Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Reichardt, Reichardt, true Johann Friedrich
* 1752 -11-2525.11.1752 Königsberg/Ostpreußen (Kaliningrad/RUS), 1814 -06-2727.6.1814 Giebichenstein bei Halle/D. Komponist, Musikschriftsteller. Erster Musikunterricht (Geige, Laute, Gesang) durch den Vater Johann R. (ca. 1720–80), einen Lautenlehrer in Königsberg. R. studierte zunächst auf Empfehlung Immanuel Kants Rechtswissenschaft in Königsberg, 1771–74 Kunstreisen in Deutschland (Briefe eines aufmerksamen Reisenden die Musik betreffend). 1775–94 Hofkapellmeister Friedrichs II. in Potsdam/D. In dieser Zeit ausgedehnte Reisen, 1783 suchte er auf der Rückreise eines Italien-Urlaubs in Wien Ch. W. Gluck und K. Joseph II. auf und gründete in Berlin Concerts spirituels nach Pariser Vorbild; längere Reisen auch nach London, Paris, Rom, Neapel und Skandinavien; wegen seiner Sympathie mit der Französischen Revolution 1794 entlassen. Sein Landsitz Giebichenstein bei Halle/Saale wurde zum Treffpunkt („Herberge der Romantik “) romantischer Dichter (Brüder Grimm, Jean Paul, Ludwig Tieck, Clemens Brentano, Achim v. Arnim, Joseph v. Eichendorff), zu den Gästen zählten auch Johann Wolfgang von Goethe und C. Loewe. 1796 begnadigt und zum Salineninspektor in Halle ernannt; musste 1807 vor Napoleon nach Danzig (Gdańsk/PL) fliehen. 1808 kurze Zeit Kapellmeister in Kassel/D; ging dann nach Wien, wo er L. v. Beethoven und J. Haydn besuchte, die Werke der Wiener Klassik schätzen lernte und weitere Reiseberichte verfasste (Vertraute Briefe geschrieben auf einer Reise nach Wien); anschließend wieder in Giebichenstein. R. war einer der ersten Komponisten von Singspielen und schuf – als dessen Abart und nach Vorbild des Vaudeville – das deutsche Liederspiel. Sein „Stimmungslied“ beeinflusste u. a. auch Carl Friedrich Zelter, C. M. v. Weber und Fr. Schubert. Letzterer machte R.s einfache Liedkompositionen für Goethes Reserve seinen eigenen Werken gegenüber verantwortlich. In seinen opere serie war Gluck R.s Vorbild. R. zählt darüber hinaus zu den bedeutendsten Musikkritikern und -schriftstellern um 1800.
Ehrungen
auswärtiges Mitglied der 4. Klasse des Pariser National-Instituts 1803; w. M. der Königlichen Akad. der Musik in Stockholm 1803.
Werke
ca. 1500 Lieder, Bühnenwerke (Singspiele, Liederspiele, Melodramen, Bühnenmusiken, Opere buffe), Kirchenmusik, Symphonien, Konzerte, Kammermusik, Klaviermusik (Sonaten u. a. D. v. Ertmann gewidmet).
Schriften
Briefe eines aufmerksamen Reisenden die Musik betreffend, 2 Tle. 1774–76; Musikalisches Kunstmagazin, 2 Bde. 1782–91; Georg Friedrich Händel’s Jugend 1785; Vertraute Briefe aus Paris, 3 Bde. 1804, 21805; Liederspiele 1804; (Hg.), Berlinische Musikalische Ztg., 2 Bde. 1805/06; Vertraute Briefe, geschrieben auf einer Reise nach Wien u. den österr. Staaten zu Ende des Jahres 1808 u. zu Anfang 1809, 2 Tle. 1810.
Literatur
W. Salmen, J. F. R. Komponist, Schriftsteller, Kapellmeister und Verwaltungsbeamter der Goethezeit 1963; D. Fischer-Dieskau, „Weil nicht alle Blütenträume reiften“. J. F. R., Hofkpm. dreier Preussenkönige. Porträt u. Selbstporträt 1992; G. Hartung, J. F. R. als Schriftsteller und Publizist, Diss. Halle 1964; NGroveD 21 (2001); MGG 11 (1963) u. 16 (1979); Riemann 1961 u. 1975; SchubertL 1997; N. B. Reich, A Commentary on and a Translation of Selected Portions of „Vertraute Briefe“ geschrieben auf einer Reise nach Wien u. den Österr. Staaten zu Ende des Jahres 1808 und zu Anfang 1809, by J. F. R., 1752–1814, 1974; Deutsch, Schubert Erinnerungen 1957; W. Dürr, Das dt. Sololied im 19. Jh. 1984; MGÖ 2 (1995); Slg. Moißl.

Autor(en)
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Reichardt, Johann Friedrich‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

MEDIEN

GND
Weiterführende Literatur (OBVSG)

ORTE
Orte
LINKS
Bayerisches Musiker-Lexikon Online


Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen

Publikationen zur Musikforschung im Verlag