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Orphica
Tragbares Tasteninstrument mit Hammermechanik, von C. L. Röllig erfunden. In seiner 1795 veröffentlichten Beschreibung des mit einem Privileg versehenen Instruments gibt Röllig an, es solle den Klangcharakter der Laute nachahmen, wobei jedoch die Spielanlage der des Klaviers entsprach. Dementsprechend bot er die O. sowohl mit einem doppelchörigen Metall- als auch mit einem einchörigen Darmbezug an. Das Instrument ist in Form eines Dreiecks aufgebaut, wobei die Schmalseite vom Stimmstock gebildet wird. Im daran anschließenden kastenförmigen Korpus sind die Mechanik mit der Dämpfung sowie der Resonanzboden mit dem Klangsteg untergebracht. Bassseitig ragt harfenförmig der Saitenanhang vor. Röllig bot verschiedene Baugrößen mit einem Ambitus von 3 ½ bis 4 Oktaven an. Die tiefste Basssaite konnte mittels dreier drehbarer Haken umgestimmt werden. Neben der Dämpfungsaufhebung sah Röllig als dritte Klangvariante einen Lautenzug vor. Mit der Herstellung der Instrumente beauftragte er Wiener Klaviermacher, vorzugsweise J. Dohnal sen. Nach Rölligs Tod erwarb M. Müller d. Ä. dessen Privilegien, es ist allerdings nicht bekannt, ob er auch O.s gebaut hat.

Röllig charakterisierte das Instrument als „für die Ruhe und die sanften Gefühle geschaffen“ und verfasste selbst einige Stücke. Nicht nur auf Grund des beschränkten Tonvolumens konnte sich die O. jedoch nie als ernst zu nehmendes Instrument durchsetzen.


Literatur
C. L. Röllig, O. Ein musikalisches Instrument 1795; Wurzbach 26 (1874) [Röllig]; G. Schilling, Encyclopädie der gesamten musikalischen Wissenschaften 5, 21840, 313; C. Sachs, Real-Lex. der Musikinstrumente 1913; H. Haupt, Wr. Instrumentenbau um 1800, Diss. Wien 1952, 68, 145–148.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Orphica‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 30/10/2008]