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Musikhistorische Zentrale (MHZ)
Wurde im April 1917 gegründet (MHZ beim k. u. k. Kriegsministerium) und sammelte monarchieweit Soldatenlieder. Geleitet wurde sie von B. Paumgartner, der bereits im Juli 1916, beauftragt vom Kriegspressequartier des Armeeoberkommandos, Lieder gesammelt und 1916/17 vier Soldatenliederhefte veröffentlicht hatte. Die MHZ sollte den Soldaten und ihren „heldenhaften Taten“ ein Denkmal setzen und zugleich zur Völkerverständigung in der Donaumonarchie beitragen. Zu den Mitarbeitern der MHZ zählten u. a. H. Commenda, W. Grosz, A. Hába, K. Mautner, F. Petyrek und R. Zoder; der ungarische Teil der Sammlung wurde v. a. von Zoltán Kodály und Béla Bartók erstellt; mit Letzterem stand Paumgartner in Briefkontakt und besprach viele die Sammlung betreffende Angelegenheiten.

Gesammelt wurden nicht nur (Volks)Lieder aus allen Zeiten, sondern auch Militär- und Pfeifermusik, Signale sowie die „kulturhistorisch interessanten Äußerungen des Soldatengeistes, welche mit den Volksliedern eng verknüpft sind“ (Paumgartner [1918]) wie Soldatensprüche, Bräuche, Scherze, Reime, Rätsel und Briefe. Von Verlagen und Privatpersonen wurden Soldatenliedersammlungen angefordert, Bibliotheken um Zusammenarbeit ersucht. Mitarbeiter sichteten Liedgut in Archiven und befragten im Hinterland sowie an der Front Soldaten. Dann wurde eine groß angelegte Fragebogenaktion durchgeführt. Die Bevölkerung wurde über Presseaufrufe zur Mitarbeit aufgefordert. Es gab auch Kontakte zum Phonogrammarchiv der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, wo Leo Hajek (1886–1975) 1914–16 auf Anregung des Kriegsministeriums mit dem Phonographen Soldatenlieder in allen Sprachen der Monarchie aufgenommen hatte. Geplant war auch eine Zusammenarbeit mit dem Volksliedunternehmen ( Volksliedwerk ).

Am 12.1.1918 veranstaltete die MHZ ein Konzert im großen Konzerthaussaal in Wien mit einem historischen und einem „zeitgenössischen“ Teil; das Programmheft enthielt sämtliche Liedtexte sowie Abbildungen und einige Aufsätze, z. B. Bartók, Die Melodien der madjarischen Soldatenlieder; Commenda, Vom Soldatenlied; Petyrek, Ueber das Soldaten-Volkslied der Slawen. Weitere Konzerte gab es in Budapest, Linz, Salzburg, Baden/NÖ und möglicherweise auch in Brünn (Brno/CZ).

Nach Auflösung der MHZ nahmen vermutlich die „Nachfolgestaaten“ ihre Bestände an sich; das deutschsprachige Sammelgut dürfte großteils zerstört worden sein, denn im April 1919 übernahm C. Rotter, Schriftführer des Volksliedunternehmens, 12 Kartons mit Liedern der ehemaligen MHZ, die im Zweiten Weltkrieg durch Brandbomben vernichtet wurden.

Die meisten Dokumente der MHZ werden heute im Kriegsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs aufbewahrt, allerdings fehlen dort alle eingesandten Soldatenlieder, vermutlich mehrere tausend Stück. Die von Commenda gesammelten Lieder befinden sich z. T. im Oberösterreichischen Volksliedwerk in Linz.


Tondokumente
TD: G. Lechleitner, Soldatenlieder der k. u. k. Armee 2000 (CD).
Literatur
W. Deutsch/E. M. Hois, Das Volkslied in Österreich 2004; B. Paumgartner in Historisches Konzert am 12. Jänner 1918 im großen Saale des Wr. Konzerthauses veranstaltet von der MHZ des k. u. k. Kriegsministeriums [1918]; E. M. Hois in JbÖVw 48 (2000); J. Pommer in Das dt. Volkslied 20 (1918).

Autor(en)
Eva Maria Hois
Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Musikhistorische Zentrale (MHZ)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 20/11/2006]