s im Augsburger Seminar St. Joseph gelegt. Seit 1726 unterrichtete dort der Präfekt Heinrich Sebastian Awerth, der als ausgezeichneter Violinspieler galt und L. unterwiesen haben dürfte. Auch eine Auseinandersetzung mit dem Gesang und dem Orgelspiel scheint sich im Rahmen des jesuitischen Seminars ergeben zu haben, denn L. fungierte als „discantist im Kloster St. Ulrich in Augsp:“ sowie in Hl. Kreuz, wo er „oben auf den Stiegen bey der Orgl“ (Briefe an seinen Sohn Wolfgang vom 13.10. bzw. 1.12.1777), und hat nach einem Brief Wolfgangs (11.10.1777) auch einige Fähigkeiten auf der Orgel besessen: „wo der Papa, / : daß war mir völlig neü :/ recht unvergleichlich auf der Orgel geschlagen hat“. Fortlaufend dokumentiert ist die Mitwirkung L.s bei den Schulspielen der Jesuiten, welche insbesondere zum Ende eines Schuljahrs, aber auch zu weiteren Anlässen stattfanden. Bereits im September 1724 war der noch nicht ganz Fünfjährige erstmals in Paulinus [oder] Der Apfel der Zwietracht in einer Nebenrolle aufgetreten und kam bei fast jährlicher Beteiligung bis zur Übernahme von tragenden Hauptrollen, zum letzten Mal 1735 in Cussero, zum Einsatz. 1737 übersiedelte L. zusammen mit seinem Mitschüler Jakob Wilhelm Benedikt Langenmantel nach Salzburg und inskribierte sich im November an der Univ. für Philosophie. Der Entschluss, in Salzburg zu studieren, mag auch mit dem im selben Jahr erfolgten Wechsel von Rupert Sembler von St. Ulrich und Afra in Augsburg an die Salzburger Benediktiner-Univ. zusammenhängen, bei dem L. dann bereits 1738 den Baccalaureus-Grad in Philosophie erwarb. Dass L. M. sich bereits damals mit dem Gedanken einer Musikerlaufbahn getragen hätte, ist nicht bezeugt, jedenfalls wurde er aber 1739 als Baccalaureus wegen mangelnden Besuchs der Lehrveranstaltungen von der Univ. relegiert und trat nun als Kammerdiener und Violinist in die Dienste des Grafen Johann Baptist v. Thurn-Valsassina und Taxis ein. Diesem widmete er das anscheinend damals einzige in Druck erschienene Werk, die Sonate sei per chiesa e da camera a tre (1740). 1743 wurde er als 4. Violinist in die Fürsterzbischöfliche Hofkapelle unter Erzb. Leopold Anton Eleutherius Freiherr v. Firmian (dessen Nachfolger waren S. Ch. v. Schrattenbach, H. Graf v. Colloredo) übernommen, ab 1747 mit fester Besoldung, wo er sich bis 1763 zum Vize-Kapellmeister hochdiente. Für den Titel Hofkomponist, wie L. M. in Friedrich Wilhelm Marpurgs (1718–95) Historisch Kritischen Beiträgen zur Aufnahme der Musik (3. Stück 1757) bezeichnet wird, findet sich kein archivalischer Beleg. Wahrscheinlich stammt die Bezeichnung von L. selbst, dem die Autorschaft des gesamten Artikels („Nachricht von dem gegenwärtigen Zustande der Musik Sr. Hochfürstlichen Gnaden des Erzbischoffes zu Salzburg“) zugeschrieben wird. 1747 heiratete er in Salzburg die aus St. Gilgen/Sb gebürtige Tochter des salzburgischen Pflegskommissars Wolfgang Nikolaus Pertl (s. Abb.), Anna Maria (1720–78).

