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Okarina
Gefäßflöte, meist aus Keramik. Die Bezeichnung O. kommt aus dem Italienischen (ocarina = „Gänschen“) und verweist auf die Form. Das Instrument ist bereits in alten Hochkulturen nachzuweisen; die jüngere „westliche“ Variante soll von Giuseppe Donati aus Budrio/I um 1860 erfunden worden sein; sie hat 8 Fingerlöcher vorne und 2 Daumenlöcher hinten. Von Italien aus verbreitete sich das Instrument im übrigen Europa und in Übersee, zunächst durch ein von Donati gegründetes Ensemble, das als The Mountaineers of the Apennins reiste und in verschiedenen Etablissements auftrat. Dieses Ensemble war 1873, 1876 und 1877 auch in Wien, wo es im „Circus Renz“, bei der Weltausstellung und in Danzers Orpheum zu hören war. In Wien gab es vom späten 19. Jh. bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges einige O.-Hersteller; auch wurde eine eigene volkstümliche Literatur für O.-Ensembles geschaffen, z. B. von Ph. Fahrbach sen. In der österreichischen Volksmusik ist das Instrument einerseits durch ein Duo aus den niederösterreichischen Voralpen, andererseits durch eine Gruppe aus Südtirol bekannt geworden. Die Brünndler Pfeifer aus der Gegend von Scheibbs/NÖ dürften das Instrument durch Italiener kennen gelernt haben, die beim Bau der Mariazeller Bahn (vollendet 1905) und der Zweiten Wiener Hochquell-Wasserleitung (vollendet 1910) beschäftigt waren. In Südtirol hat der Volksmusikpfleger Franz Kofler der O. zu großem Ansehen verholfen, indem er sie in die Besetzung der renommierten Volksmusikgruppe Rittner Buam aufnahm, was in Österreich und Bayern nachgeahmt wurde. In der gegenwärtigen (2004) Volksmusikszene Österreichs gehört das Instrument wegen seiner Kleinheit und leichten Transportierbarkeit zu den sog. „Hosensackinstrumenten“, für die es eigene Fortbildungskurse und Notenausgaben gibt. Hergestellt wird es derzeit gewerbsmäßig von der durch ihre Maultrommelerzeugung bekannte Firma Schwarz in Molln/OÖ und von dem Oberösterreicher Hans Rotter; hobbymäßig von dem Vorarlberger Volksmusikanten Kurt Posch, dem Steirer Peter Heinrich und dem Tiroler Markus Felsner.
Literatur
NGroveDMI 2 (1984) [Ocarina]; U. Landkammer, Harmonika, Zither und O. in der Volksmusik des Ötscherlandes (Bezirk Scheibbs, N.Ö.), Hausarbeit Wien 1975; W. Deutsch, Volksmusik des Bezirkes Scheibbs 1976; I. Hosp in W. Deutsch/G. Haid (Hg.), Beiträge zur musikalischen Volkskultur in Südtirol 1997; A. Hirschmugl, Die O. 1998.

Autor(en)
Gerlinde Haid †
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †, Art. „Okarina‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]