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Polka
Paartanz im geraden Takt, bei dem mit zwei Wechselschritten eine Drehung um 360˚ ausgeführt wird. Der Tanz wurde um 1830 als Folge des Erwachens des tschechischen Nationalbewusstseins in Böhmen sehr populär, wobei auch die Legende entstand, dass er um diese Zeit von einem böhmischen Bauernmädchen erfunden worden sei. Tanzgeschichtlich hat die P. jedoch ihre Vorläufer im Ecossaisen-Walzer und im Schottischen, der bereits um 1810 getanzt wurde. 1837 fand die P. durch Studenten in Prag Eingang und erhielt dort vermutlich wegen des „Halbschrittes“ (volkstümliche Bezeichnung für Wechselschritt) ihren Namen: „pulka“ heißt „Hälfte“. Die P. verbreitete sich rasch als Gesellschaftstanz: 1839 wurde sie durch das Musikkorps der Prager Scharfschützen nach Wien gebracht; im gleichen Jahr erreichte sie St. Petersburg/RUS. 1840 wurde sie in Paris aufgeführt, wo sie 1843/44 zum beliebtesten Gesellschaftstanz wurde; 1841/42 tauchte sie in norddeutschen Städten auf, 1844 in London, dann in den USA. Es kam damals zu einer regelrechten P.-Mode; alle Zeitungen berichteten über diesen Tanz, „man trug die Haare à la polka, man salbte sich mit Polkapomade, man aß Kuchen à la polka, trug Kleider à la polka usw.“ (Zorn). Zu den namhaftesten P.-Komponisten zählte die Familie Strauß; in Anlehnung an den Galopp führte J. Strauß Sohn 1864 mit der Juristenball-P. in Wien die Schnell-P. ein. Die P.-Mode hat ihre Spuren in zahlreichen Volkstänzen hinterlassen, was zu einer verwirrenden Terminologie geführt hat (vgl. Bayrisch- P., Mazurka, Polka française, Rheinländer u. a.). Die P. fand auch Eingang in die Kunstmusik mit F. Smetana als berühmtestem Vertreter (u. a. Aus meinem Leben, Die verkaufte Braut).
Literatur
MGG 10 (1962) u. 7 (1998); NGroveD 15 (1980); K. Horak in M. Bröcker (Hg.), [Kgr.-Ber.] Tanz und Tanzmusik in Überlieferung und Gegenwart. Bamberg 1990, 1992; I. Peter, Salzburger Tänze 1975, 131; Schneider 1985; F. A. Zorn, Grammatik der Tanzkunst 1887.

Autor(en)
Gerlinde Haid †
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †, Art. „Polka‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]