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Musikverlag
Der Aufgabenbereich des M.s umfasst die Erwerbung und Herstellung von Verlagswerken, wobei üblicherweise zwischen Kaufausgaben und Leihmaterial unterschieden wird, sowie deren Vermarktung über die Bereiche Werbung, Vertrieb und Auslieferung an den Buch- und Musikalienhandel (Kunst- und Musikalienhandlung). Seit der Einführung des Urheberrechts 1895 in Österreich gewann zusätzlich die Verwaltung von Verlags- und Urheberrechten zunehmende Bedeutung. Während im 18. Jh. die Finanzierung der Erstauflage noch häufig mittels Pränumeration (auf Kosten des Urhebers) und Subskription erfolgte, übernimmt seit dem beginnenden 19. Jh. üblicherweise der Verleger das finanzielle Risiko. Als Gegenleistung dafür werden ihm vom Urheber sog. Werknutzungsrechte (v. a. Vervielfältigungs-, Aufführungs- und Senderechte sowie Bearbeitungsrechte) eingeräumt. Verlag und Urheber sind üblicherweise an den Tantiemen (Einkünfte über den Verkauf bzw. Leihgebühren, Aufführungsrechte und mechanische Rechte) beteiligt. Die österreichischen Musikverleger sind Mitglieder der AKM (Autoren, Komponisten, Musikverleger), die zuständigen Berufsverbände sind die Musikverleger Union Österreich sowie der Verband der Bühnenverleger Österreichs.

Abgesehen von wenigen Einzelfällen war der Notendruck (im Unterschied zu dem in Kopistenwerkstätten hergestellten Manuskript) in Österreich bis zum späten 18. Jh. kaum verbreitet. Zu den ältesten in Österreich hergestellten Musikdrucken zählen liturgische Drucke aus der Offizin J. Winterburger in Wien (ab 1505). Der in Graz seit 1585 tätige Hofbuchdrucker G. Widmanstetter veröffentlichte einzelne Musikdrucke (u. a. von O. di Lasso), das Unternehmen wurde 1806 von Andreas Leykam übernommen. In Salzburg waren ab der Mitte des 17. Jh.s der Buchdrucker Ch. Katzenberger und der mit dessen Witwe verehelichte J. B. Mayr auch auf dem Gebiet des Notendrucks tätig.

Das M.swesen nach heutigem Verständnis entwickelte sich in Österreich (im Vergleich zu Italien, Frankreich oder auch Deutschland) erst verhältnismäßig spät. Der Handel mit vorwiegend aus Italien, Paris und Leipzig stammenden Musikalien erfolgte bis in die 1770er Jahre über Buch- oder Kunsthändler. Zu den vereinzelt in Wien hergestellten Musikdrucken zählen diejenigen von Johann Peter van Ghelen (1673–1754) und J. Th. v. Trattner. 1777 übersiedelte der Pariser Musikverleger A. Huberty nach Wien und setzte mit der Einführung des hier noch kaum verbreiteten Kupferstichs neue Impulse, die von den Firmen Torricella und Artaria rasch aufgegriffen wurden. Der gebürtige Schweizer Ch. Torricella war seit den frühen 1770er Jahren als Händler in Wien tätig, veröffentlichte ab 1781 eigene Publikationen und wurde 1786 von Artaria übernommen. Carlo Artaria war (gemeinsam mit Francesco A., später Ignazio A.), ab 1776 als Musikalienhändler in Wien tätig, publizierte ab 1778 auch eigene Verlagswerke, und zwar ab 1782 mit kaiserlichem Druckprivileg, welches damals den einzigen urheberrechtlichen Schutz vor unerlaubten Nachstichen und Raubdrucken darstellte. Die Firma wurde ab 1801 von Francesco A.s Sohn Domenico übernommen und war 1858 als Musikalienverlag tätig (danach noch 1892–1919).

Das ausgehende 18. Jh. und die erste Hälfte des 19. Jh.s waren durch zahlreiche Verlagsneugründungen geprägt, von denen nur wenige längeren Bestand hatten; oftmals rasch wechselnde Besitzverhältnisse und Firmenbeteiligungen sowie häufige Firmenübernahmen waren die Folge, darunter: 1784 F. A. Hoffmeister (1807 von S. A. Steiner übernommen), 1785 Musikalisches Magazin gegründet von L. Kozeluch (später A. Th. Kozeluch, ging 1808/09 an die Fa. L. Maisch über). 1787 begann der Kupferstecher H. Löschenkohl mit der Publikation musikalischer Werke (bis 1807); 1794 Joseph Eder (ab 1836 J. Bermann & Sohn) sowie J. Traeg, der seit 1782 in Wien eine Notenkopieranstalt hatte (1805–18 von seinem Sohn Johann Baptist weitergeführt, danach teils von Artaria, teils von Cappi & Diabelli übernommen); 1796 der für die Produktion von Bühnenwerken der Hoftheater ins Leben gerufene Hof-Theater-M. (zeitweise unter der Leitung von Th. Weigl, der ab 1803 einen eigenen Verlag gründete; ging 1821 an S. A. Steiner); 1798 der ehemalige Artaria-Mitarbeiter T. Mollo (1832 von T. Haslinger übernommen), I. Sauer (ab 1822 gemeinsam mit M. Leidesdorf ging 1835 an Diabelli & Co.) sowie C. und P. Mechetti (1855 von C. A. Spina übernommen); 1801 G. Cappi sowie das Kunst und Industrie Comptoir / Bureau des arts et d’Industrie (gegründet von Josef Anton Kappeller und Jakob Holer, seit 1802 unter der künstlerischen Leitung von J. Schreyvogel, 1813–23 unter dem Namen Josef Riedl, dann S. A. Steiner & Comp.); 1803 Th. Weigl (1831 von Diabelli und Artaria übernommen) sowie die von A. Senefelder gegründete Chemische Druckerei (die hier verwendete Lithographie konnte sich gegenüber dem Notenstich nicht durchsetzen und gewann erst im 20. Jh. in ihrer Weiterentwicklung zum Offset-Druck an Bedeutung), seit 1812 war S. A. Steiner Alleininhaber (Übernahme von Hoffmeister, Hof-Theater-M. und J. Riedl), ab 1815 war T. Haslinger sein Kompagnon, der den Verlag ab 1826 unter eigenem Namen übernahm, 1842–75 führte dessen Sohn Carl die Firma bis 1875 unter dem Namen Carl Haslinger quondam Tobias weiter; 1816 P. Cappi, ab 1818 gemeinsam mit seinem Onkel A. Diabelli (Cappi & Diabelli), ab 1852 von C. A. Spina übernommen; 1822 der aus dem Mannheimer Zweig der Verlegerdynastie nach Wien gekommene Mathias Artaria (1833 an Diabelli); 1825–34 A. Pennauer (1834 von Diabelli übernommen). Außerhalb Wiens veröffentlichten u. a. in Graz J. L. Greiner (seit 1823), in Linz F. X. Glöggl (1844–72), J. Kränzl in Ried im Innkreis/OÖ sowie J. Groß in Innsbruck einzelne Musikdrucke.

