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Notendruck
Bald nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg in Mainz/D wurde dieses Verfahren auch zum Druck von Noten in liturgischen Büchern adaptiert; dazu verwendete man analog dazu hergestellte Metall-Typen, die Choralnoten als Relief trugen. Der erste, anonyme N. war ein Graduale aus dem Raum des damals österreichischen Konstanz aus der Zeit um 1473. Erhard Ratdolt und Georg Stuchs druckten in Süddeutschland liturgische Bücher mit Noten u. a. für Passau, Salzburg und Melk. In Passau wirkte Johann Petri, der um 1490 eine Agende und ein Missale für Passau und die Historia Sancti Leopoldi mit Noten druckte. Vom ersten Wiener Buchdrucker J. Winterburger hat sich ein Missale defunctorum mit gotischen Choralnoten von 1499 erhalten. Waren für diese Ausgaben noch zwei Arbeitsgänge nötig, so experimentierte Winterburger schon um 1510 für ein Salzburger Missale mit dem einfachen Typendruck, der erst 1528 von Pierre Attaignant in Paris etabliert wurde und dem aus ökonomischen Gründen die Zukunft gehörte. Winterburger brachte bis 1519 17 Drucke mit Noten heraus, darunter auch den ersten in Österreich gedruckten Musiktraktat. J. Singriner in Wien stellte Mensuralnoten (etwa die Chöre in B. Chelidonius’ Drama Voluptatis cum virtute disceptatio, 1515) und deutsche Lautentabulaturen von H. Judenkünig im sonst seltenen Verfahren des Holzschnitts dar.

Wegen der Reformation und der politischen Situation finden wir N.e in Österreich erst wieder in der 2. Hälfte des 16. Jh.s, doch auch in der Folgezeit wurden hier nur wenige hergestellt. Die Zentren dieser Technik lagen in Süddeutschland (Nürnberg, Augsburg) und Venedig. In Wien brachte Raphael Hofhalter 1560 einen Einblattdruck (Flugblatt) mit einer Motette von J. Vaet heraus, Jacob Mair 1574 J. Regnarts Canzone italiane, Stephan Creutzer 1582 L. de Sayves Canzoni a la Napolitana und Introitus von B. Amon und Michael Apffl 1588 B. Amons Missae quatuor, bevor Leonhardt Formica 1588–1602 Messen und Motetten sowie L. de Sayves Teutsche Liedlein druckte. Dieselbe Gattung gab Nikolaus Zangius 1611 bei Ludwig Bonnoberger in Druck, außerdem seine Motetten. Mathaeus Formica druckte seit 1616 Messen von J. Stadlmayr, G. Valentini und Ch. Strauss. Der Drucker Michael Rickhes (Rictius) stellte 1632 Vitus Albert Gessners Psalmi, Magnificat, Antiphonae her, Gregor Gelbhaar 1635 und 1637 Motetten und Psalmen von A. Rauch und G. Pichelmair, dieser auch 1649 D. G. Corners Gesangbuch Geistliche Nachtigal, wovon spätere Auflagen bei Johann Jacob Kürner erschienen, der 1659 auch die jesuitische Davidische Harmonie gedruckt hatte. M. Cosmerovius gab an mehrstimmiger Musik nur A. Mazaks Cultus harmonicus und J. H. Schmelzers Musik zum Rossballett (1667) heraus, außerdem aber ebenfalls Gesangbücher und deutsche Lieder (Liederbuch).

In Graz druckten Andreas Franck zw. 1569/74 A. Giglers Gesang Postill sowie G. Widmanstetter zw. 1587/1614 u. a. Werke von F. und O. di Lasso, J. F. Fritzius, G. Poss, H. Pfendner und mehrere Auflagen von N. Beuttners Catholisch Gesang-Buoch (ab 1602). Seine Nachfolger brachten 1644 die katholischen Gesänge der Himmelischen Harmaney [sic!] heraus.

