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Preise/Preisträger
Formen öffentlicher Würdigung (hier: von Musikern), entsprechend der eigentlichen Wortbedeutung von P. („Ehre, Lob, Ruhm“) und in Anlehnung an (davon bereits abgeleitete) „Siegergewinne bei Wettkämpfen“; meist verbunden mit der Ausschüttung eines Geldbetrags (gemäß einer dritten trivialen Wortbedeutung von P.) durch den oder die Stifter, die neben (damit als vorbildlich herausgestellten) Persönlichkeiten fallweise auch Namensgeber des P.s sind. Obwohl qualifizierende Konkurrenz im musikalischen Alltag eine vielfältige Rolle spielt, bereits die antiken Olympiaden vollends am Sport orientierte musikalische Wettkämpfe mit Siegern (z. B. im Aulos- und Kitharaspiel) gekannt hatten und Ähnliches auch späterhin gelegentlich öffentlich ausgetragen wurde (z. B. Wettspiele berühmter Musiker; Wettbewerbe), sind Kunstpreise im engeren Sinn erst Erscheinungen des 20. Jh.s und meist durch die sog. „öffentliche Hand“ (welche die adeligen Mäzene abgelöst hatte) gestiftet, in erster Linie von Bund, Ländern und Gemeinden, sodann von Gesellschaften, Vereinen und Veranstaltern, schließlich auch kommerziellen Einrichtungen (Musikindustrie, Musikwirtschaft). In dieser aus dem Kommerz stammenden und der Kunst zuwiderlaufenden Fremdbestimmung (die P.-Verleihung geschieht entweder aufgrund eines Wettbewerbs, jedenfalls aber der Entscheidung einer Jury), der damit verbundenen Möglichkeit von Manipulation (z. B. Bevorzugung bestimmter ästhetischer Richtungen) und sachfremden Interessen (auch z. B. der Lebenssicherung), v. a. aber im notwendigerweise dahinter stehenden Versuch, ästhetische Urteile auf Mehrheitsentscheidungen zu reduzieren oder zu „demokratisieren“, liegt zweifellos die eigentliche Problematik von Kunst-P.n.

Als eine Form von gewissermaßen eher privaten Anhängern, jedenfalls von relativ kleinen Kreisen getragenen P.n erscheint und sowohl auf antike als auch humanistische Übungen (Sieger- bzw. Dichterkrönung) zurück geht die v. a. im 19. Jh. geübte Überreichung von Lorbeerkränzen (z. B. nach UA.en). Aber auch die Rolle von Fanclubs ab dem 20. Jh. können in diesem Zusammenhang verstanden werden. Schließlich werden in den biographischen Beiträgen zum vorliegenden Lexikon unter der Rubrik P. alle Formen von Ehrungen verstanden.

Die Staatspreise für Musik (d. i. Komposition) wurden in Österreich, wie der für Literatur und Bildende Kunst, im Jahre 1934 geschaffen und sollten zweifellos auch der Identitäts-Stiftung dienen. Ein diesbezügliches erstes Zeitungscommuniqué erschien bereits Anfang April, also noch vor Ausrufung des Ständestaats. Durch das Bundesministerium für Unterricht wurden bis 1937 aus Mitteln des Kunstförderungsbeitrags zwei Arten vergeben: ein Würdigungspreis (W) nach Vorschlag des jährlich neu zusammengestellten Preisrichterkollegiums und ein Förderungspreis (F) aufgrund von Preisbewerbungen und nach deren Beurteilung durch dieselben Preisrichter, doch scheinen in beiden Fällen nicht nur kulturpolitische, sondern auch soziale Gesichtspunkte eine Rolle gespielt zu haben. Die Verleihung erfolgte durch den Bundesminister im Saal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Preisträger waren: 1934 R. v. Mojsisovics (W) und L. Weninger (F), 1935 J. Messner (W) und F. Reidinger (F), 1936 Th. Streicher (W) und A. Blümel (F), 1937 J. Bittner (W) sowie F. Salmhofer und H. Holenia. Die Vergabe 1938 kam aufgrund des Anschlusses an Deutschland nicht mehr zustande.

