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Musikschriftsteller
Bezeichnung für AutorInnen von dem Thema Musik (im weitesten Sinn) gewidmeten Texten. Die Benutzung des Begriffs M. markiert die öffentliche Auseinandersetzung um dieses Thema im Sinn des seit der Aufklärung entstandenen bürgerlichen Bedürfnisses, sich musikalische Bildung nicht als eigentliche Berufsausbildung, sondern auch zur Unterstützung privater Musikausübung und privaten Musikkonsums anzueignen (bürgerliche Musikkultur). Die in Zeitschriften, Reiseberichten, halb-öffentlichen Briefen u. dgl. veröffentlichte Information behandelt zunächst (bis in die 1. Hälfte des 19. Jh.s) nicht gefestigte Musikkultur, sondern bietet Anlass zur Reflexion über die vorhandenen Möglichkeiten öffentlichen Musiklebens („raisonnierende Öffentlichkeit“), Musik-Erleben wird auch in literarischer Form beschrieben. Auf dieser Basis entstehen neben Formen der Musik-Belletristik (Musiknovelle, Musikerroman) v. a. nonfiktionale Textgattungen (Biographien, Aufführungskritiken [Musikkritik], Werkbesprechungen, Instrumentalschulen), die in weiterer Folge von der sich entwickelnden Musikwissenschaft als theoretische Disziplin der Befassung mit Komponisten und Werken (im Unterschied zur musica theoretica der mittelalterlichen septem artes liberales ausdifferenziert und vornehmlich betrieben, daneben aber auch von musikalischen Praktikern und Musikliebhabern verfasst werden, die als M. immer freiberuflich tätig sind. Ebenso wie die Zahl der AutorInnen vermehren sich dabei die Medien solcher in gedruckter oder elektronischer Form veröffentlichten Texte; neben Monographien sind dies Sammelbände, allgemeine und Fachperiodika sowie diverse Kleinformen (zur Einführung oder Bewerbung von Ereignissen bzw. Bild- oder Tonträgern).

Die Geschichte dieser Entwicklung in Bezug auf Österreich kann sich an den unterschiedlichsten Berufsbildern orientieren und führt deshalb aus der Vielzahl österreichischer bzw. über Österreich(isches) schreibender AutorInnen jeweils Einzelbeispiele an: Im 19. Jh. werden von Komponisten bzw. Musikern musikalische Inhalte zunehmend erläutert, um einerseits die (bürgerlichen) Träger des Musiklebens zu bilden, andererseits um eigene ästhetische Standpunkte in der Fachwelt zu diskutieren (z. B. C. M. v. Weber, F. Liszt) – das öffentliche Interesse an solchen Schriften wird oft durch deren gesammelte Herausgabe noch zu Lebzeiten dokumentiert. Diese Verbindung von praktischer Musikausübung und M. findet sich bis heute bei Komponisten (H. Gál, A. Schönberg), Dirigenten und Solisten (A. Brendel, D. Fischer-Dieskau, N. Harnoncourt, K. Pahlen, M. Schönherr, E. Werba) sowie bei Funktionären des Kulturbetriebs (H. Damisch, Ernst Marboe, E. Seefehlner, Friedrich Saathen), wobei die elektronischen Massenmedien auch den verbalen Vortrag solcher Erläuterungen populär gemacht haben (vgl. v. a. M. Prawy als sog. „Opernführer der Nation“).

Außerdem bedeutet die Verbreitung einschlägiger Texte in Zeitungen und Zeitschriften eine Nähe des M.s zum Journalisten; die Musikkritik differenziert sich hier als eine eigene Berufsgruppe heraus, die als vorwiegend männliche Domäne gilt (vgl. die Erinnerungen von E. Krenek), während die Tätigkeit als M. es auch Frauen ermöglicht, sich mit dem Gegenstand zu befassen.

Dementsprechend wird heute (2004) unter der Bezeichnung M. eine Publikationstätigkeit angesprochen, die aus unterschiedlichen Berufsbildern stammt und aufgrund zunehmender Spezialisierung innerhalb derselben ein jeweils verschiedenes Maß an Expertise zur Voraussetzung haben kann. Dies macht den häufig verwendeten Begriff M. vieldeutig, obwohl vereinzelt versucht wird, Teilbereiche des Schreibens über Musik (neben dem allgemein geläufigen Musikkritiker) eigens zu benennen, etwa als Musikjournalist.


Literatur
Ch. M. Schmidt (Hg.), Autorenhandbuch Musik 2003/2004. Wissenschaftler und Autoren auf den Gebieten der Musikwissenschaft, Musikkritik und musikalischen Publizistik in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2003 = http://www.vek.de/ahb.htm (2/2004).

Autor(en)
Cornelia Szabó-Knotik
Empfohlene Zitierweise
Cornelia Szabó-Knotik, Art. „Musikschriftsteller‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]