Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Neusser Neusser Angelica (eig. Neußer), Familie
Angelica Johanna: * 1859-03-044.3.1859 Haag/NÖ, † 1940-12-1212.12.1940 Wien. Pianistin. Tochter von Eduard N., einem Gerichtsbeamten, und Josefine, Tochter des Haslacher Lehrers Josef Albrecht. Erhielt 1869–75 ihre Klavierausbildung am Konservatorium der GdM als Stiftling (finanziert durch den Bankier Johann Ribarz [† 24.5.1875]) zunächst bei Anton Drill (Vorbildungsklasse), ab 1872 bei A. Door. Ein von ihr 1876 gestellter Antrag um Gewährung eines Künstlerstipendiums des Ministeriums für Kultus und Unterricht wurde von der Kommission (J. Herbeck, J. Brahms, E. Hanslick) aufgrund fehlender Kompositionen abgelehnt. Nach Abschluss ihres Studiums trat sie sowohl als Solistin als auch in kammermusikalischen Besetzungen in und außerhalb Wiens auf, ab 1881 fungierte sie als Klavierbegleiterin ihrer Schwester Gabriele. 1885 dürfte sie mit ihrer Schwester eine Konzertreise nach Deutschland unternommen haben. Am 14.3.1886 veranstalteten die beiden ein Konzert im Bösendorfersaal, später trat sie ohne ihre Schwester auf. Zumindest bis Anfang 1896 als Pianistin aktiv. Taufpatin ihres Neffen Walther Karl (* 28.1.1891 Linz, † 30.1.1945 Mittel Lazisk/Schlesien [Łaziska Średnie/PL]), der Cello spielte.
Ehrungen
1. Preis des Konservatoriums der GdM beim Concurs für Klavier 1875; Silberne Gesellschaftsmedaille der GdM 1875.
Literatur
Wr. Sonn- und Montags-Ztg. 22.3.1886, [4]; Neutitscheiner Wochenbl. für Stadt und Land 22.8.1875, 4; Gemeinde-Ztg. 24.7.1875, 5; Wr. Ztg. 27.6.1875, 2; Signale für die Musikalische Welt 33/35 (1875), 549; Die Biene 1.9.1875 (Beilage), [4]; Der Kamerad 13.12.1876, 3; Fremden-Bl. 15.4.1877, 5; NFP 17.11.1882, 6; J. Beer, Johannes Brahms – Vom Ratgeber zum Kompositionslehrer 2007, 118; Brief an Eduard Kremser v. 17.12.1884 (A-Wst, Hs.slg.); Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; Geburtsbuch der Pfarre Haag 1844–63, fol. 278.


Ihre Schwester

Gabriele (eig. Gabriela Carolina, verw. Amann, verh. Gröber): * 20.3.1865 Neunkirchen/NÖ, † 26.9.1936 Wien. Geigerin. Verbrachte ihre frühe Kindheit in Enns/OÖ. 1875–82, ebenfalls finanziert durch ein Stipendium von J. Ribarz, Violinstudium am Konservatorium der GdM, zunächst bei C. Heissler (Vorbildungsklasse), ab 1878 bei J. M. Grün (Ausbildungsklasse, Diplom 1882). Vermutlich erster öffentlicher Auftritt im Rahmen einer Wohltätigkeitsakademie im November 1881, 1883 Auftritt in Troppau und nach Studienabschluss im Juli 1883 Konzertreise durch Böhmen und nach Oberösterreich (Kremsmünster, Kirchdorf). Ab 1887 bis zum Ersten Weltkrieg mehrfach Konzerttourneen durch Europa (Deutschland, Schweiz, Holland, Österreich-Ungarn, Frankreich, Portugal, Spanien). Am 27.10.1888 heiratete sie in Lissabon den Witwer nach J. Weinlich, Ebo Amann (* 23.[22.?]5.1846 Lienz/T, † 9.3.1899 Wien), mit dem sie sich 1890 in Linz niederließ. Hier war sie im Schuljahr 1890/91 als Violinpädagogin am Musikverein tätig. Danach Übersiedlung nach Wien, wo sie ab Herbst 1892 bis etwa 1899 am k. u. k. Offiziers-Töchter-Erziehungs-Institut in Hernals (Wien XVII) Violine unterrichtete. Darüber hinaus erteilte sie als staatlich geprüfte Violin- und Klavierlehrerin auch Privatunterricht. Daneben regelmäßig Auftritte als Geigerin in und außerhalb Wiens, etwa bei sog. Volkskonzerten, zum Teil auch bei Wohltätigkeitsveranstaltungen. Einmal jährlich veranstaltete sie ein Konzert im Bösendorfersaal. Am 16.11.1902 heiratete N. in Enns Heinrich Gröber (* 10.2.1850 Innsbruck, † 24.11.1927 Wien), den Taufpaten ihrer Tochter Edith. Als ihr Trauzeuge fungierte der Linzer Kapellmeister und Pianist A. Winternitz, mit dem sie bereits 1891 aufgetreten war. Ihr zweiter Mann, ein hoher Beamter der Finanzverwaltung, der auch Geige und Bratsche spielte, fertigte originelle Karikaturen von Musikern und Komponisten (u. a. von J. Brahms, dem er einige schenkte, A. Bruckner und K. Udel) an. In der Folge trat N. seltener in Konzerten an die Öffentlichkeit, wirkte jedoch noch regelmäßig bei Wohltätigkeitsveranstaltungen mit. 1909 trat sie bei einer Haydnfeier des Neuen Frauenclubs als erste Geigerin in einem Streichquartett auf (neben Philomena von Nagy, Anna v. Baumgarten und Leontine Gärtner). Zu ihrem Repertoire zählten neben Werken von J. S. Bach, L. v. Beethoven, F. Schubert sowie den Violinkonzerten von Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Bruch auch jene zeitgenössischer Komponisten wie Camille Saint-Saëns, Robert Gound und Jakob Wolff. Ihre Unterrichtstätigkeit in Violine und Klavier setzte sie auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fort.