In den kommenden Jahren (bis ca. 1763, dem Beginn der großen Reisen) entstand die Mehrzahl seiner Kompositionen. 1756 erschien L.s wichtigstes Werk, die Gründliche Violinschule, gedruckt in Augsburg bei seinem alten Freund Lotter. Sie machte L. als Lehrer dieses Instruments europaweit bekannt. Schließlich legte L. für die Unterrichtung seiner beiden Kinder ein eigenes Notenbuch an, worin v. a. leichte Sätze L.s sowie anderer zeitgenössischer Komponisten eingetragen wurden, das aber auch die ersten kompositorischen Versuche Wolfgangs enthält. 1768 erstellte er ein Verzeichnis der Werke W.s, um dem Vorwurf entgegenzutreten, die Kompositionen stammten nicht von seinem Sohn, sondern von ihm selbst.

Nachdem L. das Genie seiner beiden Kinder erkannt hatte, richtete er sein Leben, soweit es ging, auf deren Förderung aus, um „der Welt ein Wunder [zu] verkündigen, welches Gott in Salzburg hat lassen gebohren werden“. (Brief an Lorenz Hagenauer, 30.7.1768). Um Wolfgang und Nannerl als Wunderkinder zu präsentieren, sollten zahlreiche Reisen, anfangs von der ganzen Familie unternommen, die Jahre 1762–78 bestimmen: Zwei kürzeren Aufenthalten an den näher gelegenen Höfen in München (1762) und Wien (1763) folgte 1763–66 die längste Reise durch weitere Teile Europas, besonders England und Frankreich. Sie war von langer Hand geplant und wurde, obwohl erst im September beginnend, bereits im Mai des Jahres im „Augspurger Intelligenz-Zettel“ angekündigt. Nachdem Nannerl danach dem Wunderkind-Alter entwachsen war, L. nicht warten durfte, bis auch „der Wolfg: in die Jahre und denjenigen Wachsthum kommt, die seinen Verdiensten die Verwunderung entziehen“ (Brief an Hagenauer 11.5.1768), und es zudem galt, das immer mehr hervortretende Kompositionsgenie Wolfgangs im Ausland unter Beweis zu stellen und fortzubilden (z. B. Besuch bei Padre G. B. Martini), unternahm er im Folgenden allein mit Wolfgang drei Italien-Reisen (1769–73), der zuletzt wiederum kürzere Aufenthalte in Wien (1773) und München (1774/75) folgten.

Schwierigkeiten seitens seiner erzbischöflichen Dienstherren wegen zu langer Abwesenheiten von Salzburg hatte L. dabei bislang nur sporadisch zu fürchten gehabt; nun aber versagte ihm Erzb. Colloredo einen weiteren Urlaub für eine Paris-Reise, die L. für Wolfgang plante, da es Zeit wurde, dass dieser einen angemessenen Posten fände. L.s Gesuche wurden abgelehnt, er selbst entlassen, aber schließlich wieder eingestellt. Notgedrungen musste Wolfgang die Paris-Reise 1777–79 mit seiner Mutter antreten, die dann in Paris schwer erkrankte und am 3.7.1778 starb. Dass sie, im Friedhof St. Eustache beerdigt, in einer fremden Stadt ihre letzte Ruhe fand, verstärkte für L. diesen Schicksalsschlag noch. In seiner „GemüthsKrankheit“ (L. an Wolfgang am 3.8. und 3.9.1778) befiel ihn die Angst, am Ende auch Wolfgang in der Fremde zu verlieren, v. a. wenn dieser in Paris bliebe. Dazu im Gegensatz stehen die ersten Anzeichen einer Entfremdung zwischen Vater und Sohn. Sie scheinen in Briefen aus dieser Zeit auf und steigern sich bis zum Weggang Wolfgangs von Salzburg und seiner Heirat mit C. Weber 1781. Nunmehr war L. allein in Salzburg zurückgeblieben und fand seinen Halt außer im dortigen Freundeskreis v. a. in Nannerl, die sich nach Kräften um ihn sorgte. Außerdem nahm er Schüler als Kostgänger ins Haus, etwa 1781–84 den 13-jährigen Heinrich Marchand, Sohn des Münchner Theaterdirektors Theobald Marchand, dem er Violinunterricht erteilte und welcher schließlich 1786 selbst Mitglied der Salzburger Hofkapelle wurde. Um Nannerl besorgt, veranlasste L. sie gegen ihren Willen, 1784 in gesicherte Verhältnisse zu heiraten, wodurch sie allerdings Salzburg verlassen und nach St. Gilgen umziehen musste. 1785 kam L. gemeinsam mit Heinrich Marchand zu einem dreimonatigen Besuch bei Wolfgang nach Wien, wo er ihn zu dessen erfolgreichster Zeit antraf und anscheinend auch selbst manche Zweifel am eingeschlagenen Weg seines Sohnes verlor; J. Haydn sagte zu L.: „ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne“ (Brief an Nannerl vom 16.2.1785), und L. selbst trat während seines Aufenthalts in dieselbe Freimaurer-Loge ein wie Wolfgang kurz zuvor. Die Rückkehr nach Salzburg führte L. aber wieder in die gewohnten einsamen Verhältnisse ohne größere gesellschaftliche Unterhaltung. Im Februar 1787 unternahm er eine letzte Reise nach München, wo er bei der Familie Marchand wohnte. Kurz nach seiner Rückkehr erkrankte er Mitte März, wurde von Nannerl gepflegt und starb am 28.5.1787 „an der Auszehr“ (nach dem Salzburger Intelligenzblatt) bzw. „Milzverstopfung“ (nach seinem Arzt Dr. Joseph von Barisani, einem Freund der Familie, der ebenfalls noch im selben Jahr starb). L. wurde auf dem Friedhof St. Sebastian in Salzburg (s. Abb.) beigesetzt, sein Nachlass zum großen Teil öffentlich versteigert. Wir dürfen vermuten, dass für Wolfgang in den kurz danach entstandenen Kompositionen (Musikalischer Spaß KV 522, Kleine Nachtmusik KV 525) eine Erinnerung an seine Salzburger Zeit mit L. lebendig wurde.


