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Quodlibet
Komposition, die durch kunstvolle neue Zusammenfügung von bereits vorher bestehenden Melodie- oder Satzteilen zustande kommt (z. B. ein vierstimmiger Satz aus Fragmenten von vier verschiedenen Liedern). Dies ist nicht nur eine satztechnische Herausforderung, sondern setzt große Repertoire-Kenntnis voraus und verfolgt meist auch das Ziel, durch das unvermittelte Zusammenfügen disparater Textabschnitte verblüffende oder witzige, z. T. recht derbe Effekte zu erzielen. Es handelt sich dabei also um Unterhaltungsmusik, die sich v. a. im 15.–17. Jh. besonderer Beliebtheit erfreute. Grundsatz und Bezeichnung sind von der quaestio quodlibetica (lat. = beliebige Frage) hergeleitet, einem bereits im Hochmittelalter aufgekommenen Brauch, bei Disputationen an der Universität auch Scherzfragen zu stellen und daran überzeugendes Argumentieren zu üben. An der Univ. Wien war eine feierliche Disputatio de quodlibet lt. Statuten von 1389 alljährlich am Katharinentag (25. November), also zu Ehren der Schutzpatronin der Artistenfakultät vorgesehen (§ 27). Eine Reihe musikalischer Qu.s findet sich in dem von dem Schotten-Schulmeister W. Schmeltzl herausgegebenen Sammelwerk Teutscher Gesang (1544), deren Wert als historische Quelle von Volksmusik allerdings nicht überschätzt werden sollte (s. Abb.). Ab dem 19. Jh. wurde der Ausdruck Qu. meist nur mehr im wörtlichen Sinne für „beliebige“ Zusammenstellungen (Potpourris) verwendet.
Literatur
NGroveD 20 (2001); R. Flotzinger in StMw 39 (1988); K. Petermann, Das Qu. – eine Volksliedquelle?, Diss. Leipzig 1960; LexMA 7 (1999); A. Lhotsky, Die Wr. Artistenfakultät 1365–1497, 1965, 53.

Autor(en)
Rudolf Flotzinger
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Flotzinger, Art. „Quodlibet‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]