Ab den 1830er Jahren wurde das Wiener M.swesen aufgrund der zahlreichen Firmenübernahmen von den Verlagen Artaria, Cappi & Diabelli, C. A. Spina und Haslinger dominiert. Zeitgleich mit dem Ende der M. stätigkeit von Artaria und dem Verkauf der Firmen Haslinger an den Berliner Verlag Lienau (A. M. Schlesinger, 1875) und C. A. Spina an Cranz, Hamburg (1879) kam es zu etlichen Neugründungen von Verlagen, die zum Großteil noch heute (2004) bestehen. 1854–97 war Gustav Lewy in Wien verlegerisch tätig (ging an Jo. Weinberger), 1868 gründete B. Pazdírek unter dem Pseud. J. P. Gotthard (1890 über den Verlag Emanuel Wetzler/Julius Engelmann von Doblinger übernommen) sowie 1870 A. Robitschek den seit 1887 nach ihm benannten Verlag (vorher Rebay & Robitschek). Zu den kleineren Firmen zählen der seit 1873 vorwiegend als Konzertagent und Musikalienhändler tätige A. J. Gutmann sowie seit 1877 der durch den Druck der 3. Sinfonie A. Bruckners Bedeutung erlangende Th. Rättig. 1876 gründete B. Herzmansky in Wien den M. Doblinger vorerst mit dem Schwerpunkt Tanzmusik und Operetten, ab den 1950er Jahren erfolgte durch Verlagsleiter H. Vogg der Aufbau eines Katalogs österreichischer Gegenwartsmusik und die Gründung der Reihe Diletto musicale (1958). 1885 begann Josef Weinberger mit seiner vorwiegend der Operette (v. a. E. Kálmán, F. Lehár) gewidmeten Verlagstätigkeit. 1901 wurde die Universal Edition (UE) mit den Verlegern Herzmansky, Robitschek und Weinberger als Hauptaktionären gegründet, mit dem Ziel, wissenschaftlich fundierte Klassikerausgaben in Wien zu drucken; ab 1907 forcierte Direktor E. Hertzka den Aufbau eines Katalogs zeitgenössischer Musik v. a. mit Vertretern der Avantgarde. Der UE-Mitarbeiter A. Kalmus gründete 1923 den Wiener Philharmonischen Verlag und 1936 die Londoner Niederlassung der UE. Die v. a. für die Firmen Doblinger und UE tätige Notenstecherei Josef Eberle (später J. Waldheim-Eberle) produzierte auch eigene Verlagswerke. 1929 gründete H. Kliment sen. den gleichnamigen auf Blas- und Salonmusik spezialisierten Verlag, 1933 rief die Internationale Bruckner-Gesellschaft den Musikwissenschaftlichen Verlag Wien ins Leben. Zu den Verlagsgründungen nach 1945 gehören insbesondere der auf musikpädagogische Werke spezialisierte Verlag Helbling (seit 1946) in Rum bei Innsbruck/T sowie die seit 1949 bestehende Akademische Druck- und Verlagsanstalt (ADEVA) in Graz zur Herausgabe von Faksimile- und Denkmäler-Ausgaben (J. J. Fux-Gesamtausgabe, DTÖ [Denkmäler der Tonkunst in Österreich]). Speziell als Bühnenverlage betätigen sich der Theaterverlag Eirich (Langenzersdorf bei Wien) sowie der Thomas Sessler Verlag (Wien).


Literatur
Lit (Auswahl): MGG 6 (1997); MGÖ 1–3 (1995); Weinmann 2–24 (1950–85); H. Gericke, Der Wiener Musikalienhandel von 1700 bis 1778, 1960; R. Hilmar, Der M. Artaria & Comp. Gesch. und Probleme der Druckproduktion 1977; M. Johann/R. Toeman, 100 Jahre Bühnen- und Musikalienverlag Josef Weinberger 1985; D. W. Krummel/St. Sadie (Hg.), Music Printing and Publishing 1990; H. Vogg, 100 Jahre M. Doblinger 1976; A. Weinmann, Wr. Musikverleger und Musikalienhändler von Mozarts Zeit bis gegen 1850, 1956; [Fs.] Universal Edition 1901–2001, 2000.

Autor(en)
Angela Pachovsky
Empfohlene Zitierweise
Angela Pachovsky, Art. „Musikverlag‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]