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Qualtinger, Qualtinger, true Helmut
* 1928-10-088.10.1928 Wien, † 1986-09-2929.9.1986 Wien. Schriftsteller, Schauspieler, Kabarettist, Regisseur und Sänger. Sohn eines Gymnasiallehrers, abgebrochenes Medizinstudium (vermutlich ohne Inskription), daneben Arbeit als Journalist (Welt am Sonntag, Österreichischer Rundfunk u. a.), Schauspieler und Dramatiker: Jugend vor den Schranken (EA 26.3.1949 Graz), Kabarettrevue Blitzlichter (EA 26.12.1950 Wien) mit M. Kehlmann, C. Merz, Reigen 51 (frei nach Arthur Schnitzler) (EA 30.10.1951 Wien) mit Kehlmann, Merz und G. Bronner. Der Durchbruch gelang der namenlos bleibenden Kabarettgruppe um G. Bronner, P. Wehle, C. Merz, M. Kehlmann, G. Kreisler, L. Martini, Johann Sklenka u. a. mit dem Programm Brettl vorm Kopf (EA 12.11.1952), es folgten Blattl vorm Mund (EA 3.10.1956), Glasl vorm Aug (EA 2.10.1957), Spiegel vorm Gsicht (1958/59, TV-Serie, 10 Folgen), Dachl überm Kopf (EA 7.10.1959) und Hackl vorm Kreuz (EA 12.10.1960). Auflösung der Gruppe Mai 1961. Mit C. Merz wöchentliche Zeitungskolumne Blattl vorm Mund im Wiener Kurier (5.3.1955–2.3.1963). Großes Aufsehen erregte Qu.s 1961 gem. mit C. Merz verfasstes Einpersonenstück Der Herr Karl, in dem er im TV (Regie: Erich Neuberg), EA Österreichisches Fernsehen 15.11.1961) und auf der Bühne einen wehleidigen, dabei selbstgerechten Opportunisten verkörperte, der sich in seinem ganzen Leben allen in Österreich herrschenden politischen Mächten angedienert hatte. Heftige Publikumsreaktionen, zahlreiche Aufführungen in Österreich (mehr als 125 in Wien), Deutschland, USA (1963) und Frankreich (1968). Qu. trat sowohl in internationalen Filmproduktionen, vielfach in Literaturverfilmungen, als auch auf zahlreichen Bühnen des deutschsprachigen Raumes als Schauspieler, in späteren Jahren vermehrt in Klassiker-Rollen, dazu als Vorleser (u. a. mit Programmen nach Texten von J. Nestroy, K. Kraus, Adolf Hitler usw. und mit eigenen Kurztexten) auf.

Bereits in den Kabarettprogrammen der 1950er Jahre war Qu. auch als Sänger, mit satirischen und gesellschaftskritischen Couplets, häufig verfasst von G. Bronner, aufgetreten (Der g’schupfte Ferdl, Der Halbwilde [= Der Wilde auf seiner Maschin’], Bundesbahn-Blues, Der Papa wird’s schon richten u. a.). Thematisiert wurden in diesen beißend satirischen, durch Schallplattenaufnahmen zu großer Popularität gelangten Liedern, u. a. immer wieder Themen der österreichischen Politik und Gesellschaft, weiters der ambivalent beurteilte zunehmende Einfluss der US-amerikanischen Populärkultur (auch durch musikalische Anleihen), die sog. Hochkultur (Opernparodien), Folklorekommerz u. a. m. Auch nach Beendigung seiner Kabarettistenlaufbahn trat Qu. in verschiedenen Schallplattenproduktionen als Sänger in Erscheinung, so mit Moritaten und Mörderballaden (1964, gem. m. K. Sowinetz, M: E. Kölz), Vertonungen von Gedichten François Villons (1964, musikalische Begleitung durch den Jazzklarinettisten Fatty George), „schwarzen Liedern“ nach Texten von H. C. Artmann und G. Rühm (1966, M: E. Kölz) und makabren „Wienerliedern" (1986 gem. m. A. Heller, M: T. Stricker). Qu.s Schallplattenaufnahmen und Texte erfreuen sich bis heute (2016) großer Beliebtheit. Qu.s Sohn aus erster Ehe (mit der Journalistin Leomare Seidler), Christian Heimito Qu. (* 1958), tritt neben seiner Tätigkeit als Maler, Schriftsteller und Vorleser mit seiner Band Eiserne Zeit auch als Sänger mit einem Stilmix von Wienerliedern und Jazz, häufig nach eigenen Texten, auf (CD Zur eisernen Zeit, 2003).


Gedenkstätten
Benennung einer Wohnhausanlage der Stadt Wien als H. Qu.-Hof (Wien XIX) 1989; Ehrengrab der Stadt Wien am Wr. Zentralfriedhof.
Ehrungen
zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Wahl zum Österreicher des Jahres 1962 (durch Vertreter der Auslandspresse); Dt. Schallplattenpreis 1968; Goldene Kamera 1968; Goldener Rathausmann 1969; Josef Kainz-Medaille 1970; Nestroy-Ring 1977; Karl Valentin-Orden 1983.
Werke
Alben Sämtliche Kabarett-Aufnahmen 1996 [aufgenommen 1956–60], gem. m. K. Sowinetz Moritaten oder Das Morden höret nimmer auf 1964, H. Qu. singt François Villon. Übersetzungen von H. C. Artmann 1964, H. Qu. singt Schwarze Lieder 1966, gem. m. A. Heller Geschichten aus dem Wr. Wald. Heurige und gestrige Lieder 1986; Werkausgabe , 5 Bde., hg. v. T. Krischke 1995–97.
Literatur
M. Kehlmann/G. Biron, Der Qu. Ein Porträt 1987; M. Horowitz, H. Qu. 1987; G. Wendt, H. Qu. Ein Leben 1999; G. Bronner, Meine Jahre mit Qu. 2003; G. Krenn (Hg.), H. Qu. Die Arbeiten für Film und Fernsehen 2003; A. Klaffenböck et al. (Hg.), Quasi ein Genie. H. Qu. (1928–1986), 2003; https://oe1.orf.at/artikel/463199/Helmut-Qualtinger (11/2019).

Autor*innen
Peter Stachel
Letzte inhaltliche Änderung
13.11.2019
Empfohlene Zitierweise
Peter Stachel, Art. „Qualtinger, Helmut‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 13.11.2019, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001de26
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN

DOI
10.1553/0x0001de26
GND
Qualtinger, Helmut: 118828983
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