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Paluselli, Paluselli, true P. Stefan OCist (Johann Anton)
* 1748 -01-099.1.1748 Kurtatsch/Südtirol (Cortaccia/I), 1805 -02-2727.2.1805 Stams/T. Musiker, Komponist, Chorregent, Musikpädagoge. Sohn von Johann P., genannt Fridrigoti († 1768) und Anna Maria geb. Schweiggl († 1782). Ab ca. 1761 in Innsbruck Schüler des Jesuitengymnasiums und Alumnus des Nikolaihauses, wo er Musikunterricht erhielt und als Singknabe an der Dreifaltigkeitskirche diente. 1768–70 Philosophiestudium an der Univ. Innsbruck, 1770 Eintritt in das Zisterzienserstift Stams, nach Theologiestudium in Brixen 1774 Priesterweihe. 1785 Violinlehrer am Knabenseminar, 1791 Chorregent in Stams. P. ist eine der bemerkenswertesten Musikerpersönlichkeiten Tirols. Von Jugend an entwickelte er einen eigenwilligen Personalstil, der sich stets über dem Niveau anderer Klosterkomponisten hielt. Neben überkommenen schematischen Formen stehen individuelle Satzfolgen und Satzaufbauten, freie Textanordnungen. Zu Melodie und Form reihen sich kleine Abschnitte aneinander, ohne tief greifende Verarbeitung durchkonstruierter Themen. Anklänge an italienische Barockmusik Vivaldischer Prägung, volksliedhafte Passagen, differenzierte feingliedrige Rhythmen prägen sein Œuvre. Er hat das Genre Programmstück v. a. in seinen Soggetti diversi für Cembalo (s. Tbsp.) subtil inspiriert. Um 1790 entwickelte er für den Unterricht der Singknaben in Stams eine eigene Solmisationsmethode.
Tondokumente
TD: Ersteinspielungen von ca. 100 geistlichen und weltlichen Werken auf CDs des Instituts für Tiroler Musikforschung Innsbruck.
Schriften
Registrum Musicalium Stamsensium 1791 (A-ST).
Werke
W (Hss. in A-Imf, A-ST, CH-E): Kirchenmusik (6 Messen, ca. 100 Propriumsgesänge [s. Abb., Autograph in A-ST], Hymnen u. a.), geistliche und weltliche Kantaten, Singspiele, Gesänge, Divertimenti (s. Tbsp.) und Tänze f. Orch., Divertimento f. Ob. u. Orch. (F-Dur, ca. 1775, NA in DTÖ 86 [1949]), Kammermusik (s. Tbsp.), Cembalostücke.
Literatur
NGroveD 19 (2001); MGG 10 (1989); H. Post in Veröff. des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 72 (1992); E. Knapp, Kirchenmusik Südtirols 1993; H. Post, Schuelmayster, Cantores und Singknaben im Landt im Gepirg 1993; H. Herrmann-Schneider in J. Riedmann, [Kat.] Eines Fürsten Traum. Meinhard II.: Das Werden Tirols 1995; J. Mayr in J. Gruber, Kurtatsch und sein Gebiet im Wandel der Zeit 1995; H. Herrmann-Schneider in MozartJb 1996; H. Herrmann-Schneider in Beiträge zur Musikforschung in Tirol 1997; H. Herrmann-Schneider in Tiroler Tageszeitung 9.1.1998; H. Herrmann-Schneider, Die Musikhss. der Zisterzienser-Abtei Stams; H. Herrmann-Schneider in L. Kačic (Hg.), [Kgr.-Ber.] Plaude turba paupercula. Bratislava 2004, 2005.

Autor(en)
Hildegard Herrmann-Schneider
Empfohlene Zitierweise
Hildegard Herrmann-Schneider, Art. „Paluselli, P. Stefan OCist (Johann Anton)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]