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Potpourri
Ein aus ursprünglich nicht zusammengehörenden Melodien bzw. Kompositionen arrangiertes vokales oder instrumentales Stück (frz., ursprünglich ein Ragout aus verschiedenen, in einem Topf verrührten Fleischresten; Eintopf [aus allerlei Zutaten]). Z. T. sind die einzelnen Abschnitte durch kurze Überleitungen verbunden; eine thematische Einleitung und eine Coda können das Ganze abrunden. In der französischen Literatur findet sich die Bezeichnung bereits im 17. Jh. für die Reihung unzusammenhängender Textfragmente (Pot poury burlesque, Paris 1649). Im musikalischen Bereich wird der Begriff P. erst zu Beginn des 18. Jh.s benützt. 1711 heißt es im Vorwort des dritten Bandes der vom Pariser Verleger Christophe Ballard veröffentlichten Sammlung Brunettes ou petits airs tendres [...] mêlées de chansons à danser, „On a de plus ajoûté une suite de Fragments d’ Airs, tirez la pluspart des Brunetes & des Vaux-de-villes, que leur enchaînement a fait nommer POT-POURY“: Das die Sammlung beschließende Vokalstück reiht Melodien aus den vorangegangenen Bänden und anderen Vaudeville-Drucken desselben Verlegers aneinander, wobei die textliche Abfolge von untergeordneter Bedeutung ist. Die humorvolle Wirkung und die Nähe zum Quodlibet sind unverkennbar. Im Englischen findet sich bis ins 18. Jh. für musikalische Arrangements mit humoristischer Absicht die Bezeichnung Medley. Seit dem letzten Drittel des 18. Jh.s wird der Begriff P. häufig auch für Sammeldrucke oder Reihen verwendet, die Musikstücke verschiedener Komponisten beinhalten, meist zur Unterhaltung, gelegentlich auch in pädagogischer Absicht arrangiert: Sammlungen populärer Tanzmusik (Pot pourry françois, 7 Hefte, erschienen bei Bouin, Paris 1776–83), Reihen mit gemischtem Repertoire (Musikalischer Pot-Pourri oder Sammlung neuer Klavier-Sonaten mit und ohne Begleitung. Sinfonien, kleinen Cantaten, Arien, Liedern und andern kleinen Klavier Stücken, 4 Hefte, Leipzig/Dresden und Budissin 1782/83) und P.s beliebter Opernmelodien (1er Pot pourri d’airs choisis tirés des plus jolis opéra comiques & arrangés pour la harpe ou forte-piano avec accompagnement de violon ad libitum. Par le Roy [...], Œuvre VI. Gravé par Melle Gudin l’ainé, Paris 1784).

Die wachsende Nachfrage nach Opern-P.s seitens musizierender Dilettanten ließ viele Komponisten im 19. Jh. in dieser Sparte tätig werden. So fand das gängige Opernrepertoire durch eine Vielzahl von Klavierarrangements, aber auch kammermusikalischen Bearbeitungen Verbreitung und Einzug in häusliches Musizieren. Beschränkt auf zündende Melodien und nur geringe spieltechnische Anforderungen stellend, entsprachen diese P.s den Erwartungen ihres Laienpublikums. Dies hatte die geringschätzige Beurteilung jener zur Folge, deren Anspruch höheres musikalisches Niveau forderte, insbesondere in den Einträgen lexikalischer Musikliteratur. Diese Kritik änderte jedoch nichts an der Beliebtheit solcher P.s, die v. a. im Biedermeier durch die Orchester von J. Lanner, Joh. Strauß Vater, Ph. Fahrbach sen. und etlicher anderer Musikdirektoren und Militärmusiken auch an öffentlichen Orten erfolgreich gespielt wurden – egal, ob sie aus dem Genre der Tanzmusik, des Liedes, symphonischen Schaffens oder aus dem Opernrepertoire stammten oder aber auch alles vermengten. Etwa ab der Mitte des 19. Jh.s wurde diese Form musikalischer Unterhaltung zusehends durch die Quadrille nach beliebten Motiven eines (Bühnen-)Werks abgelöst. Das P. hielt sich auch in der Unterhaltungsmusik des 20. Jh.s, wobei es hier häufig als Medley bezeichnet wurde. Hinzugekommen sind P.s des Wienerlieds. Arrangements für die verschiedensten Besetzungen bis hin zum Salonorchester (Salonmusik) erfreuen sich selbst heute (2004) noch großer Beliebtheit. Ouvertüren von Opern oder Operetten, die hauptsächlich aus einer Aneinanderreihung mehrerer Melodien des Bühnenwerks bestehen, werden P.-Ouvertüre genannt (F. v. Flotow, Martha; Joh. Strauß Sohn, Die Fledermaus).

Ab 1932 begann die RAVAG äußerst erfolgreich mit der Übertragung sog. „Funkpotpourris“. Der Begriff stammte aus Deutschland, inhaltlich versuchten die Autoren (v. a. V. Hruby und L. Riedinger) jedoch neue Wege zu gehen, indem sie den speziell für den Rundfunk konzipierten P.s nach verschiedenen Themenbereichen (Die populäre Oper und Operette, Einst und jetzt, Im Rhythmus der Zeiten, Rund um den Stephansturm, Von Strauß bis Lehár, Klassisch und modern) einen symphonischen oder dramatischen Aufbau verliehen, z. T. unter Zuhilfenahme eines singenden Conférenciers und unter Mitwirkung eines Großaufgebotes an Orchestern und Solisten.


Literatur
MGG 8 (1998); Metzler Sachlex. Musik 1998; A. Machowetz, Studien zum Wr. Funkpotpourri der 30er Jahre, Dipl.arb. Wien 1994; eigene Recherchen.

Autor(en)
Norbert Rubey
Monika Kornberger
Empfohlene Zitierweise
Norbert Rubey/Monika Kornberger, Art. „Potpourri‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]