Ehrungen
2. Preis des Konservatoriums der GdM beim Concurs für Violine 1882; Widmungsträgerin von J. Wolffs Zwei Intermezzi für V. mit Klavierbegleitung op. 2.
Literatur
Eisenberg 1893; Wr. Allgemeine Ztg. 22.11.1881 (Mittagbl.), 2; Signale für die musikalische Welt 45/37 (1887), 586; Neues Wr. Tagbl. 4.7.1883, 5, 23.1.1909, 12; Prager Tagbl. 9.7.1883, 3; Linzer Volksbl. 24.8.1883, 2; Znaimer Wochenbl. 31.10.1884, 7; [Linzer] Tages-Post 28.9.1890, 4, 21.10.1890, 5, 20.9.1890, 5, 6.11.1892, 4, 1.8.1912, 6; Dt. Volksbl. 20.9.1897, 5; Reichspost 28.11.1912, 12; M. Kalbeck, Johannes Brahms 2/3 (2013), 129, 156; Innsbrucker Nachrichten 19.6.1925, 3, 28.11.1927, 6; Taufbuch der Pfarre Neunkirchen 1859–67, fol. 296; Sterbebuch der Pfarre Währing (Wien XVIII) 1934–35, fol. 32; www.friedhoefewien.at (3/2019); Mitt. Philipp Hoyos [Urenkel] (4/2019); Mitt. Archiv MUniv. Wien (3/2019); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Lehmanns Adresskalender).


Gabrieles Tochter

Edith Pasqua Henriette von Amann, verh. Rodling: * 6.4.1896 Wien, † 14.4.1923 Stockholm. Geigerin, Schauspielerin. Besuchte die Lehr- und Erziehungsanstalt St. Ursula in Währing (Wien XVIII), wo sie 1909 zum ersten Mal öffentlich auftrat. Vermutlich hatte sie von ihrer Mutter eine Ausbildung an der Geige erhalten. 1912 traten die beiden zumindest zweimal gemeinsam bei Wohltätigkeitsveranstaltungen in Hinterstoder/OÖ bzw. Wien auf. Ab 1914 trat E. v. A. auch als Rezitatorin und Schauspielerin an die Öffentlichkeit. Nach ihrer Eheschließung mit dem schwedischen Ingenieur Salomon (Ejnar) Rodling am 27.10.1916 übersiedelte sie nach Schweden, wo sie aus gesundheitlichen Gründen nur noch selten musizieren konnte.


Literatur
Neues Wr. Tagbl. 25.3.1914, 13, 27.12.1914, 15, 16.4.1923, 4; Das Vaterland 15.5.1909, 8; NFP 23.4.1914, 12; Reichspost 29.11.1912, 12; Neuigkeits-Welt-Bl. 30.12.1914, 11; Neues Wr. Journal 21.6.1908, 14; Fremden-Bl. 18.8.1915, 20; Dt. Volksbl. 18.2.1915, 9; Postkarte von G. Neusser an Clara Nigrim vom 18.8.1919 (ÖNB, Mus.slg.); Taufbuch der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube (Wien VI) 1894–97, fol. 146; Trauungsbuch der Lutherischen Stadtkirche (Wien I) 1916, RZ 325.


Gabrieles Enkelin

Helga von Amann, verh. Hoyos: * 19.7.1916 Split/Dalmatien (HR), † 26.6.2015 Schwertberg/OÖ. Schauspielerin. Die Tochter von Gabrieles erstgeborenem Sohn Walther absolvierte von 1933–35 eine Schauspielausbildung am Wiener Reinhardtseminar und erhielt ab der Saison 1935/36 ein Engagement am Landestheater Innsbruck. Nach dem Anschluss 1938 verließ sie das Theater und fuhr für einige Monate in die USA. Nach ihrer Rückkehr heiratete sie 1939 im schlesischen Mittel Lazisk den Juristen Jean Georges Hoyos (1914–1998) und zog sich ins Privatleben zurück.


Literatur
L. J. Mayböck in Windberger Geschehen, Heft 33 (Mai 2011) (online: https://docplayer.org); Innsbrucker Nachrichten 21.9.1935, 5, 4.5.1936, 11; Mitt. Ph. Hoyos (4/2019).

Autor(en)
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Neusser (eig. Neußer), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 05/07/2019]