1942 stiftete der Reichsgau Wien einen „Joseph-Marx-Preis“ zur Unterstützung des Begabtennachwuchses der Reichshochschule für Musik in Wien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Staatspreisverleihungen 1950 wieder aufgenommen, u. zw. bis 1969 jährlich ein Großer Österreichischer Staatspreis für Musik, Literatur und Bildende Kunst. Seit 1970 wird der Große Österreichische Staatspreis nur mehr in unregelmäßiger Reihenfolge für je eine der genannten Kunstsparten vergeben, u. zw. ohne Ausschreibung und Bewerbung. Die Träger dieses Preises waren bisher J. Marx (1950), E. Kornauth (1951), J. N. David (1952), J. M. Hauer (1955), H. E. Apostel und O. Siegl (1956), H. Gál (1957), Th. Berger und A. Uhl (1959), 1960 nicht vergeben, E. Wellesz (1961), 1962 nicht vergeben, E. Krenek (1963), 1964 nicht vergeben, G. v. Einem (1965), H. Jelinek (1966), K. Schiske (1967), E. Marckhl (1968), A. Heiller (1969), M. Rubin (1970), C. Bresgen (1976), R. Haubenstock-Ramati (1981), F. Cerha (1986), G. Ligeti (1990), K. Schwertsik (1992), H. K. Gruber (2002).

Seit 1972 werden von den für Kunst zuständigen Ministerien jährlich Würdigungspreise (seit 2010 Kunstpreise) für die genannten Sparten (seit 1979 außerdem für Filmkunst) auf Vorschlag einer unabhängigen Jury verliehen. Preisträger waren bisher: H. Eder (1972), H. Erbse (1973), K. Schwertsik (1974), K. H. Füssl (1975), P. Kont (1976), G. Wimberger (1977), F. Burt (1978), H. K. Gruber (1979), I. Eröd (1980), 1981 nicht vergeben, E. Urbanner (1982), R. Schollum (1983), O. M. Zykan (1984), Th. Chr. David (1985), J. M. Dürr (1986), G. Neuwirth (1987), W. Pirchner (1988), A. Logothetis (1989), 1990 nicht vergeben, M. Gielen (1991), J. Takács (1992), W. Malli (1993), H. Stuppner (1994), 1995 nicht vergeben, D. Kaufmann (1996), B. Breit (1997), B. Sulzer (1998), Maria und Gerhard Crepaz (1999), 2000 nicht vergeben, M. Rüegg (2001), A. F. Kropfreiter (2002), H. Reiter (2003), Ch. Muthspiel und P. Planyavsky (2006), M. Radulescu (2007), F. Pauer (2008), Th. D. Schlee (2010), G. Kühr (2011).

Weiters werden von den zuständigen Ministerien seit 1950 jährlich Förderungspreise für die genannten Sparten ausgeschrieben, die bis 1970 als „Staatspreis“ bezeichnet wurden, seither als „Förderungspreis“. Die Preisträger waren: A. Kaufmann (1950), Th. Berger (1951), H. E. Apostel, M. Haager, K. Etti, E. Romanovsky, K. Schiske und E. Tittel (1952), P. Angerer, E. Miggl, W. Andress und A. Uhl (1953), A. Heiller, L. M. Walzel, E. L. Uray und C. Bresgen (1954), F. Skorzeny (1955), 1956 nicht vergeben, F. Hasenöhrl, W. Bloch und K. Stekl (1957), W. Pach (1958), Re. Schmid, M. Rubin und R. Winter (1959), 1960 nicht vergeben, Th. Chr. David und R. Schollum (1961), H. Eder und W. Nußgruber (1962), J. Takács und F. Leitermeyer (1963), F. Burkhart, A. F. Kropfreiter und P. Kont (1964), H. F. Dallinger (1965), K. Schmidek (1966), J. F. Doppelbauer und G. Wimberger (1967), C. Bresgen (1968), Augustin Kubizek (1969), I. Eröd, K. H. Füssl und I. Radauer (1970), F. Cerha (1971), H. Ebenhöh, A. Mitterhofer und F. Weiss (1972), J. M. Horvath (1973), Carl Colman (1974), H. K. Gruber und E. Freitag (1975), R. Kittler und M. Rot (1976), Dieter Gaisbauer (1977), H. Schwendinger (1978), A. Losonczy und O. M. Zykan (1979); R. Heller (1980), W. Schulze (1981), 1982 nicht vergeben, P. Engel (1983), G. Schedl (1984), G. E. Winkler (1985), M. Rüdenauer und H. Willi (1986), F. Koglmann und W. Mitterer (1987), H. Wisser (1988), R. Dünser und W. Zobl (1989), G. Kühr, H. Lauermann und F. Thürauer (1990), P. Planyavsky und M. Radulescu (1991), M. Kreuz und G. Präsent (1992), M. Nagl und W. Reisinger (1993), J. Klammer (1994), G. F. Haas und Th. Larcher (1995), Al. Stingl, A. Wagendristel und G. Waldek (1996), K. Estermann und W. Sauseng (1997), Th. H. Schuler und W. Wagner (1998), B. Stangl (1999), Erdem Tunakan und P. Pulsinger (2000), J. M. Staud (2001), Gernot Schedelberger (2002), Bernd Richard Deutsch und Th. D. Schlee (2003).

