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Posaune
Blechblasinstrument mit Kesselmundstück. Der deutsche Name P. ist aus dem mittelhochdeutschen busûne/buzaun = busine über altfrz. buisine vom lat. bucina abgeleitet und deutet ebenso wie die englische, französische und italienische Bezeichnung trombone als Vergrößerungsform zu tromba (Trompete) auf die Abstammung von einem Polsterzungeninstrument aus Metall hin. Etymologisch nicht eindeutig geklärt ist die bis ins 18. Jh. in Frankreich und England gebräuchliche Bezeichnung saqueboute bzw. sackbut.

Vermutlich wurde die P. um die Mitte des 15. Jh.s in Burgund aus der Zugtrompete entwickelt, wobei deren gerade bzw. S-förmig gewundene, zylindrische Röhre, die sich erst im letzten Teil zum Schallstück („Stürze“) hin erweitert, durch einen weiteren Knick in U-Form gebracht wurde. Bereits im 16. Jh. wurde das engmensurierte Instrument, welches mit einem Kesselmundstück, ähnlich wie die Trompete, angeblasen wird, in verschiedenen Größen gebaut.

Die Holzschnittdarstellung der „Burgundisch pfeyffer“, bestehend aus je fünf Posaunisten und Bomhart-(Schalmei-)Bläsern, aus dem Triumphzug K. Maximilians I. von Hans Burgkmair d. Ä. (um 1516), kann als indirekter Beleg für die burgundische Herkunft des Instruments gewertet werden. Maximilians I. vielfältigen Verbindungen zu Burgund und seiner von seinem Biographen Cuspinian beschriebenen Aufgeschlossenheit neu erfundenen Instrumenten gegenüber ist zuzuschreiben, dass P.n sehr früh in der kaiserlichen Hofkapelle Verwendung fanden und sich deshalb auch hierzulande rasch verbreiten konnten. Nach 1500 häufen sich ikonographische und archivalische Belege zur Verwendung der P. in Österreich, als tiefstes Instrument der „Alta Capella“ an Stelle der ursprünglich verwendeten Zugtrompete oder in instrumental bzw. vokal-instrumental besetzten Ensembles meist in Kombination mit einem oder zwei Zinken. Dass die P. im weiteren Verlauf des 16. Jh.s bereits in mehreren Größen eingesetzt wurde, belegen u. a. schriftliche Quellen aus dem Umkreis des Grazer Hofes. So verzeichnet das Kapellinventar von 1577 an erster Stelle „acht Khlaine, drey grosse, vnd ain topelte Pusaun“ sowie „Mehr zwo große newe Pusaun“ und „Item fier khlaine newe Pusaun“. Bereits 1568 wurden u. a. die achtstimmige Aria della Battaglia und eine 24-stimmige Messe des Grazer Hofmusikers und späteren Hofkapellmeisters A. Padovano unter reger P.n-Beteiligung bei der Hochzeit Wilhelms V. in München aufgeführt.

Aus der Feder des Cremonenser Augustinerpater T. Massaino stammt eine Canzona per otto tromboni, die 1608 in Alessandro Raverijs Anthologie Canzon per sonare con ogni sorti di strumenti … in Venedig veröffentlicht wurde. P.n wurden im 17. Jh. in Österreich, meist auf die Stimmlagen Alt, Tenor und Bass aufgeteilt, in größer besetzten Sonaten, Canzonen und Balletti (G. Valentini, A. Bertali, Schmelzer etc.), fallweise auch in der Oper (z. B. A. Cesti, Il pomo d’oro) sowie in der prunkvollen Kirchenmusik (V. Fux, J. C. Kerll, H. I. F. Biber etc.) nach venezianischer Tradition v. a. als Consort- bzw. colla-parte-Instrumente eingesetzt, aber auch mit z. T. extravaganten solistischen Aufgaben betraut (z. B. Werke von M. A. Ziani, J. J. Fux, A. Caldara, F. Conti, G. Reutter d. J. etc.). Diese Partien dürften hauptsächlich den beiden am Wiener Hof 1679–1760 tätigen Posaunisten L. Christian d. Ä. sowie dessen gleichnamigem Sohn, von dem J. J. Fux schreibt, er sei „der erste Virtuos in der Welt in diesem Instrument“, zugedacht gewesen sein. Im weiteren Verlauf des 18. Jh.s beschränkte sich der Einsatz der P.n im Wesentlichen auf die Verstärkung der beiden mittleren bzw., wie es in Salzburg Usus war, auf die drei unteren Vokalstimmen in der Kirchenmusik. Werke mit solistischer P. z. B. von L. Mozart und M. Haydn sowie mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Konzerte von J. G. Albrechtsberger und G. Ch. Wagenseil für Alt-P. wurden für den Virtuosen Th. Gschlatt (1723–1803), der 1756–69 in Salzburg engagiert war, geschrieben.

