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Prehauser, Prehauser, true Gottfried
* 1699 -11-088.11.1699 Wien, 1769 -01-2828.1.1769 Wien. Schauspieler. Sohn des Hausmeisters Johann und der Maria P.; verh. 1720 mit Maria Anna Schulz, 1725 mit Margareta Hilferding, Witwe des Johann Baptist Hilferding († 11.11.1759). Wurde als Diener der Schauspieler Paul Tilly und Christian Gründler mit dem Wiener Theater vertraut. Debütierte 1716 bei einem italienischen Wanderbühnenprinzipal in Mariahilf (Wien VI) als Don Philipp in einem Don Juan-Stück und spielte in der Folge bei Wanderbühnen in österreichischen Provinzstädten, in Schlesien, Böhmen, Mähren und Süddeutschland. Dazwischen versuchte er sich auch selbst als Prinzipal; 1723 ist aus Augsburg/D sein Repertoire (21 Titel, meist Haupt- und Staatsaktionen) überliefert. Bereits 1724 wurde P. in Brünn als „jederzeit beliebt gewesener Hanswurst“ angekündigt; im Jahr darauf holte ihn J. A. Stranitzky an das Wiener Kärntnertortheater, dessen Ensemble er bis zu seinem Tod als Darsteller des Hanswurst angehörte.

Während Stranitzkys Hanswurst hauptsächlich in den „Haupt- und Staatsaktionen“ auftrat, wo er als bauernschlauer Diener die affekt- und pathosgeladene Atmosphäre der heroisch-galanten Adelswelt mit seinem derb-komischen Spiel kontrastierte, spielte sein Nachfolger P. bereits in der Burleske, die sich, getragen von einem weithin gerühmten Stegreifensemble, gegen Ende der 1720er Jahr in Wien nach italo-französischen Vorbildern herauszubilden begann. Die Handlungskomik trat in den Vordergrund; Hanswurst wurde aus seiner solistischen Rolle als Lustigmacher in das Zusammenspiel mit anderen komischen Figuren gedrängt, behielt aber die Führungsrolle, die er bisweilen nur an den zweiten Wiener Star-Komiker J. J. Kurz-Bernardon abgeben musste. Zugleich wurde die Musik zu einem wichtigen Wirkungselement des komischen Genres, und die „Komödienarie“ wird zur Hauptattraktion der „Wiener Burleske“. P. trat als Hanswurst fortan in nahezu allen Repertoirestücken des Wiener Kärntnertortheaters mit Arien bzw. Duetten (meist mit Colombina) hervor; weitere Gesangspartien übernahm v. a. Kurz-Bernardon. Aus diesen Rollenliedern sowie aus einigen erhaltenen Arienbücheln und Theaterhandschriften erfahren wir andeutungsweise, worin P.s Darstellungskunst und die Besonderheit seiner komischen Wirkung bestanden. Sie zeigen ihn v. a. als fulminanten Verwandlungskünstler: In der Burleske Die Zaubertrommel erscheint er hintereinander in acht verschiedenen Verkleidungsrollen, in Die eigensinnige Stroh-Schneider-Zunfft verkörpert er sogar „dreyerley Personen“ zugleich.

Obwohl er sich bisweilen auf seine Abstammung aus einem „erlauchten Salzburger Sauschneidergeschlecht“ berief, entfernte er sich deutlich vom derb-bäuerlichen Hanswurst seines Vorgängers. Seine Liebesbeziehungen waren nicht mehr allein durch derbe Sinnlichkeit charakterisiert, sondern stellten sich bisweilen auch als verfeinerte Erotik dar, der – neben der burlesken Liebeserklärung, der komischen Liebesklage und der furiosen Verzweiflungsarie – auch ein zärtliches Liebeswerben nicht fremd war und die oft überraschend lyrische Töne anschlugt. Seine Kostümrollen waren bevorzugt Wiener Handwerkertypen und Straßenfiguren; daneben gab er auch gerne die Hochstapler und „Windmacher“. Seine Umwelt waren die Figuren des großstädtischen Alltags, Vertreter des „Talmi-Adels“ der Barone Zwickel, Kuttelfleck und Wurstelsprung oder die skurrilen Gestalten einer pittoresken Erwerbswelt, bevorzugt aus dem Jahrmarktsmilieu.

Anders als sein Rivale Kurz-Bernardon mit seinem Hang zur Affekt-Übersteigerung und zum Grotesk-Phantastischen, ging es P. mehr um eine wirklichkeitsnahe und detailreiche Wiedergabe der städtischen Alltagswelt; nach Kurz-Bernardons Abgang (1760) und als Folge des durch den sog. Hanswurststreit ausgelösten Geschmackswandels wurde seine Komik noch realistischer und näherte sich der sozialen Satire des Sittenstücks. Zugleich wurden unter französischem Einfluss empfindsame Tendenzen wirksam, die seiner Komik auch einen „gefühlvolleren“ Charakter verliehen und ihn sogar für Rollen in „regelmäßigen“ Stücken qualifizierten. Nach P.s Tod und der Abwanderung der Volkskomödie (Volkstheater) in die Vorstadttheater wurden zahlreiche Hanswurstrollen vom Kasperl des J. La Roche übernommen, wobei vielfach die traditionellen Eigenheiten der lustigen Person wieder in den Vordergrund traten.


Werke
Gesichert nur Neujahrsgaben, darunter Farciminiana [o. J.], Hannswurstische Träume [o. J.] und eine NA der Lustigen Reise-Beschreibung (1787).
Literatur
Wurzbach 23 (1872); Kosch 3 (1992); Czeike 4 (1995); J. H. F. Müller, Genaue Nachrichten von beyden k.k. Schaubühnen in Wien 2 (1773); J. H. F. Müller, Abschied von der k.k. Hof- und National-Schaubühne 1801; Teutsche Arien, Welche auf dem Kayserlich-privilegirten Wienerischen Theatro [...] gesungen worden: Cod.ms. 12706–12709 der Wr. Nationalbibliothek, hg. v. M. Pirker 1–2 (1927–29); O. Rommel, Die Alt-Wr. Volkskomödie 1952; M. Baar-de Zwaan, G. P. und seine Zeit, Diss. Wien 1967; Zechmeister 1971; R. Urbach, Die Wr. Komödie und ihr Publikum 1973; H. Haider-Pregler, Des sittlichen Bürgers Abendschule 1980; H. G. Asper, Hanswurst. Studien zum Lustigmacher auf der Berufsschauspielerbühne in Deutschland im 17. und 18. Jh. 1980; F. Hadamowsky (Hg.), Neujahrsgaben aus dem Wr. Theater von Stranitzky bis Nestroy 1993; J. Hein, Das Wr. Volkstheater31997; A. Scherl, Berufstheater in Prag 1680–1739, 1999; B. Rudin in B. Marschall (Hg.), [Fs.] O. G. Schindler 2002; E.-M. Ernst, Zwischen Lustigmacher und Spielmacher. Die komische Zentralfigur auf dem Wr. Volkstheater im 18. Jh. 2003.

Autor(en)
Otto G. Schindler
Empfohlene Zitierweise
Otto G. Schindler, Art. „Prehauser, Gottfried‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]