Schließlich wurden fallweise auch noch Österreichische Staatspreise für europäische Komponisten verliehen, u. zw. an: Olivier Messiaen (1985), Alfred Schnittke (1991) und György Kurtag (1994).

Nach dem Muster des Staates haben auch die österreichischen Bundesländer analoge Kultur- und Förderungspreise (solche sind oft von Stipendien nicht zu unterscheiden) geschaffen, u. zw.: Wien 1947 einen Preis sowie Förderungspreise der Stadt Wien, Steiermark 1947 den Joseph-Marx- [seit 1994: Johann-Joseph-Fux-] Musikpreis des Landes Steiermark, 1999 den Karl-Böhm-Interpretationspreis, 2000 den Andrzej-Dobrowolski-Kompositionspreis des Landes Steiermark, 2000 den Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerb des Landes Steiermark, Vorarlberg 1957 eine Ehren- und Förderungsgabe des Landes für Kunst und Wissenschaft, Niederösterreich 1960, Oberösterreich 1962 Kunstwürdigungs- und Landeskulturpreise sowie 1993 den Anton-Bruckner-Preis, Kärnten 1971 Kultur-, Förderungs- und Würdigungspreise, Burgenland 1975 Kultur- bzw. Förderungspreise, Salzburg 1975 Förderpreise, Tirol 1986 einen Landespreis für Kunst.

Ein Überblick über die hier genannten und in der betreffenden Rubrik der vorliegenden Biographien genannten P. ließe nicht nur die Fülle von unterschiedlichen Ehrungen hervortreten, sondern auch eine Betonungsverschiebung von den Komponisten zu den Interpreten, v. a. aber die verschiedensten Differenzierungen von Musik mit ihrer Kommerzialisierung und Trivialisierung. Sowohl im Laufe der Entwicklung der öffentlichen P. als auch der diversen Nachahmungen kann der ursprünglich vorherrschende ideelle Wert (nachträgliche Ehrung) durch den Versuch der Förderung (Unterstützung während der Karriere) und schließlich durch marketing-Mechanismen (jedoch abermals verbunden mit rankings, z. B. Goldene Schallplatten oder Platin-CDs für eine bestimmte Anzahl von verkauften Exemplaren) überlagert werden. Aber auch das war in der sprachlichen Ableitung gewissermaßen angelegt. Daher können P. zwar meist als relative Gradmesser von wenigstens temporärem Erfolg verstanden werden, nicht unbedingt aber für besondere Qualität.


Literatur
MGÖ 3 (1995); C. E. Loidl, Der österr. Staatspreis für Musik, maschr. Graz 1995; Sprach-Brockhaus61951; M. Finkentey, Hb. f. Musiker u. Komponisten 1994; M. Finkentey (Hg.), Hb. f. Musikschaffende 2 1998.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Preise/Preisträger‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]