In der Orchestermusik spielte die P. im 18. Jh. kaum eine Rolle. Erst W. A. Mozart hat P.n wieder in seinen späten Opern Idomeneo (1781), Don Giovanni (1787) und Die Zauberflöte (1791) sowie sehr prominent (Tenor-P.n-Solo am Beginn des „Tuba mirum“) im Requiem KV 626 (1791) eingesetzt. J. Haydn schrieb P.n in seinen Oratorien und in der Oper L’anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice (1791) vor. L. v. Beethoven, der für den Allerseelentag in Linz 1812 drei Aequale für vier P.n (WoO 30) komponiert hatte, verwendete sie für große Finalsteigerungen in seiner 5., 6. und 9. Symphonie. Einen markanten Wendepunkt im Einsatz der P.n stellen Fr. Schuberts Symphonien Nr. 7 h-Moll (1822, D 759) und Nr. 8 C-Dur (1825/26, D 944) dar. Die P.n spielen nicht mehr nur in den Finalsätzen, sondern ebenso in langsamen Abschnitten, auch bei geringerer Lautstärke, und nicht mehr ausschließlich akkordisch-blockhaft bzw. colla parte mit den Mittel- und Unterstimmen, sondern durchaus solistisch oder im Verein mit Holzbläsern. Seit den 1830er Jahren gehört der meist dreistimmige P.n-Satz zur Standardbesetzung großer Instrumentalwerke. A. Bruckner, der in seinen Symphonien und großen geistlichen Werken P.n sehr prominent einsetzt, schrieb 1847 ein Aequale für drei P.n. G. Mahler und A. Schönberg, die fallweise den P.n. -Satz stark erweiterten (fünf P.n in Schönbergs Pelleas und Melisande, 1902/03; sieben P.n in den Gurreliedern), fordern für den Beginn des 20. Jh.s noch z. T. recht unübliche Spieltechniken, wie z. B. das Glissando (Mahler, 3. Sinfonie), die Flatterzunge oder, vom Jazz beeinflusst, die Verwendung von verschiedenen Dämpfern.

An österreichischer P.n-Sololiteratur des 20. Jh.s sind v. a. C. Bresgens Konzert in g (1941) und P. Angerers Luctus et gaudium für Alt-P. und Streicher, 1977 für Branimir Slokar komponiert, zu nennen.

Im 16. und 17. Jh. dürften P.n vornehmlich aus Nürnberg/D, dem bedeutendsten Zentrum des Blechblasinstrumentenbaus, bezogen worden sein. Der berühmte Nürnberger Meister Hans Neuschel war Hoflieferant K. Maximilians I. Weiters deuten erhaltene Instrumente in österreichischen Sammlungen oder diverse Rechnungen, wie z. B. eine Bestellung von zwölf Trompeten, zwei größeren und acht kleinen P.n durch den Grazer Hofmusiker M. Ferrabosco 1607 in Nürnberg darauf hin. Wohl im Umkreis der kaiserlichen Hofkapelle entwickelte sich spätestens im frühen 18. Jh. auch ein bedeutender Blechblasinstrumentenbau in Wien. Hier wären v. a. die Brüder J. M. und J. Leichamschneider sowie A. Kerner sen., im 19. Jh. die Instrumentenbauer L. Uhlmann und J. Riedl, die qualitätvolle P.n erzeugten, zu nennen.

1828 erschien bei A. Diabelli in Wien die Neueste Posaun=Schule von A. Nemetz, eines der frühesten Lehrwerke dieser Art (s. Abb.). 1819 wurden an der Schule des Musikvereins für Steiermark in Graz (J. Kratky) und 1831 am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (F. Glöggl) Klassen für P. eingerichtet.

In den 1820er Jahren, relativ kurz nach der Erfindung der Ventile (1815 für das Horn), setzte sich in Österreich die Ventil-P. durch, v. a. beim Militär. Wegen der Beeinträchtigung des Klanges durch die Ventilzüge und deutlicher Intonationsschwächen wandte man sich später allerdings wieder weitgehend von der Ventil-P. ab. Heute wird diese selten und fast nur mehr in Blasorchestern und in der volkstümlichen Musik eingesetzt.

Eine eminente Bedeutung spielt die P. im Jazz und in der Unterhaltungsmusik. Als Jazzposaunisten von internationalem Ruf gelten E. Kleinschuster (u. a. Erich Kleinschuster Sextett, ORF Big Band, The Austrian Jazz Orchestra) und R. Josel (Josel Trio, gegr. 1960).


Literatur
Federhofer 1967; K. Winkler in B. Habla (Hg.), [Kgr.-Ber.] Johann Joseph Fux und die barocke Bläsertradition. Graz 1985, 1987; D. M. Guion, The Trombone. Its History and Music, 1697–1811, 1988; K. Hanlon, The Eighteenth Century Trombone, Diss. Baltimore 1989; W. Waterhouse, The New Langwill Index 1993; MGG 7 (1997); Hopfner 1999.

Autor(en)
Klaus Hubmann
Empfohlene Zitierweise
Klaus Hubmann, Art. „Posaune‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]