Weitere geistliche Gesangbücher mit Melodien druckten in Innsbruck Rupert Höller (1558 und 1564) und Johann Paur (1588), dieser auch J. Regnarts Mariale, sein Sohn Daniel Paur zw. 1614/21 Werke von J. Stadlmayr und Ch. Sätzl, J. Gäch seit 1626 und Mich. Wagner seit 1639 Kirchenkompositionen dieser und anderer in Tirol wirkender Komponisten, dieser aber auch etwa G. Arnolds Instrumentalwerk op. 3 (1659). J. Ch. Wagner stellte 1695 R. Weichleins Encaenia musices her.

In Salzburg druckten Ch. Katzenberger 1647 A. Megerles Ara musica und J. B. Mayr von 1655 bis nach 1700 u. a. Werke von A. Hofer, H. I. F. Biber, Ge. Muffat, A. Clamer und liturgische Bücher.

Der Typendruck war für die Darstellung von Akkorden nicht geeignet, für Passagen in kurzen Notenwerten nur mit Einschränkungen. So begann man in Italien um 1535, das Verfahren des Kupferstichs für Lautentabulaturen, etwa ein halbes Jh. später auch für Noten einzusetzen, in Österreich allerdings erst weitere 100 Jahre später sehr sporadisch: H. I. F. Bibers Sonate a violino solo wurden 1681 von Thomas Georg Höger in Salzburg gestochen, I. Albertinis Violinsonaten 1692 von Ph. Fievet, F. I. Hinterleithner stach 1699 sein eigenes Lauthen-Concert, Franz Ambrosius Dietl (Dietell) Go. Muffats 72 Versetl (1726), alle in Wien. Die Personalunion von Hersteller der Druckvorlagen und Verleger ging nun zu Ende, und die Stecher oder später Lithographen wurden in den Editionen kaum mehr namentlich genannt.

Beide Verfahren wurden verbessert: der Notenstich um 1720 durch Verwendung einer weicheren Legierung, die die Verwendung von Stahlstempeln und dadurch gleichmäßige Zeichenformen ermöglichte, der Typendruck 1754 durch Johann Gottlob Immanuel Breitkopf in Leipzig/D, der durch das Fragmentieren der Typen auch Akkorde und Balken drucken konnte. Diese Spielart des Typendrucks wurde von J. Th. v. Trattner in Wien übernommen und für Partituren von Opern Ch. W. Glucks angewandt. Die Zukunft gehörte allerdings – mit Ausnahme von Noten in Kombination mit Buchdruck, die bis weit ins 20. Jh. im Typendruck gesetzt wurden – dem Stich: A. Huberty brachte 1777 französische Stichtechniken nach Wien, die in den Verlagen Torricella, Hoffmeister und Artaria zu einem Höhepunkt des Wiener Notendrucks um 1800 führten.

Ein weiteres, billigeres Verfahren zur Herstellung von Druckvorlagen erfand A. Senefelder in München 1796 mit der Lithographie, dem Schreiben auf Steinplatten, die anschließend geätzt wurden. Er gründete 1803 in Wien die Chemische Druckerey, die 1804 von dem Verleger S. A. Steiner übernommen wurde. Dieser ökonomische Notendruck blühte im 19. Jh.; so auch in Innsbruck bei Josef Grader und Johann Kravogl.

Der Notenstich, der qualitativ überlegene Ergebnisse erzielte, behielt aber bis ins späte 20. Jh. die Oberhand, wurde allerdings zuletzt auch von österreichischen Musikverlagen in Länder mit billigeren Arbeitskräften ausgelagert. Heute ist das verbreitetste Verfahren das – in den letzten Jahrzehnten immer mehr verbesserte, nun schon dem Stich gleichwertige – der Herstellung am Computer, wobei die Verlage von den Komponisten oder Herausgebern meist eine druckfertige Vorlage in digitaler Form erwarten.


Literatur
A. Mayer, Wiens Buchdrucker-Gesch. 1482–1882, 1887; P. Riethus in Das Antiquariat 14 (1958); MGÖ 1 (1995); NGroveD 20 (2001) [Printing and publishing of music]; Th. Graff, Bibliographia Widmanstadiana. Die Druckwerke der Grazer Offizin Widmanstetter 1993.

Autor(en)
Herbert Seifert
Empfohlene Zitierweise
Herbert Seifert, Art. „Notendruck‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]