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Passau
Stadt am Zusammenfluss von Inn, Donau und Ilz (heute Bayern); von Kelten um 450 v. Chr. als Boiodurum gegründet, ab dem 3. Jh. römisches Kastell Batava. Die Stadt sollte große Bedeutung als wirtschaftlicher Umschlagplatz (v. a. für Salz) und als Bischofssitz erlangen. Bereits in der Vita des Hl. Severin (ca. 511) erscheint das Gebiet südlich der Donau von P. bis Wien als das seiner Haupttätigkeit (frühchristliche Musik) und noch im Nibelungenlied schlägt es durch. Mit der Errichtung des Bistums P. 739 wurde der Kolonisationsauftrag für die sog. Ostmark bis an die Raab (im heutigen Ungarn) festgeschrieben. Daraus, v. a. aber durch die Erhebung von Salzburg zum Erzbistum 798 ergaben sich Spannungen mit Salzburg, die zu den sog. Lorcher Urkundenfälschungen des Bischofs Pilgrim führten (971–91; das Bistum wird als Verlegung der älteren Traditionen in Lorch [heute Ortsteil von Enns; Martyrium des Hl. Florian 304 und der sog. Lorcher Blutzeugen] nach P. interpretiert) und z. T. bis ins 18. Jh. anhielten. Jedenfalls gehörten Wien bis 1468 (ebenfalls Stephanus-Patrozinium des Doms bzw. der späteren Kathedrale und P.er Expositur) und das südöstliche Gebiet um Wiener Neustadt bis 1729 sowie die übrigen Teile der heutigen Bundesländer Oberösterreich (Bistum Linz) und Niederösterreich (Bistum St. Pölten) bis 1784 zum Bistum P., nur die österreichischen Gebiete südlich davon (ab 811 bis zur Drau) zu Salzburg. Die bedeutendsten Klöster waren anfangs die von den bairischen Agilolfingern gestifteten von Niederaltaich (731/41), Mondsee (748), Mattsee und Kremsmünster (777) sowie St. Florian (Ende 8. Jh.). Durch den Hl. Altman wurde um 1067 das Chorherrenstift St. Nikola vor (heute in) P., 1083 Göttweig gegründet; etwa zu gleicher Zeit folgten rechts des Inns die heute österreichischen Chorherrenstifte Suben (zw. 1020/80) und Reichersberg (um 1084) sowie Klosterneuburg (1114), links des Inns das Benediktinerstift Vornbach/D (ca. 1094) und erst 1272 das Zisterzienserkloster Fürstenzell/D. 1217–1803 war P., wie Salzburg, ein geistliches Fürstentum (Hochstift P.), durch den Reichsdeputationshauptschluss kam es an Bayern, blieb jedoch als (relativ kleines) Bistum erhalten; der nordwestliche Teil des Innviertels um Obernberg/OÖ und Schärding war auch zwischen 1811/16 bei P.

Engste Austauschbeziehungen auch in musikalischer Hinsicht verstehen sich aus dem Gesagten von selbst. Für eine Reihe von Musikern, die auf heute österreichischem Gebiet geboren wurden, bedeutete eine Anstellung in P. eine große Reputation, darunter neben dem Schweizer L. Senfl (ca. 1519–23) und dem gebürtigen Savoyer Ge. Muffat (ab 1687): P. Hofhaimer (ca. 1502–06 und 1519–ca. 1522 am Dom), L. Paminger an St. Nikola, Muffats Nachfolger B. A. Aufschnaiter (ab 1705), J. A. und A. Hirschberger, J. J. Friebert (1763–95). Unter den vergeblichen Bewerbern befand sich 1745 J. G. Zechner. In der Zwischenzeit hatten längst auch einheimische Musiker ein hohes Niveau (auch als Komponisten) erreicht, so der Organist Salomon Walthofer († 5.6.1613), mit dessen 6-stimmigen Messen 1602 der P.er Notendruck der Offizin Nenninger (Matheus ab 1586 nachweisbar, sein Sohn Tobias † 17.2.1630) anhebt, dessen Nachfolger, der gebürtige P.er Urban Loth († 29.12.1636) oder der auch in Schlierbach tätig gewesene Franz Anton Hugl (1706–45). Von P. aus wurden auch die Lieder des Procopius v. Templin verbreitet.

Größte Bedeutung kommt dem P.er Orgelbau zu: den Familien Butz, Egedacher und L. Freund, Martin Hechenberger (1836–1919). Die Entwicklung des Bassetthorns (Klarinette) wird auch mit der Familie Mayrhofer (Anton d. Ä. 1706–74, Anton d. J. 1731–94, Michael 1707–78) in Zusammenhang gebracht. Nach der Neuorganisation des Bistums P. 1822 trennte sich der 1813 gegründete Musikalische Verein (Musikverein) von der Pflege der Kirchenmusik, mit der Neugliederung des bayerischen Staates 1837 wurde die Regierung für Niederbayern nach Landshut/D verlegt. Erst danach setzte der Aufbau eines mit Städten ähnlicher Größe vergleichbaren bürgerlichen Musiklebens ein. Die zunächst vornehmlich von Mitgliedern des 1844 gegründeten Priesterseminars getragene Kirchenmusik öffnete sich, da deren Exponent Franz Xaver Haberl (1840–1910) P.er Diözesanpriester und 1862–67 auch Musikdirektor des hiesigen Seminars war, dem Cäcilianismus Regensburger Prägung; erst nach dem Zweiten Weltkrieg (unter Domkpm. Max Tremmel, 1902–80) hat sie sich auch wieder der klassischen und zeitgenössischen Kirchenmusik zugewendet. Die Vermarktung der P.er Orgel im Dom (viele Um- und Erweiterungen der Egedacher-Orgel von 1733, besonders 1928 durch die Firma Steinmeyer und zuletzt 1978–80 bzw. 1993 durch Ludwig und Wolfgang Eisenbarth) als größte Domorgel der Welt (233 Register, 17.974 Pfeifen und vier Glockenspiele, verteilt auf fünf Teilorgeln) ist mit allein musikalischen Kategorien allerdings nicht fassbar.


Literatur
MGG 7 (1997); W. M. Schmid in ZfMw 13 (1931); H.-W. Schmitz, P.er MusikGesch. 1999; W. Neumüller, Sie gaben Zeugnis. Lorch – Stätte des heiligen Florian und seiner Gefährten 1968; W. M. Schmid, Illustrierte Gesch. der Stadt P. 1927; A. Leidl, Kleine P.er Bistumsgesch. 1989; http://de.wikipedia.org (11/2012).

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Passau‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]