Werke
ca. 250 Werke (nur z. T. erhalten). – Bei Marpurg sind bis 1757 verzeichnet: zahlreiche Kirchen- und Kammermusikwerke, „eine grosse Anzahl von Synfonien theils nur à 4. theils aber mit allen nur immer gewöhnlichen Instrumenten“ (s. Tbsp.), über 30 Serenaden (mit versch. Soloinstrumenten, nur eine erhalten), Solokonzerte f. versch. Instrumente (Traversfl., Fg., Ob., Trp., Waldhr.), 12 Oratorien, eine Anzahl von „theatralischen Sachen“, Pantomimen, „gewisse Gelegenheits-Musiken“ (z. B. eine Soldatenmusik, eine türkische Musik, eine Musik mit stählernem Clavier und „eine Schlittenfahrtmusik mit fünf Schlittengeläuth“), unzählige Trios und Divertimenti f. versch. Besetzungen, sog. Nachtstücke (Notturno).
Schriften
Gründliche Violinschule 1756 (21770, 31787, 41800; Übersetzungen ins Holländische 1766, Französische 1770 u. Russische 1804; mehrere Faks.-Ausg.n).
Literatur
E. F. Schmid, Ein schwäbisches M.buch 1948; Hintermaier 1972; Führer durch die M. Gedenkstätte, bearb. v. J. Mančal, hg. v. Stadtarchiv Augsburg [o. J.].

Autor(en)
Monika Reger
Empfohlene Zitierweise
Monika Reger, Art. „Mozart, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 10/11/2004]

MEDIEN
Gedenktafel Gasthof Weißes Kreuz, Herzog-Friedrich-Straße 31 (Innsbruck)
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Grabstätte Friedhof St. Sebastian (Salzburg)
Grabstätte Friedhof St. Sebastian (Salzburg)
Gedenktafel in der Kirche von St. Gilgen
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Gedenktafel für Anna Maria Mozart im Hotel Mozart (Bad Gastein)
Gedenktafel für Anna Maria Mozart im Hotel Mozart (Bad Gastein)
HÖRBEISPIELE

Allegro aus der Sinfonia in D-Dur für Streicher

Für den Brachmonat: Scherzo aus Der Morgen und der Abend 1759
© 2011 Studio Weinberg , 4292 Kefermarkt

GND
Mozart, Leopold
Weiterführende Literatur (OBVSG)

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